Mat am Donnerstag, 25. Februar 2010

So nun bin ich wieder ins schöne Nanjing zurückgekehrt. Als ich etwas müde aus der U-bahn stieg, wehte mir der staubige Duft der Stadt in die Nase. Das ist Nanjing, hier riecht es nicht so wie in Harbin oder Guilin, dachte ich mir. In meinem Wohnheimszimmer angekommen sehnte ich mich nach einer Dusche und einem Gang zur Toilette. Dort wurde mir gewahr, dass ich die ganzen 4 Wochen das Badezimmerfenster offen gelassen habe. Und als ich dann die Klobrille putzte war das Toilettenpapier ganz schwarz. Beim duschen sah man, wie das Wasser einen Staub und Dreckfilm vor sich weg schob und sich mit diesem langsam vermischte. Nanjing hat ganz schön viel Dreck in der Luft. Man sagt ja, ein Tag Beijinger Luft ist wie eine Schachtel Zigaretten. Hier ist das wohl so ähnlich.

Nichtsdestotrotz werde ich beginnen meine Fahrt zu rekapitulieren und mit Bildern (unselektiert 1300 Stück) zu untermalen. Harbin habe ich ja schon beschrieben, also folgen nun erst einmal die Bilder zu Harbin:

Auf dem Weg nach Harbin: Die Zugtüren frieren ein

Harbinner Baumkuchen bzw Straßenbelag

das Unigebäude irgendeiner Harbinner Uni

Eisaustellung am Bahnhof







Architektur in Harbin


Die Kirche St. Sofia



Und russische Touriware in der Kirche

Grandios! Vor St. Sofia kommt das heilige Licht aus dem Boden, atemberaubend!

Die 中央大街 (zhongyangdajie = große Hauptstraße)


 –10℃

für gewisse Liebhaber und Rechtschreibprofis

nicht mal 10 Meter davon entfernt

McDonalds rosa Taro-Taschen, in Köln wäre das der Renner








Winterspaß auf dem zugefrorenem Fluss

Mit dem Halsabschneider auf kurzem Flussrundritt








Lichtshow auf dem Fluss

Harbin bei Nacht







Einkehren bei der deutschen Wurstfabrik

Mit den Australiern in der USA-Bar, australischen Nationalfeiertag feiern







Abseits vom Toursimus









Schlittschuhlaufen


Die lustigen Kinder, die mir Schlittschuhfahren beibringen wollten


In einer ehemaligen Synagoge




Man beachte die Unter‑ und Überschriften


Die Gesetze der Optik









Engländer im Hostel mit Gitarre

Mat am Mittwoch, 16. Dezember 2009

Am Sonntag war ich mit Flo und Unmei in der Gedenkstätte des Nanjing Massakers. Genau an dem Jahrestag (13.12.1937), als die japanische Armee als Sieger in die ehemalige Hauptstadt Chinas einzog. Die darauffolgenden 6 Wochen wurden laut chinesischen Angaben über 300.000 Menschen, auch Frauen und Kinder, auf brutalste Art und Weise hingerichtet und über 20.000 Frauen vergewaltigt. Die Objektivität dieser Zahlen und Daten wird einem spätestens dann genommen, wenn man dieses Mahnmal, begleitet von einem gleichmäßigen Glockenschlag, der den Eingang der Ausstellungshalle umnebelt, betritt. Es wurden dort die Namen all derer, die unschuldigerweise von der japanischen Armee niedergestreckt wurden, in die Wand graviert. Hin und wieder findet man sich in einem nachgebauten Kriegsszenario wieder und kann auf Schautafeln peinlich genau nachvollziehen, was vor, in und nach dem Massaker passiert ist. Es wird auch nicht gescheut die Texte mit reißerischen Adjektiven zu versüßen, dass man sich auch in die damalige Situation versetzen kann. Es wird von Grausamkeiten berichtet, wie Menschenjagd, wahrloses Erschießen von Passanten, Massenvergewaltigung, etc. Angst, Hass und Trauer liegen hier stark beieinander, vermischt mit einem kleinen bisschen schlechtem Geschmack. Ich frage mich ein bisschen ob es Leute gibt, die die ganze Sache mehr als Unterhaltung als als Andacht sehen, wenn man beobachtet, dass Eltern ihre Kinder im Vor‑ und Grundschulalter dorthin mitnehmen. Für diese ist das ganze doch nichts anderes als eine Geisterbahn in der man auf der Hälfte des Weges Hotdogs kaufen kann. Vor allem der 2. Stock zeugt von schlechtem Geschmack, wenn man im ersten davon predigt wie schlimm Krieg ist, dafür aber im 2. mehrmals mit Victory und der Großartigkeit Chinas erschlagen wird.

Die Parkanlage Außerhalb fand ich hingegen wieder sehr gelungen. Hier waren aufgrund des Jahrestages viele Blumenkränze aufgebahrt. Ich habe jedoch leider verpasst, als um 10 Uhr morgens die ganze Stadt anlässlich dieses Tages Glocken läuten hat. Es gibt dort einen Gedenkstein, vor dem eine ewig-brennende Flamme brennt, die aber kurz vor der Schließung der Anlange ausgemacht wird. Manchmal kann man sich echt nur wundern. Aber viel Spaß mit den Bildern von der Außenanlage, drinnen war das fotografieren verboten.

Trotz mancher (meiner Meinung nach) Geschmacklosigkeiten ist der Besuch hier sehr empfehlenswert.

Es gab dieses Jahr auch einen deutschen Film, der dieses Massaker aus Sicht eines Deutschen, namens John Rabe, beschreibt. Dieser richtete im Namen des roten Kreuzes zu dieser Zeit eine Sicherheitszone in der Stadt ein und rette damit 250.000 Chinesen das Leben. Ein Nazi, der, aus Sicht der Chinesen, ein Held war, und dem Hitlerregime eher eine positive Reputation in China verschaffte.

Mat am Samstag, 28. November 2009

Nach dem Unterricht schrieb mir Duba eine Nachricht, dass er gerne mal mit vielen Leuten eine Sehenswürdigkeit besuchen wolle, die den wundervollen Namen: „Das Taiping himmlische Königreich Museum der Geschichte“ trägt. Ein bisschen Abwechslung kann ja nich schaden, also gingen wir (das waren Duba, Joe, Bino, Chinh und ich) dorthin, ohne zu wissen, was es da eigentlich zu sehen gibt. Wenn das schon so heißt, dachte ich, kann es ja nur toll sein.

Das Museum befindet sich auf der Südseite vom Konfuziusmarkt (Fuzimiao 夫子庙). Als ich dort ankam, erinnerte ich mich, dass ich das sowieso schonmal anschauen wollte, weil der Eingang schon so beeindruckend ist. Es besitzt riesige Tore und muss früher mal etwas wie ein Anwesen gewesen sein. Chinh meinte, dass er schonmal da war und es eigentlich nicht so toll war. Das Museum an sich war auch nicht so aufregend. Es handelt sich dabei um eine Abhandlung einer Epoche der Geschichte Nanjings, welche das „himmlische Königreich“ genannt wird.

Die Kunstgegenstände im Museum waren nicht so aufregend. Jedoch war das Anwesen einfach toll: schöne verwinkelt Gänge, Gallerien und Pavillons; Teiche, Felsen und auch ein Wasserfall. Eine perfekt Location mal ein bisschen mit der Kamera rumzuspielen und ganz viele Fotos zu machen.

Hauptdarsteller sind:

Duba

Joe

Bino

Chinh

und Mirko aus Höchst

Los gehts!



































Der Wasserfall wurde ausgeschaltet, nachdem eine Olle rumgemotzt hat und wir dennoch nicht vom Berg hinabgestiegen sind.

Mat am Mittwoch, 25. November 2009

Weil Juliane mal nachgefragt hat, wie denn nun der Campus ausschaut und ich bisher der Bebilderung schuldig bin, werde ich das nun hiermit tun. Das war einen Tag nach dem ersten Schnee und ich hatte schon vergessen, dass einem die Finger ziemlich schnell einfrieren, wenn man bei –3° ohne Handschuhe Fotos macht. Ich gehe auch davon aus, dass dies auch einer der Gründe ist, warum ich gerade mit Husten und Schnupfen im Bett liege/sitze und mir die Zeit nehme das zu schreiben.

