Mat am Dienstag, 9. März 2010

Ich habe gestern zum ersten Mal jemanden gesehen, der in einem chinesischen Restaurant mit Messer und Gabel gegessen hat. Normalerweise gehört das Messer in Küche, die Gabel gibt es gar nicht und mit Küchengeräten isst man nicht. Das wäre Esskultur. Ich frage mich manchmal nur, ob es wirklich Esskultur ist, wenn man versucht Schnitzel (diese gibt es durchaus in China) mit den Stäbchen zu essen. Das sieht bei den meisten genauso elegant aus, wie ein Hund, der aus dem Napf frisst.

Nun habe ich aber gestern jemanden gesehen, der mit Messer und Gabel gegessen hat. Nur scheint dieser Gabel und Messer teilweise zu vertauschen: denn was liegt näher, als mit dem Messerl das Essen auf die Gabel zu schieben und die Gabel zum Mund zu führen? Richtig: Mit der Gabel das Essen auf das messer zu schaufeln und mit dem messer zu Essen! Und als ich ihn so beobachtet und mich darüber wunderte, wie Chinesen essen, ist mir aufgefallen, dass ich den Mann schon einmal gesehen habe und er ein Vietnamese und gar kein Chinese ist. Das war wohl die Rache der Franzosen!

Guten Appetit!

Mat am Freitag, 5. März 2010

Die Fähre nach Korea war interessant. Man hat sehr gemerkt, dass normalerweise keine Ausländer mitfahren. Es war das erste mal, dass ich bei der Ausreise aus China die Departure-Card nicht selbst ausfüllen musste, weil die Grenzbeamten sich um mich sorgten. Auf der Fähre angekommen hat mich auch eine Bedienstete zu meinem Schlafplatz geführt, dass ich mich nicht verlaufe. Das war auch gut so, denn ich hätte wahrscheinlich schon verlaufen. Wir sind durch einen großen Saal gelaufen, der mehrere 10m² Flächen hatte, auf denen Matratzen verteilt lagen. Ein großer Schlafsaal. Ich hatte aber zum Glück ein Bett in der nächst höheren Klasse. Mehrere Gänge mit 2-Stockbetten auf beiden Seiten und Vorhang für das bisschen Privatssphäre. Weiter hinten gab es anscheinend noch Kabinen. Da die Fähre selten Ausländer gesehen hat und auch von einer „Kleinstadt“ kommt, war das Verhalten der Mitpassagiere auch recht chinesisch, d.h. es wurde munter von jedem 2. Handy Musik gespielt, Nudelsuppe geschlürft, danach Sonnenblumensamen geknackt und nach chinesischer Tradition die Schale auf den Boden fallen gelassen und hin und wieder aus tiefstem Rachen auf den Boden gespuckt. Zum Glück konnte man seine Schuhe unter dem Bett unterstellen. Nachdem dann alle im Bett waren, wanderte ich nochmal auf dem Schiff umher und fand einen erstaunlicherweise sehr ansprechenden Duschraum, bzw Baderaum, der mich quasi einlud nochmal eine richtig schöne heiße Dusche zu nehmen. Das war einfach wunderbar, nachdem ich in Dandong in der Wohnung keine wirkliche Möglichkeit hatte zu duschen und daher auf ne öffentliche Dusche zurückgreifen musste.

