Ferdinand am Mittwoch, 3. Juni 2009

Hallo ihr Lieben,

Fast einen ganzen Monat habe ich mich nicht mehr gemeldet – das ist die längste Sendepause die ich bisher in diesem Blog hatte.

Mir geht es gut. Ich habe auch das zweite Semester am Iteso gut überstanden und bin kurz vorm Aufbruch  Richtung Süden. Guadalajara will ich endlich hinter mir lassen um Mexiko besser kennen zu lernen. Ich habe mich entschieden die nächsten Wochen nur mit Bussen zu reisen. Es ist einfach billiger einmal für ein Busticket zu zahlen, als alle 100 km Moutgeühren zu entrichten. Vor meinem Aufbruch möchte ich daher noch mein Auto verkaufen – ich hoffe die nächsten Tage bringen mir mehr Glück als bisher.

Ich weiß leider nicht, ob ich mich in Zukunft wieder regelmäßiger melden kann. Mein Rechner hat in der letzten Woche endgültig seinen Geist aufgegeben :( – damit ist meine ganze bisherige Infrastruktur, von Bilderordnern, Picasa zum Bilder hochladen, deutsche Tastatur etc. nicht mehr verfügbar. Naja einen neuen Rechner kaufe ich mir wohl auch erst wieder in Deutschland wieder.  Ein paar Sachen werde ich in den nächsten Tagen aber sicherlich noch schreiben, da habe ich die Bilder eh schon online ;-)

Influenza

Gott-sei-dank ist dieses Thema hier weitestgehend überstanden. Und von anderen Themen wieder verdrängt worden. Ich hatte zweimal eine Zwangspause in meinem Studium (und meine Praktika halt statt in der Uni, zuhause, oder im Starbucks fertig geschrieben – habe also letztendlich das gleiche studiert/gelernt/gearbeitet).

Die Hysterie war sicherlich größer als letzendlich die Auswirkungen. Die Opferzahlen haben sich zum Glück ja in Grenzen gehalten. Bei den Menschen hier herrscht größte Verwunderung darüber, warum das ganze überhaupt so ernst genommen wurde. Es gibt diversen Verschwörungstheorien. Hauptsächlich wird dabei die eigene Regierung für die Medienpanik verantwortlich gemacht. „Die haben dass doch nur erfunden, um hinterher als Retter dazustehen“. In einem Monat sind zwar Parlamentswahlen, aber wenn das wirklich ein PR-Coup gewesen sein soll, ist der Schuss eher nach hinten loß gegangen. Was die Regierung allerdings schon gemacht hat, war die Zeit für ein paar Gesetze zu nutzen über die sonst etwas länger diskutiert worden wäre. Als Kampf gegen die Drogenkriminalität wird gefeiert, dass geringe Mengen an Rauschgift ab sofort nicht mehr strafbar sind, statt dessen werden Wiederhohlungstäter in Enzugskliniken untergebracht – was genau das aber gegen die Drogenbanden bringen soll, weiß ich allerdings nicht – nur eine komplette Legalisierung in den Vereinigten Staaten würde ihr Geschäftsmodell nachhaltig zerstören. Weitere Gesetzte sind: Polizisten dürfen nun auch Zivil ermitteln (ich weiß in Deutschland ist das normal – die große Befürchtung ist hier allerdings eine Zunahme der Korruption) , oder das die Polizei rellativ leicht Wohneigentum betreten kann. Leider gibt es in Mexiko keine all zu protestwillige Zivilgesellschaft und ich persönlich beteilige mich auch lieber bei Petitionen meiner Heimat gegen sinnlose Gesetze.

In einigen Details hat die Influenza auch meinen Alltag geprägt. Während der Hysterie standen an allen Ecken Desinfektions-gele herum. So oft, wie in den letzten Wochen habe ich mir zuletzt während meines Zivildienstes (in einem Krankenhaus) die Hände desinfiziert. Wenn man die Beschreibungen dieser Produkte ließt steht relativ prominent, dass diese 99.9 % der Bakterien abtöten. Das soll sich wohl beruhigend anhören – dass man 0.1 % damit zu resistenen Biestern macht, scheint niemanden zu stören. Aber um es positiv zu sehen: Ich hatte seit 2 Monaten keine Magen‑ Darmprobleme mehr! Der Hygiene-quantensprung war deutlich zu spüren.

Ein weiterer Punkt dieser Zeit war, dass alle Bars, Discos, etc geschlossen hatten, was zu einer Blüte illegaler Partys geführt hat. Diverse WGs haben ihre Türen für die Öffentlichkeit geöffnet, 10 Pesos Eintritt, billiges Bier – Musik aus der Stereoanlage, oder von der Underground Band. Manche Bars haben auch einfach als Restaurant wieder aufgemacht und die Musik einfach ein bisschen leiser gedreht.