Ich beschreibe hier den Weg vom Wohnheim aus zu meinem Klassenraum, wo ich die Sprachkurse habe. Von dort aus gehe ich zum Gebäude, wo die Informatiker ihr Lab haben, bzw hoffentlich auch bleiben dürfen. Mir kam nämlich zu Ohren, dass die Informatiker zum neuen Campus umziehen müssen. Ich hoffe nicht, dass dies geschieht, das wäre aus diversen Gründen, die ich irgenwann mal erleutern werde, ziemlich „incovenient“.

Raus aus dem Wohnheim auf die Straße:

rechts abbiegen und an dieser Kreuzung wieder links abbiegen


Der Straße ein Stück folgen, auf der linken Seite ist eine der Mensen, einen Schwenk nach rechts sieht man den Eingang vom Sipailou-Campus.





Der Hauptstraße folgend, sieht man links ein Verwaltungsgebäude, in dem man Geld auf seine Karte laden kann, rechts daneben die Bücherei (Tushuguan 图书馆).



Zentrum des Campus bildet dieser Springbrunnen, hier biegen wir wieder links ab, links sieht man ein Gebäude, das gerade renoviert wird und in das die Verwaltung und das Präsidium der Uni ziehen soll. Irgendein toller Mensch hat mal darin gewohnt, erzählte mir Laowei.



Am Ende der Straße biegen wir rechts ab und sehen links das Konferenzzentrum des Campuseigenen Hotels, rechts sehen wir den Sportplatz, mit Tennisplätzen, Volleyballnetzen, Basketballnetzen und Dauerlaufbahn.


Ein Stück und dann links ist das Hotel, indem wir unseren Klassenraum haben. Irgendwo im 2. Stock ist dieser „Klassenraum“. Ihm werde ich auch noch ein Kapitel widmen.

Wenn man aber geradeaus am Sportplatz entlang läuft, ist links eine Sporthalle mit Kraftraum, Badmintonplätzen und Tischtennisplatten, die man gegen Geld reservieren kann.


Weiter hinten ist ein kleiner Park, indem ich einen wunderschönen Schneemann gefunden habe. Zudem eine Statue von irgendjemanden, der just in diesem Moment eine Erleuchtung hatte.





Wenn man von dort aus rechts abbiegt, am Sportplatz entlang geht kommt man nach einer Weile an einem Parkplatz vorbei und schließlich am Gebäude der Informatiker an.



Ich hoffe der Rundgang hat gefallen. Wartet gespannt auf Teil 2!

Mat am Dienstag, 24. November 2009

Vor einer Woche geschah etwas, dass in Nanjing seit 50 Jahren nicht mehr passiert ist … es hat im November geschneit. Normalerweise schneit es hier im Januar, frühestens im Dezember. Nun dieses Jahr hat es am 16. November geschneit; oder sollte man sagen: „geschneematscht“. Was da Sonntag Nacht und Montag vom Himmel kam, war eine Mischung aus Regen und Schnee, der am Boden angekommen ziemlich schnell wieder geschmolzen ist. Durch Windböen und Zerstäubung aufgepeppt war es einfach unvergesslich mieses Wetter.

Nur die Vietnamesen freuten sich und waren ganz aus dem Häuschen. Chinh, der an diesem Tag zum zweiten Mal in seinem Leben Schnee gesehen hat, forderte mich auf, meine am Tag zuvor neu gekaufte Kamera einzupacken und Fotos zu schießen. Die müsse er seinen Freunden zeigen, meinte er. Ich wollte die Kamera sowieso einstecken und mal austesten, ob sich meine 120 € gelohnt haben. Unten kann man sehen was daraus geworden ist. Ich muss noch ein bisschen mit den Einstellungen rumspielen und die Modi austesten. Meiner Meinung nach ist alles zu verschwommen.

Fontäne

Als wir dann auf dem Weg zum Unterricht an dem Springbrunnen vorbeikamen, war etwas ungewöhnlich. Der normalerweise moderat-plätschernde Springbrunnen spritzte diesen Morgen eine riesen Fontäne aus Schneematsch in den Himmel. 很有意思!

Mat am Donnerstag, 12. November 2009

Es war einer dieser Tage, die jeder kennt. Man steht auf, viel zu spät, findet ganz viele Beschäftigungen um sich vom Lernen abzuhalten und dann hat man fast nichts gemacht, bis man sich mit seinen Freunden in der Stadt treffen wollte. So traf ich mich mit Maik, etwas angenervt von den vielen Leuten auf der Straße, die im Gegensatz zu mir nicht die Bestrebungen hatten von A nach B zu kommen. So dachte ich darüber nach, was denn passieren würde, wenn ich mal ausversehen einem dreist sich vorbeischlängelnden Radfahrer einen Stoß gäben, so dass er mitsamt dem Fahrrad umkippt und auf dem Boden landet um damit meine angestaute Wut in den Erdboden abzuleiten. Ich kam zu dem Schluss, dass das wohl doch keine so gute Idee ist. Ich bin ja gewissermaßen ein Repräsentant Deutschlands, wobei ich vielen Mittel-Europäern auch aus dem Herzen sprechen, wenn ich diese Gedanken ausformuliere. Das Gewusel und die Ungeduld der drängelnden Chinesen ist meiner Meinung nach das anstrengenste an China. Im Gegensatz dazu steht das Verhalten eines Chinesen, der an einem Schalter sitzt. Da lässt er sich die Zeit eines meditierenden Mönches, ganz zum Leidwesen der Anstehenden. Gleich ein Grund noch etwas mehr zu drängeln.

Aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mich mit Maik traf um einmal in der Bücherei Avant-Garde vorbeizuschauen. Er meinte, dass es dort abgesehen von Büchern noch viele interessante Sachen zu kaufen gibt, auch im Hinblick, dass man nach Weihnachtsgeschenken ausschau halten kann. Die Bücherei ist einer ehemaligen Tiefgarage gelegen. So ist die Einfahrt der Eingang zur Bücherei. Nach etwa 10 Metern kommt eine Linkskurve und es geht eine Rampe nach oben. Nach der Rampe ist ein ehemaliges Parkdeck. Die Einfahrt mit Rampe und Parkdeck ist alles Laden‑ und Ausstellungsfläche.

Wenn man die Rampe wieder herunterläuft um zur Kasse und zum Ausgang zu gehen, sieht man ein riesiges christliches Kreuz über den Leuten schweben. Das ist, was den Laden avantgardistisch macht … Hajo meinte auf einem Portal, dass man zu deutsch „Gesichtsbuch“ nennt: „Wenn eine kleine Bar in Ulm avantgardistisch ist, weil sie einen Buddha im Laden stehen hat, dann ist das umgekehrt genauso gerechtfertigt!“

Aber nicht nur das massive Kreuz sorgte bei mir für ein Schmunzeln. Da gab es noch die Motivauswahl der Holzbilder, die man dort kaufen konnte. Ein kleiner Saddam für den Nachttisch? Oder wie wäre es mit einer Gallerie von Schwarz/Weiß-Silhouetten der größten Diktatoren der Welt im Wohnzimmer? All das kann man hier kaufen. Mich hätte es ja gereizt den einen oder anderen Hitler, Stalin, Mao oder Michael Jackson als Geschenk los zu schicken, aber wer weiß, was die Leute beim Zoll denken, wenn sie so etwas in einem Paket finden. Vor allem bei nem Michael Jackson ;-)

Ich habe dann das Setting etwas verändert, um ein noch eindrucksvolleres Bild zu erzeugen. Wer findet den Fehler?

Ich habe mir dann noch eine modische „Chanel No5″-Tasche gekauft:

Wobei ich die „Bible-Bag“ –Tasche auch ganz putzig fand.

Mat am Donnerstag, 1. Oktober 2009

Nun, nach einer etwas längeren Pause, gibts mal wieder einen Beitrag. Da ich nämlich ein forbildlicher Student bin, hatte ich letzte Woche wenig Zeit etwas zu schreiben. Und weil ich euch nicht langweilen möchte, gibts nun eine Kurzabriss meiner letzwöchentlichen und bis in diese Woche hineindauernden Aktivitäten: Feiern.

