Mat am Samstag, 28. November 2009

Nach dem Unterricht schrieb mir Duba eine Nachricht, dass er gerne mal mit vielen Leuten eine Sehenswürdigkeit besuchen wolle, die den wundervollen Namen: „Das Taiping himmlische Königreich Museum der Geschichte“ trägt. Ein bisschen Abwechslung kann ja nich schaden, also gingen wir (das waren Duba, Joe, Bino, Chinh und ich) dorthin, ohne zu wissen, was es da eigentlich zu sehen gibt. Wenn das schon so heißt, dachte ich, kann es ja nur toll sein.

Das Museum befindet sich auf der Südseite vom Konfuziusmarkt (Fuzimiao 夫子庙). Als ich dort ankam, erinnerte ich mich, dass ich das sowieso schonmal anschauen wollte, weil der Eingang schon so beeindruckend ist. Es besitzt riesige Tore und muss früher mal etwas wie ein Anwesen gewesen sein. Chinh meinte, dass er schonmal da war und es eigentlich nicht so toll war. Das Museum an sich war auch nicht so aufregend. Es handelt sich dabei um eine Abhandlung einer Epoche der Geschichte Nanjings, welche das „himmlische Königreich“ genannt wird.

Die Kunstgegenstände im Museum waren nicht so aufregend. Jedoch war das Anwesen einfach toll: schöne verwinkelt Gänge, Gallerien und Pavillons; Teiche, Felsen und auch ein Wasserfall. Eine perfekt Location mal ein bisschen mit der Kamera rumzuspielen und ganz viele Fotos zu machen.

Hauptdarsteller sind:

Duba

Joe

Bino

Chinh

und Mirko aus Höchst

Los gehts!



































Der Wasserfall wurde ausgeschaltet, nachdem eine Olle rumgemotzt hat und wir dennoch nicht vom Berg hinabgestiegen sind.

Mat am Mittwoch, 25. November 2009

Weil Juliane mal nachgefragt hat, wie denn nun der Campus ausschaut und ich bisher der Bebilderung schuldig bin, werde ich das nun hiermit tun. Das war einen Tag nach dem ersten Schnee und ich hatte schon vergessen, dass einem die Finger ziemlich schnell einfrieren, wenn man bei –3° ohne Handschuhe Fotos macht. Ich gehe auch davon aus, dass dies auch einer der Gründe ist, warum ich gerade mit Husten und Schnupfen im Bett liege/sitze und mir die Zeit nehme das zu schreiben.

Ich beschreibe hier den Weg vom Wohnheim aus zu meinem Klassenraum, wo ich die Sprachkurse habe. Von dort aus gehe ich zum Gebäude, wo die Informatiker ihr Lab haben, bzw hoffentlich auch bleiben dürfen. Mir kam nämlich zu Ohren, dass die Informatiker zum neuen Campus umziehen müssen. Ich hoffe nicht, dass dies geschieht, das wäre aus diversen Gründen, die ich irgenwann mal erleutern werde, ziemlich „incovenient“.

Raus aus dem Wohnheim auf die Straße:

rechts abbiegen und an dieser Kreuzung wieder links abbiegen


Der Straße ein Stück folgen, auf der linken Seite ist eine der Mensen, einen Schwenk nach rechts sieht man den Eingang vom Sipailou-Campus.





Der Hauptstraße folgend, sieht man links ein Verwaltungsgebäude, in dem man Geld auf seine Karte laden kann, rechts daneben die Bücherei (Tushuguan 图书馆).



Zentrum des Campus bildet dieser Springbrunnen, hier biegen wir wieder links ab, links sieht man ein Gebäude, das gerade renoviert wird und in das die Verwaltung und das Präsidium der Uni ziehen soll. Irgendein toller Mensch hat mal darin gewohnt, erzählte mir Laowei.



Am Ende der Straße biegen wir rechts ab und sehen links das Konferenzzentrum des Campuseigenen Hotels, rechts sehen wir den Sportplatz, mit Tennisplätzen, Volleyballnetzen, Basketballnetzen und Dauerlaufbahn.


Ein Stück und dann links ist das Hotel, indem wir unseren Klassenraum haben. Irgendwo im 2. Stock ist dieser „Klassenraum“. Ihm werde ich auch noch ein Kapitel widmen.

Wenn man aber geradeaus am Sportplatz entlang läuft, ist links eine Sporthalle mit Kraftraum, Badmintonplätzen und Tischtennisplatten, die man gegen Geld reservieren kann.


Weiter hinten ist ein kleiner Park, indem ich einen wunderschönen Schneemann gefunden habe. Zudem eine Statue von irgendjemanden, der just in diesem Moment eine Erleuchtung hatte.





Wenn man von dort aus rechts abbiegt, am Sportplatz entlang geht kommt man nach einer Weile an einem Parkplatz vorbei und schließlich am Gebäude der Informatiker an.



Ich hoffe der Rundgang hat gefallen. Wartet gespannt auf Teil 2!