Am nächsten Morgen wurde ich sanft von den Spuckgeräuschen der Menschen geweckt, die ihre morgentliche Wäsche durchführten. Leider war der Waschraum zum Zähneputzen viel zu nah an meinem Bett, sodass ich ein feuchtfröhliches Spuckkonzert von 7 bis 9 miterleben durfte. Dieses Badezimmer hatte vor allem noch die Besonderheit, dass die Waschbeckenabflüsse nach einem Schlauch direkt auf dem Boden münden, sodass man das, was man eben im Ausguss verschwinden sah, kurz danach an seinen Füßen vorbeischwimmen sehen konnte. Ich war schon etwas glücklich, als ich in Incheon ankam, und als ich dann nach Südkorea eingereist war, überkam mich der Gedanke: „Oh mein Gott, du bist hier noch ein viel größerer Analphabet, als in China! Wie komm ich denn nun von hier aus zu einer U-Bahnstation?“ Die Lösung war ganz einfach: Vor dem Ausgang des Terminals gabs nur einen Buslinie, deren Endstation „Dongincheon“ ist, welche dem Bahnhof von Incheon entspricht und an das U-Bahnnetz von Seoul angeschlossen ist. Leider haben ein paar Linien in Seoul mehrere Endhaltestellen in verschiedenen Stadtteilen, sodass man aufpassen muss, in welchen Zug man einsteigt. Und dann bin ich gefahren, eine ganze Weile, einmal planmäßig umgestiegen und habe trotz undeutlicher Anfahrtsbeschreibung des Hostels, dennoch das Hostel auf Anhieb gefunden. Ich bin ja so gut :-)

Untergekommen bin ich im Bebop-Guesthouse, in dem Jonathan auf mich gewartet hatte. Jonathan studiert auch an der SEU in Nanjing, wohnt auf meinem Gang im Wohnheim und hat eineinhalb Jahre in Seoul gelebt. Ich kann das Hostel wirklich empfehlen. Es ist recht neu und sauber, eine der billigsten Varianten in Seoul, relativ gut angeschlossen an die U-Bahn (10 Minuten zu Fuß) und im Studentenviertel der Hongik-Universität in Hongdae gelegen. Aber vor allem fühlt man sich dort verdammt wohl. So wohl, dass ich dort den ganzen restlichen Nachmittag verbracht habe und nichts getan habe. Am ersten Abend bin ich alleine auf Essensuche und habe zufällig ein chinesisches Restaurant erwischt. Da konnte ich die Speisekarte wenigstens lesen :-)

Nachdem ich ausgeschlafen hatte, machte ich mich auf zum Gyeongbokgung, einem der Paläste und traf auf dem Weg dorthin eine Japanerin aus dem Hostel, die dort auch hinwollte. Schon die U-Bahnstation war thematisiert:


Am Eingang des Palastes stehen Wachen, die als wir dort ankamen ihre Wachablösung hatten:









Nach der Show kauften wir uns die Eintrittskarten und schauten uns das Palastgelände an:





Kleine Japanerin, noch kleinere Türen



Halb-gefrorener See und Pavillon


Wir werfen unsere Schatten vorraus




Das Gelände des Palastes war wirklich riesig, aber irgendwie war es auch etwas langweilig. Die Restaurationen sind wirklich gut, aber irgendwie sah jedes Gebäude gleich aus. Im Sommer, wenn die Wiesen grün sind und die Landschaft und Gärten etwas prächtiger sind, macht es sicherlich mehr Spaß. Wir entschieden uns einen Kaffee zu trinken und dann wollte Anna, die Japanerin, sich mit jemandem treffen. Ich zog also allein weiter und ging zu einer der beliebtesten Einkaufszonen, namens Insadong. Auf dem Weg dorthin schaute ich mir noch ein Kloster, namens Jogyesa, an:




abendliche Einkaufsgassen

der wohl sicherste Ort auf der Welt?

Ich bin daraufhin einfach irgendwo hin gelaufen, wo es mir interessant erschien. Den Weg kann ich leider nicht mehr wirklich nachvollziehen



Irgendwann kam ich dann an einem Markt an, in dem fast nur Essen verkauft wurde. Es tut mir im Nachhinein leid, dass ich nicht die Fleisch‑, Wurst‑ und Speckschwartenberge fotografiert habe, sondern nur eines der leckersten Gerichte Asiens Tteokbokki