Ich denke jeder kennt die Details, die zu dem Vorgang des Feierns gehören. Auch wenn ich mir jedes mal gesagt habe, dass ich heute mal nicht gehe, wurde ich doch überzeugt, denn die erste Regel lautet: „Wenn es keinen Grund zum Feiern gibt, dann machen wir uns eben einen!“ oder anders ausgedrückt: „Weil wir es können!“ Dementsprechend wurde abends ausgegangen, Alkohol getrunken, getanzt, das ein oder andere ganz schreckliche Feierbild geschossen und am nächsten Morgen nach Belieben aufgestanden. Wenn ich die entsprechenden Leute zu fassen bekomme, werde ich die lang erwarteten, überbelichteten „Partypics“ online stellen. Bisweilen muss man sich leider mit meinem Bericht begnügen.

Beginnen wir mal mit dem Montag, den 21.09.09:

Ich hatte auch Nachmittagsunterricht … danach hab ich Schriftzeichen gelernt. Zudem hab ich mir ab und zu den Hintern kratzen müssen und gegessen hab ich auch 2 mal, soweit ich das noch weiß. Ich habe nebenbei Musik gehört und im Internet gesurft. Sicherlich habe ich auch das ein oder andere auf „Gesichtsbuch“ kommentiert. Ich habe Strom und Wasser verbraucht und Sauerstoff aus der Luft gefiltert und in Kohlendioxid umgewandelt. Das habe ich sogar den ganzen Tag gemacht. Am Ende von diesem habe ich auch geschlafen.

Und so kam der Dienstag:

Mittags beantragte ich meine Aufenthaltsgenehmigung. Ich stand bei der Polizei eine Stunde lang an, weil heute alle möglichen ausländischen Studenten diese beantragen oder abholen wollten. Im Wohnheim angekommen, traf ich Franzi und Eva auf dem Gang. Sie wollten an dem Abend eine Band sehen, mit der sie sich angefreundet haben und von der sie sich Freigetränke erhofften. So gingen Eva, Franzi, Ewald, Flo, Chinh und ich zu besagter Band, die in einer Bar spielten, die auf der Partymeile von Nanjing liegt. 1912 nennt sich die Straße, auf der sich Club an Club und Bar an Bar reiht. Umschlossen wird das ganze von McDonalds, KFC und BurgerKing. Die vierköpfige Band war nicht schlecht und sehr aufgeschlossen, was Liedwünsche anging. Sie wollte sich aber nicht auf Bohemian Rhapsody einlassen, ich weiß gar nicht warum ^^. Wir haben leider nichts ausgegeben bekommen und so trank ich das gute Tsingtao-Bier, welches mit 25 Yuan (3 €, 0.3L) das billigste auf der Karte war. Da trank ich auch nicht soviel davon ^^. Das war der erste Vorgeschmack, dass man in China auch teurer als in Deutschland weggehen kann. Da Franzi und Eva im Wohnheim schon vorgeglüht haben, und sich hier nicht so zurückgehalten haben, mussten wir Eva bald nach Auftrittsende zurück ins Wohnheim bringen. Flo wollte unbedingt noch weiterfeiern, also sind wir ohne Ewald und Eva zurück zur 1912 und in einen Club namens 99. Der Club war recht leer, hatte genauso stolze Preise und spielte Hip Hop, so wie eigentlich jeder Club hier. Die Stimmung war recht gelassen und die Chinesen waren alle außer Rand und Band. Eine Chinesin zog Franzi auf ein Podest und tanzte mit ihr. Schon recht bald tanzte sie recht eng, fuhr mit der Hand unters T-Shirt, griff in Franzis Haare und Franzi war völlig perplex. Franzi versuchte immer wieder vergeblich die Finger der Chinesin abzuwehren, ganz zur Belustigung der umstehenden Personen. Irgendwann rette sie sich von ihrem anhänglichen Fan und wurde gleich in den tödlichen Sog einer Polonaise gesogen. Ich erhielt indes einen Anruf von Eva, der es schlecht ging, und sich wünschte, dass wir Heim kommen. Es wütete immernoch die Polonaise und es war fast unmöglich zu allen vorzudringen, um ihnen den Sachverhalt mitzuteilen. Aber ich kann ja das Unmögliche möglich machen und sagte allen Bescheid. Flo blieb, der Rest ging Heim.

Am Mittwoch habe ich erst einmal ausgeschlafen und den Rest Tages rumgedahlt. Ich glaube ich habe gelernt oder war bei den Informatikern im Lab.

Der Donnerstag war wieder etwas spannender:

Eva und Franzi wollten zum Karaoke und ich fand die Idee famos. Wir fanden uns in Flos Zimmer ein, um gemeinsam loszugehen. Nach Äonen des Wartens, bis alle mal irgendwie fertig waren, gingen wir größtenteils los. Am Ende waren wir so 12 Leute. Am Eingang der Bar erwartete uns eine Chinesin, die nur dazu da war, für uns auf den Aufzugsknopf zu drücken, um einen Aufzug zu holen, der uns dann in den ersten Stock des Hauses brachte. An der riesigen Rezeption wurden wir dann zu einem Raum gebracht, der mit ner riesen Couch und nem Flachbild-Fernseher bestückt war. Gestrichen war alles gold und gelb. Im Raum gabs zudem noch 2 Tambourin, 2 Rasseln und 2 Tische. An einem Terminal konnte man mit Touchscreen die Lieder aussuchen. 4 Stunden sollte zu 12. 600 Yuan kosten. Da 2 Koreanerinnen nicht kamen, weil sie sich spontan umentschieden haben, zahlte jeder 60 Yuan, so um die 7 Euro. Dafür gabs dann Bier, eine Früchteplatte und Popcorn. Das Bier sah viel aus, war aber doch allzuschnell leer, ohne das irdengjemand auch nur was gespürt hätte. So wurden noch diverse Flaschen nachgekauft. Das Musikangebot an westlicher Musik war ziemlich begrenzt, aber doch ausreichend. Die Qualität der Karaokeversionen schwankte zwischen ohne Bild/Untertitel, aber Originalmusik und Keyboard-eingespielte E-Gitarre mit den letzten Urlaubsvideos aus Gran Canaria. Besonders schön fand ich ja die Version von Summer of 69, dessen Musikqualität von meinem 20 Jahre altem Casio-Keyboard stammen könnte und dessen Video ein Zusammenschnitt der schönsten Winterlandschaften war. Es schien generell, dass die Videos genau das Gegenteil von dem darstellten, was gesungen wurde. Ab und zu wurde bei den Videos noch ein TV-Logo eingeblendet, natürlcih nur für Recherchezwecke, falls man an dem eben gezeigten Ort mal Urlaub machen möchte. In den 4 Stunden, die wir da verbrachten ist das Programm zum auswählen der Lieder 2 mal abgestürzt. Auf dem Touchscreen sah man einen schönen Windowsdesktop. Da fühlt man sich ja gleich heimisch. Gegen Ende des war meine Stimme etwas angeschlagen, weil ich immer die Lieder singen musste, die keiner singen wollte, aber dennoch ausgesucht wurden, weil sie ja so schön sind. Mit Chinh sang ich „When you believe“, das er jeden Tag, neben den Chipmunks-Christmas-Songs, mindestens einmal hört.

Freitag:

Freitag schleppte ich mich zum Unterricht. Uns wurde eröffnet, dass wir aufgrund der nahenden Ferien am Nationalfeiertag, Unterrichtsstunden vorarbeiten müssen und somit Sonntags von 8 bis 12 Unterricht haben. Eine freudige Nachricht. Eine weitere freudige Nachricht war, dass ich von der Southeast University Nanjing ein kleines 10 monatiges Stipendium von insgesamt etwa 1000 € bekommen werde. Abends ging ich mit Maik und einer seiner chinesischen Praktikantinnen, die sich für den deutschen Namen Helene entschieden hat, zum Uguren essen zu gehen. Dort war es etwas teurer als in den Standardrestaurants, dafür war das Essen wirklich vorzüglich. Wir hatten etwas bestellt, das so ähnlich wie Gulasch war, und noch etwas, das man als Dönerfleisch auf Fladenbrot durchgehen lassen kann. Wenn einem das Heimweh plagt, dann kann man sich zumindest die heimische Dönerbude bekommen. Ich hab sogar im Xinjiekou, das ist einer der großen Einkaufszentren der Stadt, etwas gesehen, das ein Döner sein soll … natürlich chinesiert … Das Fleisch wird vom Spieß geschnitten, mit diversen Sachen vermischt, welche in undurchsichtigen Plastikbehältern lagen, kurz in die Mikrowelle gesteckt, dann in ein dünnes Fladenbrot gesteckt und verkauft. Ich vermute als Salat gibts kein Krautsalat, eher Bambussprossen und Algenstreifen. Naja ich muss das mal testen, und davon berichten. Nach dem Uguren gingen wir ins Don Quichotte. Das ist eine westliche Bar, ganz in der Nähe von meinem Wohnheim. Dor gibts deutsches Bier und jeden Abend Livemusik. Ich war da jetzt schon öfter, und es sind immer die selben beiden, die spielen. Der eine kann einem ganz schön auf den Senkel gehen, wenn er in den hellsten Tönen rumdudelt. So gegen 3 gingen wir dann noch in die Castlebar, die eine Disco ist, in der sich nur „Internationals“ und chinesische Mädels, die sich einen International angeln wollen, verkehren. So spät am Abend sah man eigenlich nurnoch kaputte Gestalten und die ganzen Franzosen und Französinnen, die auch an meinem Geburtstag mit uns im Scarlet waren. Diese sind vor kurzem in ein Haus gezogen und haben mich gleich mal zur Einweihungsparty eingeladen. Um 4 gings heim, zum Glück konnte ich Samstags ausschlafen.