Mat am Dienstag, 24. November 2009

Vor einer Woche geschah etwas, dass in Nanjing seit 50 Jahren nicht mehr passiert ist … es hat im November geschneit. Normalerweise schneit es hier im Januar, frühestens im Dezember. Nun dieses Jahr hat es am 16. November geschneit; oder sollte man sagen: „geschneematscht“. Was da Sonntag Nacht und Montag vom Himmel kam, war eine Mischung aus Regen und Schnee, der am Boden angekommen ziemlich schnell wieder geschmolzen ist. Durch Windböen und Zerstäubung aufgepeppt war es einfach unvergesslich mieses Wetter.

Nur die Vietnamesen freuten sich und waren ganz aus dem Häuschen. Chinh, der an diesem Tag zum zweiten Mal in seinem Leben Schnee gesehen hat, forderte mich auf, meine am Tag zuvor neu gekaufte Kamera einzupacken und Fotos zu schießen. Die müsse er seinen Freunden zeigen, meinte er. Ich wollte die Kamera sowieso einstecken und mal austesten, ob sich meine 120 € gelohnt haben. Unten kann man sehen was daraus geworden ist. Ich muss noch ein bisschen mit den Einstellungen rumspielen und die Modi austesten. Meiner Meinung nach ist alles zu verschwommen.

Fontäne

Als wir dann auf dem Weg zum Unterricht an dem Springbrunnen vorbeikamen, war etwas ungewöhnlich. Der normalerweise moderat-plätschernde Springbrunnen spritzte diesen Morgen eine riesen Fontäne aus Schneematsch in den Himmel. 很有意思!

Mat am Donnerstag, 12. November 2009

Es war einer dieser Tage, die jeder kennt. Man steht auf, viel zu spät, findet ganz viele Beschäftigungen um sich vom Lernen abzuhalten und dann hat man fast nichts gemacht, bis man sich mit seinen Freunden in der Stadt treffen wollte. So traf ich mich mit Maik, etwas angenervt von den vielen Leuten auf der Straße, die im Gegensatz zu mir nicht die Bestrebungen hatten von A nach B zu kommen. So dachte ich darüber nach, was denn passieren würde, wenn ich mal ausversehen einem dreist sich vorbeischlängelnden Radfahrer einen Stoß gäben, so dass er mitsamt dem Fahrrad umkippt und auf dem Boden landet um damit meine angestaute Wut in den Erdboden abzuleiten. Ich kam zu dem Schluss, dass das wohl doch keine so gute Idee ist. Ich bin ja gewissermaßen ein Repräsentant Deutschlands, wobei ich vielen Mittel-Europäern auch aus dem Herzen sprechen, wenn ich diese Gedanken ausformuliere. Das Gewusel und die Ungeduld der drängelnden Chinesen ist meiner Meinung nach das anstrengenste an China. Im Gegensatz dazu steht das Verhalten eines Chinesen, der an einem Schalter sitzt. Da lässt er sich die Zeit eines meditierenden Mönches, ganz zum Leidwesen der Anstehenden. Gleich ein Grund noch etwas mehr zu drängeln.

Aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mich mit Maik traf um einmal in der Bücherei Avant-Garde vorbeizuschauen. Er meinte, dass es dort abgesehen von Büchern noch viele interessante Sachen zu kaufen gibt, auch im Hinblick, dass man nach Weihnachtsgeschenken ausschau halten kann. Die Bücherei ist einer ehemaligen Tiefgarage gelegen. So ist die Einfahrt der Eingang zur Bücherei. Nach etwa 10 Metern kommt eine Linkskurve und es geht eine Rampe nach oben. Nach der Rampe ist ein ehemaliges Parkdeck. Die Einfahrt mit Rampe und Parkdeck ist alles Laden‑ und Ausstellungsfläche.

Wenn man die Rampe wieder herunterläuft um zur Kasse und zum Ausgang zu gehen, sieht man ein riesiges christliches Kreuz über den Leuten schweben. Das ist, was den Laden avantgardistisch macht … Hajo meinte auf einem Portal, dass man zu deutsch „Gesichtsbuch“ nennt: „Wenn eine kleine Bar in Ulm avantgardistisch ist, weil sie einen Buddha im Laden stehen hat, dann ist das umgekehrt genauso gerechtfertigt!“

Aber nicht nur das massive Kreuz sorgte bei mir für ein Schmunzeln. Da gab es noch die Motivauswahl der Holzbilder, die man dort kaufen konnte. Ein kleiner Saddam für den Nachttisch? Oder wie wäre es mit einer Gallerie von Schwarz/Weiß-Silhouetten der größten Diktatoren der Welt im Wohnzimmer? All das kann man hier kaufen. Mich hätte es ja gereizt den einen oder anderen Hitler, Stalin, Mao oder Michael Jackson als Geschenk los zu schicken, aber wer weiß, was die Leute beim Zoll denken, wenn sie so etwas in einem Paket finden. Vor allem bei nem Michael Jackson ;-)

Ich habe dann das Setting etwas verändert, um ein noch eindrucksvolleres Bild zu erzeugen. Wer findet den Fehler?

Ich habe mir dann noch eine modische „Chanel No5″-Tasche gekauft:

Wobei ich die „Bible-Bag“ –Tasche auch ganz putzig fand.

Mat am Freitag, 6. November 2009

Ich habe mir nun endlich die Bilder von Flo geholt und möchte sie euch natürlich nicht vorenthalten!