Iteso

Vor einer Woche bin ich mit meinem Semester fertig geworden. Es war mal wieder stressig und wie auch im letzten Semester blieb ich eine mehr oder weniger gemütliche Nacht am Iteso um noch schnell ein Praktikum fertig zu programmieren. Mal wieder ein bisschen SOPRA Feeling ;-) Aus fast zwei Wochen Abstand ist es nicht mehr schlimm – auch wenn ich innerhalb der letzten Woche (nach Angabe von Melodie und Prisca) etwas anstrengend gewesen sein musste… Aber Semesterstress geht vorbei – mittlerweile habe ich auf meine Klassen 3 mal 10 aus 10  und einmal 9 aus 10 bekommen. Damit bin ich mehr als zufrieden. Momentan bleibt mir nur zu hoffen, dass ich das auch dementsprechend in Ulm angerechnet bekomme.

Und nun der Nerdteil, meines Semesters. Alle Nichtinformatiker/Nichtinteressierten können gerne aufhören zu lesen – ich melde mich demnächst mit ein paar Urlaubsartikeln, wo ich die Fotos schon hochgeladen habe.

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Ferdinand am Mittwoch, 25. Februar 2009

Im Norden Mexikos tobt ein Krieg der Drogenkartelle, untereinander und gegen Polizei und Militär. Erst letzte Woche hat die Polizei versucht ein Auto in Reynosa (direkte Grenzstadt, neben McAllen Texas)anzuhalten und zu durchsuchen – das Auto war voller Narcos (Kartellmitgleider), die sich mit Waffengewalt gegen diese Durchsuchung wehrten. Dies führte zu einer 10 stündigen(!) Verfolgungsjagt durch das Stadtgebiet geführt, mit mehren Toten und Verletzen. Wer sich davon ein YouTube Video(die Einschusslöcher erinnern mehr an Krieg, als an Polizeiarbeit) ansehen will, soll dieses tun.

Davon bekommt man in Guadalajara rellativ wenig mit. Es gibt Kontrollen an den Autobahnen, besonders in Michuacan eine hohe Polizeipräsenz (die oftmals auch schwer bewaffnet sind), und die Berichterstattung durch die Medien. Erschreckend finde ich die Meldung[spanisch] von gestern, dass der Staat nicht mehr die Kapazitäten hat Morde im Zusammenhang mit Drogenkartellen (aber unabhängig davon ob das Opfer Bandenmitglied, Zivilist oder Polizist ist) aufzuklären. Im letzten Jahr handelt es sich immerhin um 5630 Todesopfer.

In diesem Zusammenhang (und wegen der bevorstehenden Wahl) wird in Mexiko zur Zeit intenstiv über die Wiedereinführung der Todesstarfe[spanisch] diskutiert. Hierüber gibt es auch einen Spiegel Artikel. In diesem geht es neben der Todesstarfe um ein Kartellmitglied, das für die Beseitigung von Leichen verantwortlich war(er hat etwa 300 Leichen in Lauge aufgelöst). Als ich diese Geschichte zum ersten Mal in Mexiko gehört hatte, war allerdings von lebenden Menschen die Rede und besagter Narco wurde dementsprechend als erster Kandidat für die Todesstrafe vorgeschalgen. Zitat: „Das Gefängnis ist doch dazu da, Menschen zu resozialisieren – aber was will man bei dem denn resozialisieren? Wie soll denn aus dem jemals wieder ein normaler Mensch werden“

Einen Hintergrundartikel zum Drogenterror in Mexiko gibt es von Le Monde diplomatique (in einer deutschen Übersetzung bei der taz)

Terror in Mexiko

Dass die Drogenkartelle und ihre Kultur zum Alltag gehören und nicht zu einem blutigen Themenpark, wollten die Mexikaner lange nicht wahrhaben. Ein Essay über Macht, Straflosigkeit und Terror. VON JUAN VILLORO (weiter)

Raimar am Montag, 23. Februar 2009

Wichtige Landesverbände rücken vom JU-Chef nach dessen Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger ab. Sie fürchten das Stigma der Schnösel-Partei.

Insbesondere:

Die Gefahr bestehe, dass die Union und ihr Nachwuchs als kalte Schnösel-Partei abgestempelt würden.

Quelle: Zeit.de

Das (leider?) das subjektive Bild das ich von dem Umfeld der Jungen Union/RCDS/… habe. Und das nicht nur basierend auf Ulmer Erfahrungen. Mh irgendwie hätte ich Lust auf ein JU/RCDS Watchblog wenn ich zurück bin. Who else?!