Samstag: Die Reise ins Chateau Francaise

Wir sollten so zwischen 8 und 9 kommen. Gegen 9 trommelten wir mal die Leute zusammen, die mitkommen wollten. Es waren Flo, Chinh, Jonathan, Ewald, Maik und ich. Wir kauften noch etwas Bier und riefen uns Taxis. Die Taxifahrer kannten die Adresse nicht, ebenso wie die Verkäuferin im Laden, in dem wir das Bier gekauft hatten. Nach einer Zeit bekamen wir dann die Adresse lautschriftlich mitgeteilt, die dann ein Taxifahrer kannte. Der andere Taxifahrer fuhr ihm dann hinterher. Wir wurden dann in einem Wohngebiet rausgeworfen, direkt am großen Xiawu-See. Das war ganz in der Nähe von der Stadtmauer und dem tollen Agricultural Carnival. Das half alles nicht, denn wir fanden die Hausnummer nicht. Wir mussten zu 7C-101 oder sowas … bei uns gabs nur 7B-101. Also riefen wir wieder an und wollten uns irgendwo treffen. Das hat auch nicht geklappt und dann wurde auf dem Platz vom Agricultural Carnival ein Feuerwerk gestartet. Zum Glück, sonst hätten wir uns nie gefunden. 2 Franzosen holten uns ab und führten uns zu ihrem Haus. Das lag mitten in einem Wohnpark, nicht weit davon entfernt, wo wir rausgelassen wurden. Vom Haus sinds circa 2 Minuten zum See. Eine geniale Lage, wenn man nicht zur Uni gehen müsste. Das Haus war ziemlich luxuriös. Ein riesen Wohnzimmer mit großer Couchlandschaft. Große Küche mit Küchentisch. Die Zimmer lagen im zweiten Stock. Die habe ich mir aber nicht angeschaut. Zu viert zahlen sie 7000 Yuan pro Monat, im Endeffekt sogar noch zuviel. Das sind etwa 200 € pro Person. Lächerlicher Preis für jemanden, der westeuropäische Wohnungskosten gewohnt ist. Je später der Abend wurde, desto mehr Leute kamen vorbei. Ich habe mich zum ersten mal mit Bino unterhalten, der bei mir im Sprachkurs sitzt und aus Mosambik kommt. Dessen Kumpel kommt aus Namibia und möchte Deutsch lernen. Ich lernte auch Roxane kennen, die aus ‹a href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Suriname“>Suriname</a› kommt. Das ist ein kleiner südamerikanischer Staat, der Niederländisch als Amtssprache hat. Sie kam vor einem Jahr nach China um zu Studieren und ist derzeit Nebenjobtechnisch als Englischlehrerin tätig. Ich sprach noch mit mehreren Franzosen/-innen und einem Newyorker. Chinh hatte sich derweil ziemlich abgeschossen und fing an sich auf der Couch zu veräußern. Ich brachte ihn schnell raus und konnte ihn nicht davon abhalten sich erstmal mit nacktem Oberkörper auf die Straße zu legen. Jetzt musste ich zeigen, wie gut mein Chinesisch ist. Es war nicht gut genug einem unwilligen betrunkenem Vietnamesen zu erklären, dass wir ein Taxi nach Hause nehmen sollten. Nachdem er alle seine Aktienanteile abgestoßen hatte, legte er sich dann wieder auf den Boden. Glücklicherweise kam dann Asaf vorbei und besorgte uns ein Taxi. Mit Asafs und Ewalds Hilfe hieften wir Chinh ins und, am Wohnheim angekommen, aus dem Taxi. Wir brachten Chinh dazu nochmal ein paar Schritte zu gehen und die Treppen zu unserem Zimmer zu steigen, wo er sich dann ins Bett fallen ließ, und auf der Stelle einschlief. Am nächsten Morgen schaffte ich es nur zur zweiten Stunde, denn es war ja Sonntagsunterricht. Bino, der aus Mosambik, kam auch nur zur zweiten.

Sonntag: Endlich mal ausruhen

Montag:

Franzi und Eva wollten heute mal wieder weggehen. Sie waren ja auch Samstags nicht mit dabei. Julin, die Belgierin, hatte jemanden kennen gelernt, der uns Freigetränke in einem Club besorgen sollte. Also gingen wir vier mit Laurent und Chris in den besagten Club, der ziemlich überfüllt war. Nach längerer Zeit des Wartens auf die Freigetränke, kam ein Chinese vom Nachbartisch zu uns rüber. Er gab vor aus Singapur zu sein und fands total toll, dass ich aus Deutschland und Laurent aus Frankreich kommt. Chris, Julin, Eva und Franzi hat er komplett ignoriert. Nachdem der Chinese uns zum zwanzigsten Mal die Hände geschüttelt, beim Reden ins Ohr gespuckt und mir ein freudiges „Heil Hitler“ entgegen geschmettert hatte, waren wir ziemlich genervt. Er erzählte Sachen, die ich nicht ganz verstand. Ich deutete es als Versuch, einen 3er mit irgendwem klar zu machen. Er wurde zunehmend aufdringlich, fasste Laurent ins Haar, umarmte ihn und grabschte in meinen Bart. Wir versuchten ihn zu ignorieren und plötzlich verschwand er und machte sich an Araber ran, die am Tisch neben uns standen. Mit diesen tanzte er ein wenig später auf einem Podest. Eigentlich war der Abend gelaufen … es gab keine Freigetränke, die Mädels wurden völlig ignoriert und wir wollten auch nicht bleiben. Also gingen wir aus dem Club. Auf dem Weg nach draußen, wollte uns der eine gerade die Freigetränke bringen. Die Stimmung war aber im Arsch, und wir gingen Heim. Endlich mal vor 12 zu Hause.

Dienstag:

Heute fand ich die Zeit zur Polizei zu gehen und meine Aufenthaltsgenehmigung und mein Visum abzuholen. Zum Mittagessen traf ich mit Maik. Dann kaufte ich Lernkärtchen für die Schriftzeichen und wir schlenderten noch durch Xingjiekou. An einem Handyladen gabs auf einmal Trouble. Die Leute stürmten aus dem Laden und hatten teilweise Holzleisten in der Hand. Nach einer Weile hatte mich die Neugier doch übermann und ich ging mal nachschauen. Wir vermuteten eine Schlägerei, bei der sich der Wachmann des Hauses verkrümelt hat. Ich sah nichts, nur mehrere Männer in Uniform, on denen zwei ihr Hemd aufgeknöpft hatten. Am folgenden Tag erfuhr ich, dass es wohl gebrannt hatte. Abends wollte ich mich etwas hinsetzen um zu lernen, als ich auf einmal ne SMS von Laurent bekam, dass ich doch in Zimmer 118 kommen solle. Dann rief auch noch Duba an, der wollte, dass ich Julin Bescheid sage, dass sie mal kurz zurückruft. Sie sei in Zimmer 118. Als ich da ankam waren nicht nur Julin und Laurent in Zimmer 118, sondern auch David (dem das Zimmer gehörte), Ewald, Eva, Franzi, 2 Koreanerinnen und Chris. Sie waren gerade dabei ins Scarlet zu gehen. Also zog ich mich schnell um und kam mit. Der Abend war lustig, es wurden viele Fotos gemacht und ein paar betrunkene Inder tanzten alles an, was nicht schnell genug flüchten konnte. Am Ende fuhr ich mit Laurent und Asaf auf Asafs Roller nach Hause.