Beginnen wir einmal mit Halloween:

Marie und Flo




Ich als böser Zombie oder sowas.



Flo und Chinh, als Mensch mit Vampirzähnen, ka

Sarah, eine der Belgierinnen

Im roten T-Shirt ist Yangwei, einer der Nachtwachen im Büro des Wohnheims

Angestellte vom Club, die chinesische Geister mimten. Sehr cool!


Jolien



Einen Spongebob gabs auch

Weiter gehts mit dem Teehaus:

Der Ladenbesitzer, Chinh und Jolien

Ich und 2 Mädels, eine davon nennt sich Vera

Jolien auf dem „Thron“:


im roten T-shirt ist Yangwei, einer der Nachtwachen im Büro des Wohnheims

Mat am Mittwoch, 4. November 2009

Letzten Sonntag waren wir (Flo, Jolien, Chinh und ich) in einem Teehaus. Naja es war nicht wirklich ein Teehaus. Es war eher ein Teeladen, in den uns der Besitzer einlgeladen hatte. Flo hatte diesen irgendwann einmal kennen gelernt, und nun wollte dieser, dass Flo mal mit seinen Freunden zum Tee trinken vorbei kommt. Er wollte nämlich schon immer ausländische Freunde haben.

Ein bisschen argwöhnisch fuhren wir am frühen Nachmittag, genau richtig zur Kaffee und Kuchen Zeit, mit dem Taxi dorthin. Man roch die Kälte in der Luft, und bekam sie umso mehr am eigenen Leibe zu spüren. So ist doch an diesem Wochenende die Temperatur um ca. 20° Ⅽ gefallen. Freudig wurden wir vom Teeladenbesitzer empfangen. Die Größe seines Ladens wird sich wohl auf 20 m² beschränken. Inmitten dieser Ladenfläche stand ein Tisch, mehrere Hocker und ein thronartiger Stuhl. Das ganze nahm mehr als die Hälfte der Ladenfläche ein und war aus Baumwurzeln geschnitzt. Der, ich nenne ihn jetzt mal „Thron“, sah sehr beeindruckend aus. Wie eine große Hand in die man sich setzen konnte. Noch beeindruckender war der Tisch. Wie gesagt bestand der Tisch aus einer großen Baumwurzel, die um einen Felsen herum gewachsen war und in die Reliefs und Figuren geschnitzt waren. Sowie wurden mehrere ebene Flächen reingeschliffen und eine Anrichteebene für den Tee. Dazu muss man sagen, dass man den Tee traditionell nicht einfach aufbrüht und trinkt, sondern mit einer kleinen Zeremonie verknüpft und eher genießt wie einen guten Whiskey. Zu dieser Zeremonie gehört auch, dass man den ersten Aufguss wegschüttet und die Tassen mehrmals mit heißem Teewasser auswäscht. Der Tisch war nun so geschnitzt, dass man das Auswaschen direkt auf dem Tisch macht und das überschüssige Wasser wie ein kleiner Bach über den halben Tisch in einen kleinen Abfluss rinnt.

Wir setzten uns und der Ladenbesitzer begann sofort mit dem Teezeremonium. Die Teebecher waren nicht größer wie ein Schnapsglas und lagen in einem Topf voll Wasser. Er nahm sie mit einer kleine Zange heraus und spülte sie erstmal mit heißem Wasser aus. Danach brühte er den Tee auf, goss ihn durch einen Sieb in eine Kanne und füllte die Becher damit. Weil der erste Aufguss für gewöhnlich sehr bitter ist, wird er weggeschüttet und so goss er die eben gefüllten Becher über einer kleinen Löwenstatue wieder aus. Er machte einen zweiten Aufguss, den er geschätzt 10 Sekunden lang ziehen lassen hat, füllte ihn in die Kanne um, füllte dann die Becher und reichte mit der Zange jedem von uns einen. Nun ist es dabei den Tee zu genießen. Dafür muss man erst den Duft einatmen, dann gemächlich den Tee schlürfen und ein bisschen im Mund behalten, bevor man schluckt. Mit einer Portion Tee machte er so zwischen 10 und 15 Aufgüsse. Insgesamt gab er uns 4 verschiedene Sorten zum testen. Daraufhin fragte er uns, welcher uns am besten gemundet hat und wir befanden die erste Sorte für die beste. Und so machte er mit der ersten Sorte noch einmal Tee.

Außer uns und dem Ladenbesitzer waren noch mehrere seiner chinesischen Freunde anwesend. Es kamen auch immer wieder neue Leute herein, die keinen Tee kauften, sondern sich dazu setzten und einen Plausch hielten. Leider war mein Chinesisch im Gegensatz zu Flo, Chinh und Jolien nicht gut genug um bei der Konversation mithalten zu können. Vor allem als es offensichtlich um 德国 (Déguó = Land der Tugend, oder auch Deutschland) ging und man weder verstehen konnte um was es geht, noch irgendetwas dazu sagen konnte. Später kamen dann noch 2 Mädels, von denen sich eine Vera genannt hatte. Jolien meinte, dass es ein belgischer Name sei, wohingegen ich sagte, dass er auch in Deutschland weit verbreitet sei. Dazu habe ich 2 Minuten Nachforschungen betrieben und es scheint, dass der Name gegen alle Erwartungen weder aus dem Holländischen, noch aus dem Deutschen, noch aus dem Lateinischen stammt, sondern ursprünglich ein russischer Name zu sein scheint. Hoffen wir einmal, dass Wikipedia recht hat und nicht Babywunder, ka. Später brachte ein weiterer chinesischer Freund 饺子 (Jiǎozi = gebratene Maultaschen) mit und alle wunderten sich, warum ich denn mit Stäbchen essen könne, obwohl ich noch nicht mal chinesisch sprechen konnte. Ich habe mich dann auch gewundert, aber eher über den logischen Zusammenhang …