Das aß ich auf einer beheizten Holzbank sitzend, während links von mir auf Augenhöhe ein paar gekochte Schweinefüße in den Fleischberg eingebettet waren. Nun neben dem eben Genannten, konnte man auch koreanische Pfannkuchen in verschieden Farben und Formen und diverse Sorten von Kimchi kaufen. Man konnte auch eine ganze frittierte und panierte Flunder am Spieß kaufen, also alles, was das Herz begehrt. Aber da die Reisknödel in Paprikasoße ziemlich satt gemacht haben, konnte ich mich gerade noch zurückhalten einen Schweinfuß auf einmal zu verschlingen und bin etwas weiterspaziert, bis ich mich verlaufen habe und dann irgendwie am Dongdaemon ankam, wo ich dann in die U-Bahn gestiegen bin.

Am nächsten Tag aß ich mit Jonathan, einer Deutschen aus dem Hostel und ihrer Freundin koreanisches Barbecue (Bulgogi).



90 % der koreanischen Restaurants sind Barbecue-Restaurants, daher hat sich dort eine ganz eigene Kultur entwickelt. Man muss normalerweise mindestens für 2 Personen bestellen. Bei 4 Personen bekamen wir 4 große Fleischstücke unterschiedlich mariniert, die man auf einem Grill, der in den Tisch eingelassen ist, grillt. Die Kellnerin übernimmt das Grillen für gewöhnlich, wenn nicht so viele Gäste da sind. Dabei wird das Fleisch, nachdem es durch ist, mit einer Schere in kleine Stücke geschnitten. Wie in allen koreanischen Restaurants gibt es dazu eine Auswahl an Beilagen (Banchan), zu denen Kimchi, eingelegter Rettich, Kartoffelsalat, Fischmehlpfannkuchen, etc. zählen, wie auch speziell für das Barbecue diverse Dips, Soßen und Salatblätter, in die man die gedippten Fleischstücke einrollt und isst. Von den Beilagen darf man sich für gewöhnlich so oft nachholen, wie man möchte. Schade, dass es so wenig koreanische Restaurants in Deutschland gibt, denn die koreanische Küche hat echt leckere Sachen zu bieten. Was in China sehr berühmt ist als koreanisches Gericht ist Dolsot Bibimbap. Das ist Reis mit diversem Gemüse, einem Ei und einer Paprikapaste im heißen Steinpott. Das klingt jetzt ziemlich langweilig, schmeckt aber hervorragend und ist freilich mit Fleisch modifizierbar. Das ganze gibts auch kalt ohne Steinpott, doch dann ists ein bisschen langweiliger. Ein weiteres Standardgericht ist Gimbap, die koreanische Version von Maki-Sushi.

Nach dem Essen gingen wir in ein Freilandmuseum eines koreanischen Dorfes (Namsangol Hanok Village).



Und wie moderne hippe Leute, haben wir auch ein paar „fotografier mich in der Luft“ Bilder gemacht.


Samstags war ich dann auf dem Konzert, das der ursprüngliche Grund für meine Reise nach Seoul war: Final Fantasy Distant Worlds, in dem Musikstücke des Komponisten Nobuo Uematsu, der diese Stücke für die Videospielreihe Final Fantasy komponiert hatte, von Chor und Orchester unter der Leitung von Arnie Roth inszeniert werden. Es war einfach toll und hat sich gelohnt, auch wenn es mich ärgert, dass ich die Karte vorbestellt habe und die Standardüberweisungsgebühr von Deutschland nach Korea etwa genauso teuer war wie das Ticket an sich, da das Konzert logischerweise auch nicht ausverkauft war.


Abends hatte Jonathan das Gefühl, dass ich zu wenig von Seoul gesehen hätte und dass wir unbedingt nochmal überall hin müssten. So waren wir in einer anderen Einkaufsstraße in Insadong, auf dem Soul Tower, der sich wirklich lohnt, und an diversen anderen Plätzen der Stadt, wo man abends ausgehen kann. Im Seoul Tower hat man eine atemberaubende Aussicht auf Seoul, leider durch Glasscheiben und noch „leiderer“ abends durch Glasscheiben, die die zu starke Beleuchtung der Aussichtsplattform innen spiegeln.