Mittwoch:

Ich ging nachmittags ins Lab um die Unterschrift für mein Stipendium der SEU entgegenzunehmen. Dabei blieb ich noch etwas im Lab um zu programmieren. Es wurde eine kleine Sitzung einberufen, die daraus bestand sich gegenseitig Mondkuchen zu schenken und ein bisschen Smalltalk zu betreiben. Am folgenden Tag sollte nämlich der Nationalfeiertag Chinas sein. China würde 60 Jahre alt. Ein Grund zu jubeln! Zusätzlich ist am 3. Oktober noch das Herbstfest. An diesem schenkt man sich runde Kuchen, die dem Vollmond nachempfunden sind. Diese Kuchen sind eine recht fette Teigmasse mit einer lustigen Überraschung in der Mitte. Es gibt dazu noch verschiedene Geschmacksrichtungen. Ich hatte einen Mondkuchen mit „grünem Tee“-Geschmack bekommen, gefüllt mit etwas, das ich für Milchreis hielt. Kai hatte mir ein paar Tage vorher einen geschenkt, der einen gekochten Eidotter als Überraschung hatte. Danach sprach ich noch mit Frau Wang, über das Stipendium. Denn ich bekäme es nur, wenn ich auch etwas für das Lab tun werde und sie schlug mir vor, dass ich doch die Paper Korrekturlesen könnte. Ab Anfang November werde ich also Paper lesen, noch und nöcher. Uiuiui, dabei ist Englisch doch gar nicht meine Muttersprache :-) Ich kam dann vom Lab heim und wurde sofort von Ewald und Chinh überfallen. Chinh wollte mit mir zum Konfuziustempel gehen, Ewald traf am Krankenhaus einen Chinesen, der seit 9 Jahren in Deutschland lebt und der mit uns unbedingt in den Biergarten gehen wollte. Ich entschied mich für den Biergarten, weil ich den Konfuziustempel für den nächsten Tag geplant hatte. Chinh begleitete uns und Julin trafen wir zufällig auch auf dem Weg. So versuchten wir zu 5. ein Taxi zu ergattern. Um diese Uhrzeit unmöglich. Ich schlug vor einen Bus zu nehmen, dessen Route genau dahin führte, wohin wir wollten. Der Bus kam jedoch nicht und wir fanden zuerst ein Taxi. Ich und der Chinese blieben zurück und nahmen den Bus. Wir stiegen eine Haltestelle zu früh aus und der Chinese rannte vorweg, während ich versuchte rauszufinden, wo denn die anderen mittlerweile mit dem Taxi gelandet waren. Nach ganz viel Telefonieren und Rumgerenne, traf man sich dann bei einem Restaurant, namens Swede & Kraut. Dort gabs mehr oder weniger deutsches Essen. Die Palette ging von Schweinebraten bis Pizza. Die Pizza schmeckte auch recht gut udn ich war überrascht, dass der Schinken auf der Pizza nicht schmeckte, als wäre er vorher in Zuckerwasser eingelegt worden. Das chinesische Verständnis von Wurst ist ja eh ziemlich speziell. Da denkt man eher, man äße Kuchen, als dass man Wurst äße. Für den Weg von unserem Campus zu diesem Restaurant hatten wir etwa 1,5 Stunden gebraucht. Zu Fuß wären es weniger als 25 Minuten gewesen. Manchmal ist es hier besser zu Laufen, als mit dem Taxi oder mit dem Bus fahren zu wollen. Am Tag vorher brauchte ich 40 Minuten für 4 Stationen. Zu Fuße wäre man definitiv kürzer gewesen. Danach gingen wir in den Paulaner Biergarten, der heute zufällig sein 2. Oktoberfest feierte. Es spielte eine Coverband aus Österreich, die sich auf Rockklassiker spezialisiert hat. In den Pausen wurde Salsa gespielt und auf einmal gingen ein paar Tanzpärchen ab wie Schmitz‘ Katze. Dafür kostete hier das Weizen über 7 Euro. Die Dose Cola kostete etwa das 20fache von dem, was sie in einem Restaurant kostet. Danach gingen wir Heim und saßen in unserem Zimmer noch etwas zusammen. Eva kam auch vorbei und wir schauten uns lustige Youtube-Videos an, bei denen der Chinese immer genau an den falschen Stellen gelacht hat. Er hatte soweiso das Taktgefühl einer Dampfwalze. Er sprach in Anwesenheit von den Mädels von Titten, Ärschen und Bumsen und hielt es aus, die sieben Stunden an dem Abend an Ewalds langsamen Lippen zu hängen. Eine absolute Meisterleistung, sehr bewundernswert.

Donnerstag:

Und so wurde die Volksrepublik China 60 Jahre alt. Grund zu feiern! Ich sitze nun hier völlig übermüdet um 6 : 30 morgens da, nachdem ich wieder mal weg war. Es gab heute aber nix spezielles zu berichten, und so schließe ich die 2 Partywochen ab und übernehme keine Gewähr, für die Rechtschreibfehler, den falschen Satzbau oder die unverständlichen Textpassagen. Ich werde in ein paar Stunden mit Maik übers Wochenende einen Ausflug nach Hangzhou machen. Diese Stadt soll sehr bekannt für ihre Schönheit sein. Ich bin mal gespannt. Aufgrund der chinesichen Feiertage zum Nationalfeiertag wird wohl dort wohl die Hölle los sein. Ich werde natürlich viele Bilder schießen und mich um die Korrektur des Textes und die peinlichen Bilder nächste Woche kümmern.

Ich habe diese Woche interessante Sachen festgestellt:

1. Chinesen und Inder werden mit zunehmendem Alkoholkonsum homophiler
2. Chinesen sind resistent gegen Krach, ob er nun von Autos, schlechter Musik oder nervigen Geschichtenerzählern verursacht wird
3. Franzosen sind wirklich versnobbt
4. Vietnamesen sind nach einmal zuviel Trinken 5 Wochen krank
5. Connections rulen hier besonders
6. Man kann auch teurer als in Deutschland ausgehen

Mat am Freitag, 25. September 2009

Es war Samstag und zugleich schönes Wetter. Ein Umstand, der in Deutschland so häufig auftritt wie Schnee an Weihnachten. Grund genug das Lernen mal wieder sein zu lassen und auf die schlechten, regnerisch nassen Tage, im metaphorischen Sinne anzustoßen. Ich wollte etwas die Stadt erkunden, bzw erst einmal etwas Historie schnuppern. Ich fragte Maik, ob er mich begleiten würde und er hatte zufällig frei. Also machten wir uns auf den Weg zur alten Stadtmauer. Teile von dieser sind über die ganze Stadt verstreut, und wenn man den Tafeln im Ausstellungsraum der Stadtmauer glauben schenkt, war sie die längste in ganz China … sogar länger als die Stadtmauer in Peking. Es sei angemerkt, dass die Stadtmauer von Peking nicht der großen Mauer entspricht. Ein begehbarer Teil von dieser direkt in der Nähe des Campus wurde unser Ziel. Dafür mussten wir einen kleinen Berg überqueren, der Vorläufer für den etwas größeren „Lila Berg“ ist und auf dem ein buddhistischer Tempel steht, von dem behauptet wird, die Quelle des buddhistischen Vegetarismus (vielleicht auch des Vegetarismus an sich) zu sein.