Nachdem wir dann 5 Portionen Tee getrunken hatten und es draußen allmählich dunkel wurde, fuhren wir wieder Heim. Zum Glück habe ich einen so tollen Orientierungssinn, dass ich Süden und Norden voneinader unterscheiden kann und weiß, dass man in die Richtung zurückfahren muss, aus der man gekommen ist.

Mat am Montag, 2. November 2009

Also irgendwie habe ich mir den Abend ganz anders vorgestellt. Dafür haben sich die 3 Tage stundenlange vergebliche Suche nach einem Kostüm wirklich nicht gelohnt. Eine einfache weiße Schürze zu finden ist schon ziemlich schwierig. Dafür weiß ich jetzt, dass man in jedem Supermarkt eine überwältigende Auswahl an formschönen Schlafanzügen und langen Unterhosen für Männer vorfindet. Und aus genau diesen habe ich mir letztendlich eine Art Metzger-Outfit a la Silent Hill gebastelt. Natürlich besudelt mit Kunstblut, Tütensuppen-Gewürzöl und Instantkakao. Ich war gerade dabei so richtig schön rumzusuppen, als Chinh auf einmal mit mir zu einem chinesischen Halloween-Ball von 2 anderen Hochschulen/Universitäten (Das kann man hier nicht so unterscheiden) gehen wollte. Ich war aber bei weitem noch nicht fertig und schickte ihn alleine los. Es begann stark zu regnen und zu stürmen und wurde auch ziemlich frisch. Meine Motivation sank stetig. Jolien meldete sich und meinte kurz darauf, dass das Cocktailtrinken bei dem Wetter nicht so ne super Sache ist und dass man sich doch später einfach im Scarlet trifft. Flo war auch nicht da. Also alleine weggehen? Ich weiß ja nicht. Chinh kam dann später zurück und lachte mich gehörig aus, wegen meinem Kostüm. Naja zumindest musste ich nicht alleine ins Scarlet gehen.

Dort angekommen, trafen wir die anderen Belgierinnen und ich gab meinen Sweater dummerweise mit denen bei der Garderobe ab. Merke: Gib niemals deine Sachen zusammen mit Leuten ab, die du kaum kennst. Ich weiß zumindest heute, dass meine Sweater wohl noch im Scarlet liegt. Mein Kostüm kam eigentlich ganz gut an. Ich wurde auch von vielen Chinesen, meist im Auftrag ihrer Freundinnen, angequatscht und zum trinken aufgefordert. Nunja, die Jungs erzählten mir immer wie toll chinesische Pussies sind (ich behalte diese Ausdrucksweise bei, um die Authentizität nicht zu verringern) und stießen mit mir darauf an. Die Mädels schauten oft genervt drein und beteiligten sich so gar nicht daran. Trotz der kostenlosen Drinks stieg meine Laune nicht wirklich. Inzwischen war Chinh gegangen, die Belgierinnen verschwunden und Jolien wollte noch in der Castle-Bar vorbeischauen. Ich wollte eigentlich meinen Sweater organisieren und sie ging alleine. Und so endete der Abend, nicht wirklich angetrunken, frierend im Regen, hätte noch gefehlt, dass ich kein Geld mehr fürs Taxi übrig gehabt hätte.

Nach 4 Uhr kam ich im Wohnheim an. Als ich die Tür öffnete, sprang Chinh augenblicklich aus dem Bett, und setzte sich an den Laptop um zu surfen. Das muss mal einer verstehen? Ich ging zumindest ins Bett, ließ Chinh weiter rumsurfen und hab mal ausgeschlafen.

Mat am Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wer nach China reist, darf dem Glück nicht abgeneigt sein. Vor allem nicht dem Glücksspiel. Denn egal, was man hier machen möchte, es gehört eine gehörige Portion Glück dazu. So ist das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reine Glückssache. Wer benötigt schon einen Busfahrplan? Man geht einfach zur nächsten Bushaltestelle und fährt darauf los, sofern der angeschrieben Bus überhaupt kommt und nicht vielleicht Pause macht oder gar nicht mehr die Haltestelle anfährt. Wenn man sich verfahren hat, kann man ja immernoch kostengünstig mit dem Taxi dahin fahren, wo man hin möchte. Das nächste Mal geht man halt zu irgendeiner anderen Bushaltestelle und fährt mit einem anderen Bus. Ich habe bisher das Glück gehabt, immer jemanden dabei zu haben, der sich ein bisschen ausgekannt hat.