Und für das ganz besondere Erlebnis, kann man mit Aussicht pinkeln gehen

Sonntags fuhr ich mit der Deutschen gemeinsam zum Flughafen. Der erste Shuttlebus, der uns zum Flughafen bringen sollte war leider schon voll besetzt. Ich dachte dann, wenn das noch ein paar mal so ist, dann kommen wir wohl nie zum Flughafen. Das wäre nunmal das Los, wenn vor der eigenen 7 andere Stationen liegen und an dieser Station soviele Leute warten, dass man damit einen halben Bus füllen könnte. Doch der zweite Shuttlebus war fast leer und so gings zum Flughafen. Im Flughafen gab es eine traditionelle koreanische Aufführung in einem Teeladen.

Mat am Sonntag, 13. September 2009

Tja hier war es jetzt nicht so schön wie in Beijing. Ein bisschen grau und alt, der Flughafen. Keine LCD Anzeigen von welchem Flug das Gepäck nun aufs Gepäckband gelegt wurde, nur eine rote LED-Laufschrift. Zumindest war mein Gepäck schon auf dem Band, bevor ich überhaupt in der Halle ankam. Dann mal schnell zum Ausgang und prompt meine Kontaktperson übersehen.

So irrte ich in der Haupthalle des Flughafens, der nicht größer war als Frankfurt Hahn, hingegen aber 30 Jahre älter, und an einen alten Bahnhof erinnerte, herum und suchte und fand ein Kartentelefon. Das nahm natürlich nicht meine Karte, die ich in Beijing gekauft hatte und so schlich wiederholte Male um die Menschentraube herum, die sich am Ausgang gesammelte hatte und mit Zetteln bewaffnet war, auf denen irgendwelche Namen standen. Dann sah ich endlich meinen Namen und wunk ihm zu. Das war also Li Kai, Vorname Kai, Nachname Li. Wir begrüßten uns und ich klärte ihn über meine Namensverhältnisse auf, dass Matthias mein Vorname ist.

Er kaufte uns Bustickets und wir fuhren mit nem Linienbus in die Stadt. Die Fahrt dauerte ziemlich lange und so hatten wir Zeit uns zu unterhalten. Er fragte mich ob ich denn schon einen chinesischen Namen hätte oder wie man ihn denn auf chinesisch nennen sollte. Er schlug vor mich lǎomǎ (老马) zu nennen, weil man lǎo vor jeden beliebigen Namen hängen kann um daraus einen Spitznamen zu machen. Naja übersetzt heißen die Schriftzeichen „altes Pferd“, aber ich glaub ihm einfach mal, dass das wirklich keine Beleidigung ist. Im übrigen werden Ausländer kosenamenstechnisch als lǎowài (老外) bezeichnet. Das heißt soviel wie „alter Ausländer“. Ich könne ihn auch „Neo“ nennen, meinte er. Ihm gefalle nämlich der Film „the Matrix“ so sehr. Clichée bestätigt :-)

Wir redeten über diverse Dinge, was ich und er so zurzeit machen, was wir für Hobbies haben, etc. Er zählte mir einige deutsche Fußballspieler auf und sagte, dass man in China gerne die Bundesliga schaut und nannte natürlich auch stolz die beiden chinesichen Fußballspieler, die wohl in irgendwelchen deutschen Vereinen spielen. Dann fragte er mich, wie ich denn Karl Marx so finden würde. Da klingelten die Alarmglocken: „Oh, oh, Pfandfrage!“ Ich versuchte so neutral wie möglich zu antworten und sagte, dass ich seine Philosophie schon gut fände, es aber am Staat liegen würde, wie das umgesetzt wird. Er sagte dann nur sinngemäß: „Ich finde nicht, dass Marx ein Philosoph ist, Marx ist nicht gut, ich darf das jetzt nicht so laut sagen, aber die Regierung ist Mist.“ Irgendwie überraschte es mich nicht, dass ein PHD der Informatik sowas sagt.