Der kleine Berg ist als Park angelegt, welcher auch sehr schön ist, nur anfangs bekommt man schon die schlagkräftige Kombination aus chinesischer Feng-Shui-Romantik und Styropor ins Gesicht gedrückt. Eine Berglandschaft, scheinbar aus einem Gemälde entsprungen, schönheitsoperiert, um dem urbanen Chinesen Natur in die Stadt zu bringen. Meiner Meinung nach ein großer Griff ins Klo. Ähnlich ästhetisch wie Fototapete. Aber seht selbst:


Etwas weiter oben am Berg war dann alles recht natürlich angelegt, eine geschwungene gepflasterte Straße, gesäumt von Bäumen. An einer Stelle hingen ganz viele Vogelkäfige in den Bäumen, natürlich mit Vögeln drin. Ich kann nicht genau sagen, warum die da hingen. Einer der Nachtwächter aus dem Wohnheim, mit denen ich und Chinh abends ab und zu plaudern, meinte, dass oft alte Leute zum Sonnenauf‑ und –untergang mit ihrem Vogelkäfig in den Park gehen. Sie lauschen dann den Gesängen ihrer Vögel, die zur Dämmerung besonders schon singen sollen. Ich finde das klingt sehr romantisch … auch wenn die Vögel wahrscheinlich gar nicht singen, sondern bitterlich weinen, weil sie in dem kleinen Käfig eingesperrt sind, während ihre Kollegen draußen rumfliegen können und die eingesperrten wohl verhöhnen. Alles unter dem Deckmantel schöner Vogelgesänge.

Irgendwann kamen wir dann an der Stadtmauer an. Leider war das Tor, das nach einer Treppe die Stadtmauer zugänglich machen sollte, zugemauert. Untermalt wurde das noch durch eine gespannte Wäscheleine zwischen den beiden Außenmauern, der Mauer.

Hier gings also noch nicht rauf. Wir waren aber direkt am buddhistischen Tempel, den man von hier aus auch nicht betreten konnte, weil wir auf der Hinterseite der Anlage waren:


Nach einem kurzen Gang entlang der Mauer, gab es eine Durchfahrt und auf der anderen Seite dieser Durchfahrt war dann endlich der Aufgang zur Stadtmauer. Auf einer kleinen Wiese gegenüber des Aufgangs waren ein paar Menschen, die ziemlich gekonnt mit etwas spielten, was ich als Diabolo kennen gelernt habe. Was es aber von den mir bekannten Diabolos unterscheidet, ist, dass die Rotationsachse wie ein Kreisel senkrecht verläuft. Dazu kommt noch, dass die Dinger anfangen zu brummen und zu pfeifen, je schneller man sie in Bewegung bringt. Der Mann auf der rechten Seite des Bildes ist gerade dabei das Ding um sich rumzuschleudern, während er sich selbst um die eigene Achse dreht. Für dieses Hobby muss man schwindelfrei sein, aber es macht definitiv was her.

Nun folgen ein paar Bilder von der Stadtmauer und vom (hin und wieder) schönen Panorama der Stadt Nanjing.





Ein riesiger See inmitten des nördlichen Teils der Stadt. Die Inseln würden künstlich erweitert und verbunden. Im Hintergrund sieht man den Hauptbahnhof.

Hier zu sehen die Pagode des Buddhistischen Vegetarier Mekkas, leider im Gegenlicht

Wunderschöner Workoutpark auf dem Hausdach

Ein anderer Tempel mit einer Pagode

Maiks UFO, eigentlich der Nanjing Sun-Palace, ein riesen Schwimmbad, dessen Preise sich mit den deutschen messen kann

Kurz vor Ende der Stadtmauer, die roten Luftballons sind der Agricultural Carnival, von dem noch die Rede sein wird.

Seeroseninvasion



Ein kleines Preview vom Agricultural Carnival … das tollste was es zwischen Himmel und Erde gibt, also fast. Ich beschloss auf der Mauer, dass wir uns mal angucken, was da bei den roten Luftballons so tolles zu sein scheint. Es war eine Art Messe für die lokalen Landwirte und Hersteller von Naturprodukten, nebst Karussellen für die lieben Kinder. Besonders toll war die Dinosaurier-Erlebnis-Bahn, bei der Kinder in UFO‑ähnlichen Gefährten durch die Wildnis eines kleinen Wäldchens fahren und möglichst bunte Dinosaurier mit imaginären Laserwaffen beschießen können. Bei jedem Schuss ertönt aus den Lautsprechern ein möglichst lautes Lasergeräusch. Und damit das alles nicht so langweilig ist, war inmitten dieses Blitzgewitters eine wilde Bestie in Form eines kleinen Hundes angeketten. Dieser Hund hatte keinen Respekt vor seinem treusorgendem Herrchen, welches er sofort anfiel, als dieser ihm Fressen geben wollte. Das Futter unbeachtend wusster er gar nicht in welche Richtung er zuerst bellen sollte und schwebte in der Gefahr sich vor lauter Panik selbst zu strangulieren. Ein echt trauriger Anblick.
Natürlich gabs da auch ganz viele Straßenhändler, die alles mögliche an Schnickschnack anboten. Ich war überrascht wieviel Schnürsenkelverkäufer es gibt, die nichts anderes als Schnürsenkel verkaufen. Noch überraschter oder schockierter war ich, welche Wasserqualität die Kanäle in dem Park hatten, in dem da „Karneval“ gefeiert wurde. Kostprobe gefällig:


Man beachte wie man das Wasser verwenden kann um Hecken auf unkomplizierte Art und Weise zu stutzen, und mit welcher Geradlinigkeit!
Dieser wunderschöne Tümpel trennte den Verkaufsteil vom Ausstellungsteil, auf dem gar wunderbare Sachen zu besichtigen waren. Unter anderem gab es dort verwelkte Blumen und Erdnussträucher, eine Armada von ausgestopften Tieren und mit Plastikseegras versehen Aquarien mit echten noch lebenden Fischen drin.



Der Simpsonfisch

Diese armen Tieren lebten noch, als wir sie sahen. Aber sie klebten kopfüber an der Sauerstoffdüse und bewegten sich nicht von dieser weg. Das sah nicht gesund aus.

Danach verließen wir den Ort des Grauens und fanden uns auf einer der größten Kreuzungen, die ich jemals gesehn habe:


Im Hintergrund kann man den „Lila Berg“ sehen, an dessen Fuße wir uns befanden. Wir gingen einfach mal an der Nordseite des Sees weiter und fanden den Nanjing-Sun-Palace, sowie den Eingang zu nem weiteren großen Park (zumindest glaube ich das), die Auffahrt zur Stadtautobahn, eine Messehalle und den Ort an dem alle Busse nachts wohnen.


Hier kann man zwei Hochhäuser bewundern, auf deren Fassade animierte Werbetafeln zu sehen waren. Ich weiß nur nicht mehr welche von den leuchtenden Punkten das war. Da ärgert man sich schon, dass man nur eine Handykamera hat. Der See hat eine wunderschöne Uferpromenade mit einem romantischen Blick auf den See und die Großstadt, die im Dunkeln bunt funkelt. Aber das haben die Chinesen auch schon längst erkannt, und so muss man sich früh um einen Parkbank-platz bemühen, wenn man das romantische Spektakel nebst 20 Mitromanikern betrachten möchte. Wenn man Pech hat bekommt man nur die Bänke die der Promenade den Rücken kehren und einen Blick auf eher nicht so anschauliches bieten. Wir kamen an einem Hotel vorbei, auf dessen Parkplatz mehrere Batterien von Feuerwerk standen und ne Knallfroschkette als irgendein Schriftzeichen angeordnet lag. Wir sahen ebenfalls etwas, das von Außen aussah wie ein Freibad. Leider ist die Freibadsaison in China schon vorbei, obwohl es nach deutschem Ermessen noch warm genug ist. Aber eigentlich wollten wir endlich beim Bahnhof ankommen um wieder in die Südstadt zu kommen. Wir sind doch schon recht weit weg von den Gefilden, in denen ich mich auskenne.