Glückssache ist es auch, wenn man die Straße überqueren möchte. Eiserne Regel ist: Das Auto hat immer Vorfahrt, dann kommen die Zweiradfahrer und danach die Fußgänger. Also lieber 5 mal umschauen, bevor mal losgeht, auch wenn man grün hat. Und am besten auf dem Weg auch nochmal schauen, dass man nicht von einem rechts‑ oder linksabbiegendem Taxi umgefahren wird, in dem sicherlich gerade jemand rumkutschiert wird, der sich auf das Busglücksspiel nicht einlassen wollte. Ich habe dereinst eine alte Frau gesehen, die quer über eine mehrspurige Kreuzung gegangen ist. Sie scheint das Glücksspiel wirklich zu lieben.

Man findet in jedem Nachtclub an den Stehtischen einen Würfelbecher mit Würfel. Jenga oder Wackelturm ist hier derzeit auch sehr beliebt. Das Würfelspiel, wie wir es zumindest gelernt haben, ist dem Mäxchen sehr ähnlich. Man schätzt nur reihum wieviel Würfel mit einer gewissen Augenzahl oben liegen. Dabei muss jeder entweder die Augenzahl erhöhen oder die Anzahl der geschätzten Würfel. Ich war da ganz schlecht drin, Jolien hingegen sehr gut. Wir haben hier auch so eine abgewandelte Version von dem Kartenspiel „Arschloch“, ich entschuldige mich nicht für den von mir wissentlich gebrauchten Kraftausdruck. Da war ich übrigens auch eher schlecht und ich beteuere natürlich, dass ich mit den Karten kein Glück hatte. Beim Bowling habe ich auch versagt, achso, natürlich kein Glück gehabt. Das Bowlingcenter hatte auch schon mal goldenere Zeiten gesehen. Die Pins sind regelmäßig schon beim Aufstellen umgefallen, und manchmal hat der Sensor nicht die richtige Anzahl an gefallenen Pins erkannt.

Auch das Essen in der Mensa erfordert Glück. Die Mensa besteht aus 2 Stockwerken. Oben kann man sich Sachen, wie in einem Schnellrestaurant bestellen, unten kann man sich an einer von vielen Schlangen anstellen und, an der Ausgabe angekommen, kann man sich eine oder mehrere Kellen voll von etwa 10 verschiedenen Gerichten aussuchen. Welche Gerichte dastehen, sind reiner Zufall, und wenn man sich ein Gericht vorher ausgesucht hat, dann kann es sein, dass es das nicht mehr gibt, wenn man vorne angekommen ist. Wenn man spät dran ist, werden einem auch die Sachen vor der Nase weggeräumt, wenn es sein muss. Also ein Glücksspiel, welches ich übrigens heute Mittag leider verloren habe. Die tollen Tofubällchen waren dann leider schon weg und weit und breit nicht mehr zu sehen, als ich dann dran war. Also entschied ich mich alternativ für eine Art Paprikagemüse. Was ich nicht gesehen habe, war, dass das nicht nur aus Paprika bestand, sondern auch aus gummiartigen Hähnchenstreifen, und der Geschmack war auch nicht so dolle.

Glück hingegen hatte ich vorletzten Samstag. Da bin ich mit Laowei zu einem Tempel gegangen und habe auf dem Weg ein paar Leute mit Kungfu-Kleidung und –Waffen gesehen. Letzten Samstag bin ich da nochmal hin und habe gefragt, ob ich da mitmachen kann. Es stellte sich heraus, dass die Leute jeden Tag, oder sollte ich sagen jeden Morgengrauen, dort trainieren. Es ist eine von den vielen Ansammlungen von Menschen, die zusammen irgendwas machen, wovon einer weiß, wie es geht, und die anderen machen das einfach nur nach. Das ist in China derzeit Trend. Überall auf öffentlichen Plätzen kann man Leute beobachten, wie sie tanzen oder Taichi machen. Das Tanzen vor Allem Abends auf unbeleuchteten Vorhöfen von riesen Banken oder Büros; Taichi meist im Morgengrauen in Parks oder parkähnlichen Anlagen. So kam ich dann Sonntag und Montag Morgen und machte mit, soweit es ging. Ich muss leider sagen, dass das Alles sehr autodidaktisch abläuft. Jeder macht seinen Kram, es wird wenig gemeinsam gemacht und hauptsächlich wird getratscht und sich gedehnt. Wie die sich verbiegen können ist schon unglaublich. Sonntags nach dem Training haben mich dann auch gleich 2 Leute mitgenommen und wir haben so einen lustigen Kungfu-Anzug gekauft für nur 100 Yuan, also 10 Euro. Montags bin ich dann gleich damit erschienen. Ich muss jetzt mal schauen, wie sich das so ergibt. Die morgentliche Uhrzeit widerspricht etwas meinem Rythmus. Ich habe immer um 8 : 15 Unterricht. Wenn ich unter der Woche also etwas machen will, dann muss ich vor 7 da sein, dass sich das überhaupt lohnt. Am Wochenende hingegen würde alles etwas später laufen, wobei ich dann aber auch um 8 da sein müsste. Alles nicht so optimal. Vielleicht habe ich ja Glück und die verlegen die ganze Sache auf den Abend. Anzeichen dafür gibt es leider nicht.

Aber wer weiß, was mir das Glück sonst noch so beschert? Ich habe mich zumindest schon dran gewöhnt, dass man hier mit Planen nicht sehr weit kommt.