Wir stiegen an einer für jede Richtung 3 Spurigen Straße aus dem Bus. Hier wurde mir zum ersten Mal klar, warum große Städte in China so versmoggt sind. Was sich da an Verkehr umwälzt, in einer Art geordnetem Chaos. Ich sage nur Survival of the Fittest. Wir warteten auf einen Anschlussbus. In China gibts keine Fahrpläne, nur eine Liste von Stationen, die angefahren werden. Nur weiß keiner, wann ein Bus nun kommt und ab wann er nichtmehr fährt. Also nachdem wir dann gesehen hatten, dass die Linie 3 innerhalb von 10 Minuten 10 mal an uns vorbeikam und alle anderen Linien auch mindestens einmal kamen, nur nicht die, die wir fahren wollten, beschloss Kai oder Neo (ich habe mich noch nicht entschieden, wie ich ihn nenne  soll) ein Taxi anzuhalten. Chinesen sind sehr ungeduldig, was sich im Verkehr und beim warten auf den Bus deutlich widerspiegelt. In Ulm muss man mindestens 10 Minuten auf nen Bus warten, eine Ewigkeit für einen Chinesen. Ein Taxi zu bekommen, war auch nicht so einfach, die Milliarden Taxis, die an uns vorbei kamen, waren alle schon belegt. Ich glaube die Hälfte aller in den Städten wohnenden Chinesen sind Taxifahrer, die andere Hälfte ist zu diesem Zeitpunkt leider Taxi mitgefahren.

Irgendwann bekamen wir dann auch ein Taxi, und wir fuhren zum Campushotel, weil es leider schon zu spät war für ein Wohnheimszimmer. Ich schluckte erstmal wieviel eine Nacht in dem Hotel kostet … das billigste Zimmer war etwa umgerechnet 50 €, dafür hatte es einen Flatscreen, ein überbreites Bett, schicke Sessel, etc und das ganze auf nur 8 m².

Unten im Nachtschränkchen lagen sogar Kondome. An alles haben sie gedacht, nur etwas teuer fand ich die:

Links 3 € rechts 2 €.

Zum Abendessen traf ich mich mit Maik, einem Bekannten, der bis vor kurzem noch in Berlin gewohnt hat, und jetzt zufällig auch in Nanjing eine Arbeit bekommen hat. Kai kam nicht mit, er wollte Heim zu seiner Frau, denn sie hatte gekocht *g*. So aß ich mein erstes chinesisches Essen von ner Fressbude, Maik hat bestellt.

Dann haben wir uns noch mit nem „Bier“, also es erinnerte eher an Kölsch-gold-eiskristall-extralight, an nen Brunnen im Campus gehockt.

Was man bei der schlechten Bildqualität nicht sieht ist, dass abends um 8 auf der Campusstraße der DōngNánDàXué (東南大學) SoutheastUniversity mehr los ist, als in der Ulmer Innenstadt am Samstag Nachmittag. Da wird unter dem Licht der Laternen Badminton gespielt, geradelt, Snakeboard gefahren, gelaufen, etc. Besonders lustig find ich es, dass auf dem Sportplatz im dunkeln gejoggt wird, nicht nur einer, sondern ein ganzes Joggeschwader ist da unterwegs. Und mit diesen Eindrücken kam mein erster Abend in China zu einem Ende.
Ferdinand am Freitag, 27. März 2009