Ferdinand am Samstag, 31. Januar 2009

Mexiko ist das ungerechteste Land der Welt, was die Verteilung des Reichtums anbelangt. 40 % der Bevölkerung muss von weniger als 2 US Dollar leben und die restliche Bevölkerung ist mehr als ungleich verteilt. In Guadalajara gibt es eine stabile Mittelschicht (nagelneue MacBooks gibt es hier am Iteso fast öfter wie an der uulm), die im Vergleich zu der Restbevölkerung sehr klein, im Vergleich zu den wirklich Reichen sehr groß ist. Nun gut: Reichtumspyramiden gibt es in jedem anderen Land. Sie erscheinen aber im Vergkeich zu Mexiko eher flach. Wie pervers der Reichtum, der wenigen ist, zeigt sich allein daran dass der reichste Mann Mexikos alleine(!) für 8 % Prozent des Brutoinlandsproduktes verantwortlich ist.
Über diesen Mann, Carlos Slim, hat die Zeitung Le Monde diplomatique ein Porträt geschrieben.

Mein Lesetipp: Der Besitzer von Mexiko

Frank am Montag, 1. Dezember 2008

„Steht Thailand ein Militärputsch oder ein Volksaufstand bevor? Die Stimmung in Bangkok wird immer gereizter. Während 100.000 Touristen festsitzen, rüsten alle Seiten zum Kampf um die Macht.“

Ich habe meine Text über die Lage Thailands über den Haufen geworfen und zitiere lieber einen Profi. Ja bissl faul, aber der Artikel auf SPIEGEL ONLINE fasst die Sache sehr gut und prägnant zusammen. Sehr lesenswert!

Mittlerweile ist die Situation echt ärgerlich. Mein Visa müsste bald mal erneuert werden und unser geplanter Hongkong Trip nächstes Wochenende wird wohl ziehmlich wahrscheinlich ausfallen. Außer wir nehmen das Schiff. Auch einige andere Leute hier sind, wie die 100,000 Touristen in Thailand, betroffen. Antoine, ein Franzose der seinen Freund hier besucht hat kann nicht mehr heimfliegen und muss jetzt, anstatt daheim arbeiten zu dürfen, mit uns hier am Pool abhängen (OK, gibt schlimmeres ^_^). Patrik, ein Student aus Amsterdam, hat für dieses Wochenende eigentlich seine Eltern erwartet und auch andere haben Wochenendtrips in die umliegenden Länder geplant. Außerdem meide ich im Moment manche Bereiche in Bangkok lieber. Der tolle FlowerNightMarket nördlich der KaoSanRoad liegt doch zu nah am, seit Monaten besetzten, Govermenthouse. Uns nachdem seit kurzen dort immer häufiger Granaten explodieren lass ich die Erkundung der Gegend mal lieber.

Frank am Donnerstag, 27. November 2008

Mittlerweile sind beide Flughäfen von Bangkok gesperrt bzw. besetzt und bleiben es wohl noch bist zum Sonntag. Naja, falls das Militär nicht eingreift… :(

Beim heutigen schlendern durch Bangkok ist uns außerdem die erhöhte Militärpräsenz aufgefallen. An wichtigen Kreuzungen und Skytrainstationen hängen plötzlich Soldaten rum. Das war bisher definitiv nicht so. Dazu passend gibt es gerade immer mehr Gerüche über einen bevorstehenden Militärputsch. Mal schaun. Großartig !

Spiegel TV [Video]

Frank am Dienstag, 25. November 2008

Ich wollt eigentlich schon seit längerem mal was über die aktuelle politische Situation in Thailand schreiben. Die Proteste dauern schon seit Monaten an, aber im Moment herrscht ein neuer Höhepunkt. Ihr habt es wahrscheinlich in den Nachrichten mitbekommen: Das Parlament wurde umstellt und der Flughafen zeitweisebesetzt. Und wie es aussieht wird in den nächsten paar Tagen noch einiges folgen.

SpOn und NYTime berichten.

Uns betrifft es hier gerade noch nicht wirklich. In dem meisten Teilen Bangkoks ist es ruhig. Das Guesthouse in dem wir die nächsten paar Tage verbringen wollten liegt aber in der Nähe des Regierungsviertels :(  das heißt wir werden uns wohl doch was anderes suchen.

Und hier für die lesenfaulen ein Video.

Raimar am Sonntag, 14. September 2008

Endlich wird hier mal über Außenpolitik diskutiert, die Ausweisung des US Botschaftlers aus Venezuela ist ein ganz großes Thema. Wurde darüber in Deutschland berichtet? Insbesondere ein anderer Austauschstudent aus Stuttgart der sowohl einen Venzuelanischen als auch einen Deutschen Pass hat ist sehr unzufrieden mit dieser Situation, obwohl sich für ihn persönlich nichts ändert da er mit dem deutschen Pass eingereist ist.

Weitere Infos gibts bei Reuters und der NY Times.