Mat am Samstag, 24. Oktober 2009

Da ich im Moment zu faul bin, etwas über meine Sightseeing-Touren der letzten beiden Samstage zu berichten, schreibe ich lieber etwas, was wohl für jeden sehr wichtig ist, aber im Alltagsleben viel zu wenig Worte geschenkt werden. Es handelt sich um das Gebiet der Kleideraufbereitung, sprich Wäsche.

Ich habe mit meinen 30 Kilo Gepäcklimit doch sehr darauf achten müssen, dass ich von jeder Kleidungssorte genau die richtige Anzahl mitgenommen habe. Ich glaube ich habe das gut hinbekommen. Letzte Woche kam einer aus Las Vegas im Wohnheim an, sprach kein Wort Chinesisch und stand hilflos da, wie ein begossener Pudel. Der hatte sich mit seinen 4 Koffern darauf eingestellt, dass er nie im Leben mehr waschen muss, naja zumindest solange, wie er in China ist. Ich im Gegensatz mit meinem einzigen Koffer, muss das sehr wohl. Und da beginnt das Dilemma. Wir haben mehrere Waschmaschinen im Wohnheim, die alle mal zufällig funktionieren oder auch nicht. Wenn man eine findet die funktioniert, dann waschen die nur mit kaltem Wasser und es bleiben regelmäßig Waschpulverreste an der Kleidung hängen. Ich bin dazu übergegangen meine Wäsche mit der Hand zu waschen, weil ich da das heiße Wasser aus der Dusche nehmen kann.

Zum Trocknen muss man die Wäsche raushängen, drinnen wird sie nicht trocken. Ich habe schon Angst davor, wenn es im Winter nur regnet und schlechtes Wetter gibt. Außerdem wohne ich im 2. Stock. Meine Wäsche bekommt dann alles ab, was so von den oberen Wohnungen und vom Dach runterfällt. Einen Waschsalon oder geschweige denn einen Wäschetrockner gibt es leider auch nicht in der Nähe.

Ich muss mich wohl damit abfinden mit dreckiger, stinkender und feuchter Wäsche rumzulaufen. Die Devise lautet: Ich muss mich ja nicht selbst angucken (Das machen viele Chinesen auch nicht, so wie die rumlaufen), und man riecht das mit der Zeit auch nicht mehr.

Mat am Freitag, 9. Oktober 2009

Dies ist die Geschichte von 2 jungen Recken namens Matthias und Maik, die in der ehemaligen größten Stadt der Welt Hangzhou (杭州) ihr Glück finden wollten. Gerüchten zufolge soll Marco Polo selbst dort gewesen sein und sie als die schönste Stadt der Welt betitelt haben. Grund genug einmal eine Reise zu wagen, besonders wenn das Reich der Mitte in der jetzigen Form ihr 60jähriges Bestehen feiert. Und das dürfen natürlich alle Chinesen, mit „alle“ seien nur die Beamten und Büroangestellten bezeichnet, mit freien Tagen feiern, in denen man doch auch mal die schönsten Städte Chinas besuchen kann. Und so machten wir uns entgegen allen Warnungen auf den Weg, begleitet von Millionen von anderen Chinesen.

Freitags um 12 : 30 wollten wir die Fahrt antreten. Ich war nur am Abend vorher wieder mal im Scarlet, bin da auch ziemlich lang geblieben und dachte ich könne ja die Nacht durchmachen. Im letzten Beitrag sieht man die Resultate dieses vergeblichen Versuchs, betrunken und übermüdet einen guten Eintrag zu verfassen. Alles kämpfen und beschäftigen half nichts. Ich legte mich für knapp 2 Stunden aufs Ohr, um dann völlig übermüdet die Hotelreservierung auszudrucken und mit Sack und Pack zur U-Bahnstation zu laufen. Dort traf ich mich mit Maik, der glücklicherweise etwas zum Essen eingekauft hatte, und wir fuhren zum Bahnhof. In China funktioniert das an den Bahnhöfen so ähnlich wie an den Flughäfen. Man muss seine Fahrkarte am Eingang das Bahnhofs vorzeigen und bekommt sein Gepäck kontrolliert. Danach setzt man sich in eine Wartehalle mit verschiedenen „Gates“ und wartet auf das „Boarding“. Wenn das Gate geöffnet wird geht man zum Bahnsteig, an dem der Zug fährt und meist schon bereitsteht, wobei wieder die Karte kontrolliert wird. Im Zug wird dann gegebenenfalls das Ticket nochmals kontrolliert. Wenn der Zug ankommt und man aussteigt, muss man zum Ausgang gehen, der meist nicht mit dem Eingang übereinstimmt. Dort wird dann wieder das Ticket kontrolliert und man hat in der Regel eine Zone mit wartenden Taxis. Was die Kontrolle der Karten angeht, wird nur wirklich im Zug kontrolliert. Alle anderen Kontrollen sind aufgrund der Menschenmassen eher flüchtig. Die großen Bahnhöfe haben meist mehrere Stockwerke, wobei oben oft der Eingang ist und unten der Ausgang. Dies spiegelt den chinesischen Kontrollzwang wieder und resultiert darin, dass man mindestens auch 20 Minuten bevor der Zug losfährt am Bahnhof sein muss. Wir hatten genug Zeit und saßen in der Wartehalle, wo ich von Maik ein Brötchen mit Bohnenpaste aß. Das erinnerte mich vom Geschmack sehr stark an eine Marzipanschnecke, also überraschenderweise gut. Wir fuhren mit einem Expresszug, dessen Route über Shanghai verlief, was die Strecke etwa verdoppelt. Der Zug war Top. Er war ziemlich neu und gut klimatisiert. Also zu gut klimatisiert für meinen Geschmack. Ich versuchte mich vor dem Erfrieren zu retten, indem ich mir einen Pulli anzog, den ich glücklicherweise mitgenommen habe. Maik hat mich deshalb aber das ganze Wochenende aufgezogen. Dafür wurde er aber von kleinen chinesischen Kindern, die hinter uns saßen, ständig in die Seite gezwickt. Mit den Ausländern kann mans ja machen.