Mexiko ist zwar ein großer Kaffeeexporteur (der fünftgrößte der Welt laut Wikipedia). Das heißt aber nicht, dass man hier auch guten Kaffee trinken kann. Instant Kaffee, der hier fast ausschließlich Nescafé heißt ist weit verbreitet (und der Exporteur wird zum Importeur… Mit Rohöl exportieren, Benzin importieren schaffen die Mexikaner das gleiche an anderer Stelle). Filterkaffee heißt hier Cafe Americano, wird viel zu heiß getrunken, ist dünnflüssig koffeinarm – zum ausgleich dessen wird ein halber Liter Becher bevorzugt.
Café Espresso ist oftmals zu bekommen, aber er ist fast nie die Grundlage eines Cappuccinos. Dieser wird oftmals – auch im Restaurant – mit einem Pulver angemacht. Also bestelle ich „einen einfachen Espresso, „cortado“ = gemischt mit warmer aufgeschäumter Milch, mit Zimt ohne Zucker“ und bekomme meist was ich will ;-) Im Iteso war meine Bestellung in der Cafete bekannt – insbesondere in den letzten Wochen des letzten Semesters, wo ich tagelang am coden war, hat ein Kopfnicken für die Bestellung eines guten Kaffees gereicht. Eine Alternative stellt in Mexiko zudem Starbucks dar, den ich trotz vollkommend überzogender Preise zu schätzen gelernt habe. Vor allem seit Anfang März, wo die Temperaturen auf über 35° Grad gestiegen sind, gibt es nichts besseres als in einem klimatisierten Raum, mit angenehmer Athmosphäre und gutem Kaffee für ein paar Stunden zu arbeiten.
Für meine Wohnung habe ich mir eine kleine guß-eiserne Espressomaschine gekauft, den ich unseren zahlreichen Gästen gerne anbiete. Eine mexikanische Freundin war allerdings weniger begeistert als ich und füllte sich ihren Espresso so lange mit Wasser auf, bis man den Boden sehen konnte … Mexiko ist halt ein Exporteur und nicht die Heimat des Kaffees.

Ferdinand am Mittwoch, 24. Dezember 2008

Seit einer Woche ist Jutta nun hier in Mexiko und wir haben erst mal so richtig Urlaub gemacht. Außer Stadtbesichtigungen und kleineren Ausflügen sind wir zwei Tage an den Pazifik gefahren. Doch jetzt von vorne…

       

Wie man hier sieht, bemüht sich auch Guadalajara um festliche Weihnachtsstimmung. Aber trotz bunter Beleuchtung und leicht kitschigem Weihnachtsschmuck (siehe Coca Cola) fehlt einfach der Schnee, etwas Kälte, Glühwein und schöne Weihnachtsmärkte. Dafür kam unser selbst gewürzter Glühwein (GlühFIX und 5 Riesen-Stangen Zimt vom Markt sei dank) bei der letzten WG-Party richtig gut an. Etwas seltsam mutet allerdings an, dass hier so auf den typischen Weihnachtsklischees bestanden wird von wegen Weihnachtsmann im dicken Mantel, weiße Weihnacht und Tannenbäume, was hier alles etwas fehl am Platze scheint…

Wie das Weihnachtsfest selbst hier gefeiert wird, werden wir morgen erfahren.

Bei typischen Weihnachtsfeiern, posadas genannt gibt es einen ganz lustigen Brauch: Man prügelt so lange auf einen Stern ein, bis die Süßigkeiten, mit denen er gefüllt ist, herausfallen. Damit es nicht ganz so einfach ist, werden einem dabei die Augen verbunden und der Stern immer wieder weggezogen. Das Spiel namens Piñata erinnert zwar ein bisschen an Topfschlagen, hat aber einen tieferen Sinn: die sieben Spitzen des Sterns symbolisieren die sieben Todsünden, die so zerschlagen werden. Folgendes Lied wird dabei gesungen und wenn es zu Ende ist, kommt der nächste dran.