Als wir dann am Bahnhof ankamen war es nach 19 Uhr. Wir sind so etwa 4 Stunden nun gewandert, nun war U-Bahnfahren angesagt. U-Bahnfahren in Nanjing hat schon was an sich. Nanjings U-Bahn ist noch ziemlich neu. Es existiert zurzeit nur eine Linie, aber es wird an 2 neuen gerade gebaut. Als Einmalfahrer muss man sich an den Automaten einen Chip ziehen, auf dem gespeichert ist, von wo nach wo man fahren möchte, denn Chinesen lieben die Kontrolle. Um auf den Bahnsteig zu kommen hält man den Chip an ein kleines Törchen, was einem dann den Eintritt gewährt. Aber man sollte den Chip ja nicht wegwerfen, denn beim Rausgehen am gewünschten Bahnsteig wird der Chipa dann benötigt. Bei besagten Toren ist auch ein Schlitz, in den man dann den Chip werfen muss, dass sich das Tor für die öffnet. Die U-Bahnwagons waren von innen sehr schick und neu, aber gesäumt von Hinweisschildern. Ich habe leider nicht alle fotografiert. Aber was mir in Beijing am Flughafen schon aufgefallen ist, dass man bei den Rolltreppen von einer netten elektronischen Dame, die wahrscheinlich in der Rolltreppe wohnt, gesagt bekommt, dass man sich ja bitte am Geländer festhalten solle. Schaut, worauf die UBahn-gesellschaft hinweist:


Zu „nicht spucken“, sei zu sagen, dass es bis vor kurzem üblich war, egal wo man sich befindet, seinen Nasen‑ und Racheninhalt zu entleeren, also auch in Häusern und öffentlichen Transportmitteln. Ich habe es aber bisher nur mitbekommen, dass das auf der Straße gemacht wird.
Ich entnehme aber den Hinweisschilder auch, dass Chinesen wohl immer und überall irgendwo drauf klettern. Auch das kann ich bisher nicht bestätigen und ist nur eine vage Vermutung ;-)

Nachdem wir zu Abend gegessen haben, sind wir noch in die Stadt, weil Maik nen mp3-Player kaufen wollte. Dabei kamen wir an dem Reklame-Hochhaus vorbei, das wir von der anderen Seite des Sees gesehen haben. In einem riesen Kaufhaus, im 6. Stock, der nicht so leicht zu finden war, weil der Aufzug nur bis zum 4. ging und die Rolltreppe vom 4. zum 5. keine Fortsetzung in den 6. hatte, schauten wir uns wegen dem mp3-Player um. Hier mal ein paar Bilder von namhaften chinesischen Marken, wie AEApple oder oPod, die High-End Produkte zu gar lächerlichem Preis raushauen *g*

Ein AEPod-Shuffle mit 4GB für nur 20 €uronen

Ein iDictionary-Touch mit Rabatt für 90 € (nur ein digitales Wörterbuch)

Der geniale PSPod zum Abspielen von MP4 für nur Schlappe 70 €

Ich wundere mich etwas, warum solche Klasse produkte und Marken nicht in Deutschland existieren. Dann könnte sich sogar Ralf einen oPod-Touch leisten. Maik kaufte dann ein iPod-Nano-Plagiat mit 4GB, auf den Testbericht dazu wird noch gewartet. Danach dachten wir, wir könnten noch was trinken und fanden eine lustige Süßigkeiten-Fruchtsaftbar, die es hier eigentlich zu Hauf gibt und bestellten ziemlich wahllos, weil wir die Sachen auch nicht lesen konnten. Ich bekamm eine seltsame Kaltschale, mit weißem geschmacklosem Schleim und schwarzem Mohn. Das schmeckte eigentlich ganz gut. Maik hatte ein Fruchtsaftgemisch, aber ich weiß nicht genau, was da alles drin war. Vielleicht wollen wir das auch gar nicht wissen:



Danach saßen wir noch ein bisschen in der Stadt rum, als auf einmal ein Mann bei uns rumlungerte und knapp 5 Minuten sich nicht traute uns anzusprechen. Er wollte ein Foto von _uns_ machen. Er zog ein vergoldetes Handy raus und brauchte eine halbe Ewigkeit bis er das Handy dazu brachte ein Foto zu machen. Dann wollte er von uns, dass wir die asiatische Lieblings-Fotopose machen. Zeige‑ und Mittelfinger zum Ⅴ gespreizt und aufgesetzt lächelnd, warteten wir eine halbe Ewigkeit, bis das Foto gemacht war. Er zeigte mir das Bild und ich war als verschwommener grüner Schatten darauf zu erkennen. Maik war nicht auf dem Bild. Dann wurde die Sache auf einmal skurril. Er wollte, dass ich mich auf ein Bein stell, dabei in die Hocke ging, das andere Bein auf meinen Oberschenkel lege und die Hände falte. Keine Ahnung warum, aber ich tat wie er es wollte, und nach 2 Wadenkrämpfen war das Foto endlich gemacht. Der Chinese mit dem Goldhandy war aber noch nicht zufrieden. Nun wollte er, dass ich mich in den Gongbu stelle mit der Handkante nach vorne. Etwa so:

Das war mir dann zu blöd und wir sind gegangen. Ja als erkennbarer nicht Asiate, ist man für manchen Chinesen so etwas ähnliches wie ein Animator mit Tierkostüm aus nem Freizeitpark. Man soll ständig Fotos mit wem machen, bekommt blöde Nachrufe wie: „Guck mal, ein Ausländer!“, man bekommt aber auch oft was ausgegeben oder Zigaretten angeboten, denn eine Zigarette kostet nicht soviel wie ein Getränk.  Es war dann eh schon spät und wir gingen Heim.

Mat am Sonntag, 13. September 2009

Tja hier war es jetzt nicht so schön wie in Beijing. Ein bisschen grau und alt, der Flughafen. Keine LCD Anzeigen von welchem Flug das Gepäck nun aufs Gepäckband gelegt wurde, nur eine rote LED-Laufschrift. Zumindest war mein Gepäck schon auf dem Band, bevor ich überhaupt in der Halle ankam. Dann mal schnell zum Ausgang und prompt meine Kontaktperson übersehen.

So irrte ich in der Haupthalle des Flughafens, der nicht größer war als Frankfurt Hahn, hingegen aber 30 Jahre älter, und an einen alten Bahnhof erinnerte, herum und suchte und fand ein Kartentelefon. Das nahm natürlich nicht meine Karte, die ich in Beijing gekauft hatte und so schlich wiederholte Male um die Menschentraube herum, die sich am Ausgang gesammelte hatte und mit Zetteln bewaffnet war, auf denen irgendwelche Namen standen. Dann sah ich endlich meinen Namen und wunk ihm zu. Das war also Li Kai, Vorname Kai, Nachname Li. Wir begrüßten uns und ich klärte ihn über meine Namensverhältnisse auf, dass Matthias mein Vorname ist.

Er kaufte uns Bustickets und wir fuhren mit nem Linienbus in die Stadt. Die Fahrt dauerte ziemlich lange und so hatten wir Zeit uns zu unterhalten. Er fragte mich ob ich denn schon einen chinesischen Namen hätte oder wie man ihn denn auf chinesisch nennen sollte. Er schlug vor mich lǎomǎ (老马) zu nennen, weil man lǎo vor jeden beliebigen Namen hängen kann um daraus einen Spitznamen zu machen. Naja übersetzt heißen die Schriftzeichen „altes Pferd“, aber ich glaub ihm einfach mal, dass das wirklich keine Beleidigung ist. Im übrigen werden Ausländer kosenamenstechnisch als lǎowài (老外) bezeichnet. Das heißt soviel wie „alter Ausländer“. Ich könne ihn auch „Neo“ nennen, meinte er. Ihm gefalle nämlich der Film „the Matrix“ so sehr. Clichée bestätigt :-)

Wir redeten über diverse Dinge, was ich und er so zurzeit machen, was wir für Hobbies haben, etc. Er zählte mir einige deutsche Fußballspieler auf und sagte, dass man in China gerne die Bundesliga schaut und nannte natürlich auch stolz die beiden chinesichen Fußballspieler, die wohl in irgendwelchen deutschen Vereinen spielen. Dann fragte er mich, wie ich denn Karl Marx so finden würde. Da klingelten die Alarmglocken: „Oh, oh, Pfandfrage!“ Ich versuchte so neutral wie möglich zu antworten und sagte, dass ich seine Philosophie schon gut fände, es aber am Staat liegen würde, wie das umgesetzt wird. Er sagte dann nur sinngemäß: „Ich finde nicht, dass Marx ein Philosoph ist, Marx ist nicht gut, ich darf das jetzt nicht so laut sagen, aber die Regierung ist Mist.“ Irgendwie überraschte es mich nicht, dass ein PHD der Informatik sowas sagt.