In Hangzhou angekommen, nahmen wir dann ein Taxi und ließen uns zum Hotel fahren. An diesem Punkt muss ich mich mal schnell über HRS in Köln aufregen. Über deren Service habe ich ein Hotel buchen wollen. Für das erste, welches wir uns ausgesucht haben, kam einen Tag später eine eMail, dass das Hotel kein Partner mehr von HRS sei, aber dennoch im Angebot von ihnen vorhanden war. Also buchten wir ein anderes, dessen Adresse nur auf Englisch verfügbar war. HRS gab den Ort des Hotels auf der Karte mit Innenstadt von Hangzhou an. Ich dachte: „Super!“ Die Realität war aber nicht „Super!“. Der Taxifahrer konnte mit der Adresse nichts anfangen, sodass er im Hotel anrief um die Adresse zu bekommen. Und dann fuhr der Taxifahrer, und fuhr, und fuhr, und fuhr. Das Hotel lag irgendwo außerhalb in einem Neubaustadtteil. Die Reservierung war auch nicht getätigt worden. Wir bekamen dennoch ein Zimmer und freuten uns über sehr viel Luxus am Arsch der Welt für nur 15 € pro Nacht.

Und so machten wir uns auf, um die Lebensqualität im Hangzhouer Exil zu erfahren. Es war eigentlich echt schön aufgemacht. Alle Bäume waren irgendwie beleuchtet, alles war noch bunter und es war auch alles recht schick angelegt.

Im Gegensatz zu anderen Neubaugebieten, hatten sie hier wenigstens eine Einkaufsstraße mit einer großen Einkaufshalle. Erstaunlicherweise waren sehr viele junge Leute unterwegs und ich wunderte mich, warum bei den Menschenmassen so wenig alte Leute vorhanden waren. Irgendwann fanden wir dann auch mal ein Restaurant, in dem es sehr gutes Essen gab.

Am nächsten Morgen suchten wir einen Bus, der uns in die Stadt bringen sollte. Maik war bei der Taxifahrt aufgefallen, dass wir eine Buslinie (B1) immer wieder überholt hatten. Und so suchten wir eine Haltestelle für diese ominösen B1-Busse, indem wir den vorbeifahrenden Bussen folgten. Wir fanden dann eine Bushaltestelle, die komplett umgittert war und an deren Eingang es ein Drehkreuz gab. Ein Männlein in einem kleinen Kabuff passte auf, dass man auch fleißig die 3 Yuan bezahlte, bevor man durchging. Das ist also die Lösung, wenn eine Stadt keine UBahn hat. Leider hatten wir keinen Sitzplatz, während wir die 45 Minuten in die Stadt fuhren. Dafür konnten wir uns über das Busfernsehen erfreuen, in dem Verkehrsunfälle zwischen 2-Radfahrern und 4-Radfahrern gezeigt wurden, natürlich zur Abschreckung. Da wurden noch und nöcher Rollerfahrer von Autos angefahren und ich musste jedesmal sagen, dass die Schuld eindeutig bei den Rollerfahrern lag. Man muss schon etwas lebensmüde sein, wenn man versucht quer über eine Kreuzung zu kommen, obwohl man eigentlich rot hat. Für Deutsche ist das schwer vorstellbar, aber in China kümmern sich nur die Wenigsten um die Ampelfarbe, vor allem nicht die Radfahrer.

Wir stiegen dann irgendwo in der Innenstadt aus und wollten zum Bahnhof gehen. Auf dem Weg wollten wir auch was mampfen. Nur fanden wir weit und breit kein Etablissement, abgesehen von Mc Donalds, KFC und Burger King, und waren schon völligst verzweifelt und ausgehungert, ich zumindest, bis wir eine Fußgängerzone fanden. Dort gabs auch eine kleine Bude mit mäßig gutem Essen. Etwas weiter südlich füllte sich die Fußgängerzone mehr und mehr, bis man sich nurnoch durchquetschen konnte. Zufälligerweise sind wir also zur Altstadt-Fußgängerzone gekommen.