Spanischer Text

Dale, dale, dale
No pierdas el tino
Porque si lo pierdes
Pierdes el camino
Ya le diste una
Ya le diste dos
Ya le diste tres
Y tu tiempo se acabó

Sinngemäße Übersetzung

Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Verlier nicht dein Ziel (wörtl. Treffsicherheit)
Denn verlierst du es
Kommst du vom Weg ab
Du hast einmal geschlagen
Du hast zweimal geschlagen
Du hast dreinmal geschlagen
Und deine Zeit ist um

       

Passend auch zur „Jahreszeit“ haben wir uns Barra de Navidad, ein kleines beschauliches Örtchen am Strand, herausgesucht. Naja, der eigentliche Grund war, dass es eine direkte Busverbindung dort hin gab… ;) Da wir morgens um halb sechs angekommen sind haben wir uns erst mal an den Strand gelegt und den Sonnenaufgang abgewartet, richtig schöne Morgenstimmung. Für weniger als Raimar’s günstige 16 € für’s Hostel haben wir ein laut Lonely Planet mid-range Hotel mit privatem Bad, Pool, Balkon und Aussicht in die Lagune bekommen. :D

Dann verbrachten wir den Tag mit Sonne tanken und dem Beobachten von amerikanischen Rentnern. Ferdi entdeckte auf einer Speisekarte sogar ein german Schnitzel, was er sich nicht zwei mal sagen ließ… Auch die Isla Navidad schauten wir uns an, aber außer ein paar, seltsamerweise verlassenen Luxushotels und einem Fischerdörfchen gab es dort nicht viel zu sehen.

 

Back in Guadalajara schlenderten wir durch die Künstlerstadt Tlaquepaque, wo es auch richtig leckeres mexikanisches Essen gab: Quesadillas (Tortillas mit Käse gefüllt), Guacamole (Avocadocreme), Sopes (dicke Maisfladen mit Bohnen, Gemüse, Salsa und Käse) und natürlich Salsa roja y verde (rote und grüne Chilisoße). Während das Essen sehr, sehr lecker ist, sieht es für Vegetarier von der Abwechslung her eher schlecht aus. :s In Tlaquepaque gibt es viele individuelle Künstlerateliers oder –galerien, die unterschiedliche Stile haben und sehr schöne, aber für mexikanische Verhältnisse auch teure Dinge aus Glas, Metall, Ton u.v.m. anbieten

     

Bevor wir Ferdis Eltern vom Flughafen abholten, haben wir noch eine kleine Tour durch Tequila gemacht, das 60 km von Guadalajara entfernt ist. Tourigerecht sind wir mit einem Tequilafass-Bus von Destillerie zu Destillerie gefahren und haben uns über die Kunst der Agavensaft-Zubereitung informiert. :)

Dank Ferdis Blog wusste Jutta schon, dass hier alles mit Limonen, Salz und Chili gewürzt wird. Als der Obstverkäufer dann aber genau diese Kombination über Melone, Ananas und Papaya kippte, war sie trotzdem einen Moment lang irritiert, vor allem wegen dem Salz… Schließlich schmeckte das aber so gut, dass sie nun nicht mehr ohne Fertiggewürz dieser drei Zutaten aus dem Haus geht. :D

In diesem Sinne wünschen wir allen Bloglesern ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

2009 sehen wir uns alle wieder in Ulm im neuen Blog zurueck-in-ulm.de!

Ferdinand und Jutta

Raimar am Donnerstag, 4. Dezember 2008

Amerikanisches Essen ist wirklich unglaublich faszinierend, ich hatte ca. eine Woche vor D.C. Toast gekauft. Den billigen aus dem Wal-Mart, nix tolles. Letzterer wurde leider vor D.C. nicht leer und ich hatte die eig. unberechtigte Hoffnung dass er danach noch gut sind. Erstaunlicherweise war er noch gut, aber dann gings schon nach NYC und die (wie immer riesige) Packung war immernoch nicht leer. Ich war mir eigentlich sicher dass der Toast nach NYC eigentlich wirklich schimmeln hätte müsste, aber nein. Ich konnte ihn bis gestern noch essen, erst heute hatte er sichtbaren Schimmel am unteren Ende.
Wirklich faszinierend, dieser Toast war fast zwei Wochen nach dem öffnen noch frisch essbar.
Eigentlich will ich garnicht wissen was da alles drin ist! ;-)