Wir stiegen an einer für jede Richtung 3 Spurigen Straße aus dem Bus. Hier wurde mir zum ersten Mal klar, warum große Städte in China so versmoggt sind. Was sich da an Verkehr umwälzt, in einer Art geordnetem Chaos. Ich sage nur Survival of the Fittest. Wir warteten auf einen Anschlussbus. In China gibts keine Fahrpläne, nur eine Liste von Stationen, die angefahren werden. Nur weiß keiner, wann ein Bus nun kommt und ab wann er nichtmehr fährt. Also nachdem wir dann gesehen hatten, dass die Linie 3 innerhalb von 10 Minuten 10 mal an uns vorbeikam und alle anderen Linien auch mindestens einmal kamen, nur nicht die, die wir fahren wollten, beschloss Kai oder Neo (ich habe mich noch nicht entschieden, wie ich ihn nenne  soll) ein Taxi anzuhalten. Chinesen sind sehr ungeduldig, was sich im Verkehr und beim warten auf den Bus deutlich widerspiegelt. In Ulm muss man mindestens 10 Minuten auf nen Bus warten, eine Ewigkeit für einen Chinesen. Ein Taxi zu bekommen, war auch nicht so einfach, die Milliarden Taxis, die an uns vorbei kamen, waren alle schon belegt. Ich glaube die Hälfte aller in den Städten wohnenden Chinesen sind Taxifahrer, die andere Hälfte ist zu diesem Zeitpunkt leider Taxi mitgefahren.

Irgendwann bekamen wir dann auch ein Taxi, und wir fuhren zum Campushotel, weil es leider schon zu spät war für ein Wohnheimszimmer. Ich schluckte erstmal wieviel eine Nacht in dem Hotel kostet … das billigste Zimmer war etwa umgerechnet 50 €, dafür hatte es einen Flatscreen, ein überbreites Bett, schicke Sessel, etc und das ganze auf nur 8 m².

Unten im Nachtschränkchen lagen sogar Kondome. An alles haben sie gedacht, nur etwas teuer fand ich die:

Links 3 € rechts 2 €.

Zum Abendessen traf ich mich mit Maik, einem Bekannten, der bis vor kurzem noch in Berlin gewohnt hat, und jetzt zufällig auch in Nanjing eine Arbeit bekommen hat. Kai kam nicht mit, er wollte Heim zu seiner Frau, denn sie hatte gekocht *g*. So aß ich mein erstes chinesisches Essen von ner Fressbude, Maik hat bestellt.

Dann haben wir uns noch mit nem „Bier“, also es erinnerte eher an Kölsch-gold-eiskristall-extralight, an nen Brunnen im Campus gehockt.

Was man bei der schlechten Bildqualität nicht sieht ist, dass abends um 8 auf der Campusstraße der DōngNánDàXué (東南大學) SoutheastUniversity mehr los ist, als in der Ulmer Innenstadt am Samstag Nachmittag. Da wird unter dem Licht der Laternen Badminton gespielt, geradelt, Snakeboard gefahren, gelaufen, etc. Besonders lustig find ich es, dass auf dem Sportplatz im dunkeln gejoggt wird, nicht nur einer, sondern ein ganzes Joggeschwader ist da unterwegs. Und mit diesen Eindrücken kam mein erster Abend in China zu einem Ende.
Mat am Samstag, 12. September 2009

So saß ich im Auto zum Flughafen, nachdem ich einen Abschieds-Sauerbraten gegessen habe, den meine Mama liebenswürdigerweise kurzfristig zubereitet hatte. Dankeschön, es war der beste der Welt! Satt und mit den Gedanken etwas vergessen zu haben kamen wir am Frankfurter Flughafen an, parktem am falschen Terminal. Per Shuttlebus gings dann zu von Terminal 2 zu Terminal 1 und dann zum Check-In. Wir tranken noch was und ich ging zum Gate und wartete. Hier mal ein Bild von der Maschine, die mich fliegen sollte:

Im Flugzeug machte ich dann auch schon meine erste chinesische Bekanntschaft und sie bestätigte gleich 2 Clichées, die im Buch: „Gebrauchsanweisung für China“ beschrieben wurden. Sie nannte sich Linda, weil ihr der Name so gefällt. Eigentlich heißt sie LI Zhen Winteregg, verheiratet mit nem Schweizer und wohnhaft in der Schweiz. Das zweite war, sie gab mir sofort ihre Visitenkarte, so wie es _alle_ Chinesen tun. Naja bisher war sie die einzige. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

Sie redete etwa 8 von den 9 Stunden Flug. Wenn nicht mit mir, dann mit jemand anderem. Sie schenkte mir ihre Mahlzeiten komplett bis auf das verkrumpelte Brötchen mit Butter, davon aß sie eine Hälfte selbst. Ich konnte nun aber auch nicht soviel essen und das war mir sehr unangenehm, dass sie mir alles aufs Tablett legte. Zum Abendessen gabs wahlweise Rind oder Hühnchen, chinesisch, mit Reis. Hat beides gleich geschmeckt … nach nichts. Zum Frühstück gabs gebratene Nudeln, die waren Okay. Als das Flugzeug im Landeanflug war, fragte mich Linda, ob wir gemeinsam zum Ausgang gingen. Doch als das Flugzeug die Pforten geöffnet hatte und Linda ihr Handgepäck in der Hand hielt, verschwand sie und wart nie wieder gesehen. Ich bin mal gespannt ob sie mir eine eMail schreibt wie versprochen.

Ich kam auch ohne Linda zurecht. Im Flugzeug musste man einen Zettel des Healthcare Centers ausfüllen, in dem man versichert, dass man auch wirklich nicht krank ist und erstrecht kein H1N1 hat. In der Ankunftshalle gabs zwei Schleusen, eine an der dieser Zettel gestempelt wurde, eine andere an der man den dann abgeben musste. Ein Beispiel für die Arbeitsteilung, oder eher für die Aufblähung der Arbeitsabläufe in China. Jeder macht genau eine Sache und nicht mehr oder weniger, hauptsache es werden soviele Leute wie möglich beschäftigt. Eine Lösung für die Arbeitslosigkeit in Deutschland?

Danach wurde man mit nem Shuttlzug ins Hauptgebäude des Beijinger Flughafens gebracht. Dort wurde Visum und Pass kontrolliert und man konnte seine Koffer abholen. Die Leute vom Zoll schauten etwas argwöhnisch, was mich etwas verunsicherte, aber ich konnte ohne Probleme durch. Dass meine Koffer nicht sofort zum Anschlussflieger gebracht werden liegt daran, dass man erstmal komplett einreisen muss, bevor man innerlands weiterfliegen kann. Es war etwas schwierig herauszufinden, wo ich meine Koffer aufgeben konnte, aber letztendlich hab ichs geschafft.

Der Flughafen sieht echt schick aus. Da haben die Chinesen für Olympia eine hübsche Bude aufgestellt. Hier mal ein Bild vom Dachgestänge des Flughafens:

Ich habe dann gleich mal denjenigen kontaktiert, der mich vom Flughafen in Nanjing abholen sollte und ließ mir fürs Telefon eine Karte andrehen, die nur in Beijing funktioniert, wie ich später rausfinden musste, super! Aber im Moment war alles geregelt und so aß ich zufrieden mein erstes echt-chinesisches Gericht … eine Nudelsuppe.

Die Suppe an sich war weiß, und das rote ist pures Fett, was oben drauf rumschwamm. Die Beilagen waren auch nicht so mein Fall. Links oben war irgendwas scharfes mit Chilli, darunter war extrem scharfes irgendwas, was aussah wie Spargel. Rechts war Ingwer in Sojasoße und darunter eingelegter Ingwer. Naja beim Sushi lasse ich mir das gefallen. Hier war das hingegen irgendwie nicht so lecker.

Als ich gefragt hatte, wo man sein Gepäck abgeben kann, sagte man mir an Gate C06. Die Tante am Check-In schrieb mir C08 auf das Ticket. Im Endeffekt wars aber an Gate C04. Ich hab mich gewundert warum keiner am Gate C08 sitzt und nochmal an einer Übersichtstafel nachgeschaut. Zum Glück! Es war der letzte Aufruf für den Flug …

Als wir mit dem Flieger aufstiegen sah man regelrecht, wie man aus einer Smogwolke auftauchte. Auf einmal wars draußen viel klarer. Ich sah auch kurzzeitig das Meer, welches aber bald eine Biegung machte und nur noch Land sichtbar war. Ziemlich schnell zog sich unter uns die Wolkendecke zu und das blieb bis Nanjing. Die schöne Sonne, die in Beijing sichtbar war, wurde in Nanjing durch eine dichte Wolkenmauer verdeckt. Eigentlich ein etwas enttäuschender Anblick.