Raimar am Freitag, 28. November 2008

Kurz ein paar Neuigkeiten was passiert ist seit ich wieder von D.C. zurück bin:

  • Ich huste nun schoen seit einer guten Woche und kränkele etwas vor mich hin. Wenn das bis nächste Woche nicht gut ist checke ich mal das US Gesundheitssystem. Meine Kreditkarte werden ich brauchen ;-)
  • Heute an Thanksgiving habe ich AWESOME food bei einer Freundin von Aneta gegessen, echten Turkey, tausend Beilagen, Stuffing und Peanut Butte Pie. Endlich mal gescheites Amerikanisches Essen :-)
  • Morgen gehts nach NYC, meine Motivation ist nicht so riesig weil ich schon fast alles gesehen habe. Dafür habe ich gerade erfahren dass Körperwelten auch gerade in NYC ist, wenn das keine Gelegenheit ist :-) Die UN hat leider zu :| Achja zum Frisuer muss ich auch mal wieder ._. Ich trau mich doch nicht …
  • Der Pontiac hat keine Zicken mehr gemacht, es scheint unser Auto mag uns :-)
  • Ich weiß nicht ob ich morgen mein Notebook mitnehmne, wenn ich mich dagegen entscheide dann hört ihr erst wieder Sonntag was von mir. (Ich werds eh mitnehmen wie ich mich kenn :D
  • Aneta war in Cali diese Woche und je mehr ich davon höre desto mehr will ich dahin ;) Ferdi: wir brauchen einen Plan :D

Soviel zum Moment :-)

PS: Wer hat den Tag „Sexyiness“ eingeführt?! Er wurde mir gerade von Wordpress vorgeschlagen *lol*

Frank am Montag, 24. November 2008

Ich wollte auch mal was zum Thema Guave beisteuern. Die sind hier auch sehr verbreitet und beliebt. Ich persönlich mag sie nicht und werde immer stinkig wenn sie mir hier in mein green curry die Dinger halbiert(!!) reinwerfen, und dann auch noch am chicken sparen. Naja anyway. Die Guave heißt auf Thai farang (oder auch falang - wegen der asiatischen r/l Schwäche, hihi). Farang ist aber auch das Wort für uns Westler oder Weiße im Allgemeinen. Oft im negativen Sinne gebraucht. Man bekommt das Wort hier auch öfter mal mit wenn man mit Thais zu tun hat und ihnen aufmerksam zuhört.

Warum die Thais uns als Guaven bezeichnen wissen sie selber nicht so recht, aber die allwissende Wikipedia hat natürlich einige Theorien dazu.

foto von cheesy_lady [flickr]

Frank am Mittwoch, 19. November 2008

Ich kenn ja Leute die träumen seit Jahren von einem Burger King Lieferservice (hey, Starki!). Ich selber fand die Idee eigentlich auch immer schon sehr verlockend, aber hier ist es um so geiler weil man einfach oft keinen Bock mehr auf Reis hat. Da wird der Wopper zum wahren Festtagsessen :)

Raimar am Mittwoch, 19. November 2008

Actually, everytime I’m writing about groceries I’m just complaining about high prices and missing european/german products (Maultaschen!) but on the other hand many some products are really tasty here.

Cape Cod Potato Chips

These Chips are actually taste like — nothing. Just Potato and litte salt, but a good snack doesn’t need more! No fancy Oriental, Hungarian, whatever spices like on german chips, just chips. Tasty chips! :-)

Peanut Butter

In germany Ⅰ also saw Peanut Butter in stores, but never tried it. That was a failure ;-)

Softdrinks

Especially because Ⅰ don’t have to return cans, Ⅰ became a huge fan of softdrinkes. Ⅰ have just the basic ones here, no fancy stuff! ;-)