Und dann standen wir an diesem Kanal. Wir hatten keine Orientierung mehr, es war schon Nachmittag und wir mussten immernoch zum Bahnhof um Rückfahrtickets nach Nanjing zu besorgen. So nahmen wir ein Taxi, das um 2 Ecken fuhr und uns am Bahnhof rausließ. Das hatte sich ja fast nicht gelohnt, aber der Taxifahrer freute sich, da man für die ersten 3 Kilometer pauschal 10 Yuan bezahlt. Am Fahrkartenschalter war die Hölle los, und die letzten 5 Leute vor uns wurden abgespeist, dass es keine Karten mehr gibt. Nach Nanjing gabs zum Glück noch Zugtickets. Diese waren weniger als halb so teuer, wie die Hinfahrttickets. Dafür waren diese auch nicht für einen Expresszug. Nun malten wir uns die schlimmsten Szenarien aus, aber kein Verdruss, die Hauptattraktion von Hangzhou wartete noch auf uns: Der West-See (西湖 Xī-Hú). Dorthin zu kommen ist recht einfach: Man muss einfach nur nach Westen gehen. Es gibt zudem auch keinen Ost‑, Nord‑ oder Südsee, an den man fälschlicherweise geraten könnte. Nur hatten wir keine Ahnung wo der Westen liegt und wir stiegen in einen Bus, der eine Station anfuhr, die übersetzt West-See-Straße hieß. Wir stiegen dummerweise eine Station zu früh aus, weil das auch nicht ganz so einfach ist die Stationen zu zählen und man das Stationenansageband sowieso nicht versteht. Wir freuten uns, dass wir wieder in der Fußgängerzone von vorher standen. Nun aber kauft Maik eine Stadtkarte von Hangzhou und fluchs waren wir am Xī-Hú 西湖. Es war auch gar nicht so viel los:

Wir kauften uns für schlappe 45 Yuan Fährtickets um auf eine Insel im See zu fahren.

Die Insel mit dem hübschen Namen „3 Seen spiegeln den Mond“ (sān tán yìn yuè 三潭印月) besteht aus einem Außenring, einem See in der Mitte und darin wieder ein Inselchen mit einem Pavillon. Zu dem Pavillon führten mehrere Brücken. Also eigentlich ganz idyllisch, wären da nicht so viele Besucher gewesen. Die Krönung waren jedoch die Ramschverkäufer, die kleine Pfeifen verkauften, mit denen man Vogelzwitschern simulieren konnte. Natürlich hatte jedes chinesische Kind eine solche Pfeife gekauft bekommen. Aber nicht nur jedes chinesische Kind, sondern auch jedes zweite chinesische Jungpärchen hatte eine solche. Nun kann man sich vorstellen, dass die Pfeifen auch verwendet wurden; Besonders gerne, wenn man daneben stand. Und so wurde die Insel durch den Donnergroll der Plastikpfeifen in den Vorhof der Hölle verwandelt. Merke: Oropax mitnehmen!

An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass wir Westler für die Chinesen eine größere Attraktion darstellten als der West-See. Wir stehlen allem die Schau, einfach durch unsere Anwesenheit. Da wurde überall schnell die Handykamera gezückt und ganz unauffällig ein Foto gemacht. Manchmal wurde man sogar gefragt, ob man ein Foto von uns machen könne. Dieser besonders nette junge Mann, war auch einfach damit zufrieden, dass er auf einem Foto mit uns drauf ist, ohne es selbst zu besitzen. Ich habe auch kurz damit geliebäugelt diesen Blogeintrag „Superstars in Hangzhou“ zu taufen. Ist aber blöd, daher habe ich das gelassen. Ich bin halt noch auf dem Boden geblieben und muss euch, den Lesern, nicht auf die Nase binden, wie toll wir und vor Allem ich bin. ;-) Wenn man also einmal den Duft: „B-Prominenz in der Kölner Innenstadt“ schnüffeln möchte, dann muss man nur zu den chinesichen Feiertagen nach Hangzhou fahren.

Wir verließen auch bald die Insel und fuhren mit Fähre zum Damm, der einen kleinen Teil im Westen des Sees vom See abtrennte. Besonders schön fand ich, dass die Fähren mit „Pleasure Boats“ ins Englische übersetzt wurden.

Und so begingen wir den Damm, und sahen wie schwimmende Scheinwerfer geschleppt wurden. Die Westseite des Sees war tatsählich idyllisch, weil hier keine „Pleasure Boats“ rumfuhren.

Der Eintritt zu einer ganz bekannten Pagode kostete 40 Yuan. Das fanden wir etwas teuer. Dafür führte aber auch eine Rolltreppe zur Pagode hoch, dass man ja nicht den Berg besteigen musste. Trotzdem entschieden wir uns dagegen und wanderten an der Pagode vorbei.

Im Dunkeln ist die Seepromenade noch schöner. Alles ist schön beleuchtet und das Wetter war auch toll zum Laufen. Etwa da, wo wir Mittags am See angekommen sind, wurden abends Lampignons verkauft, die man anzünden und aufsteigen lassen kann. Das sah sehr schön aus. In Deutschland wurden diese ziemlich schnell verboten, nachdem an Silvester mehrere Dachstühle in Brand gesetzt wurden.

Wir suchten noch etwas um Abend zu essen und entschieden uns kurzerhand für das goldene M, weil das leichter zu finden ist, als etwas Chinesisches. So gegen halb 9 fuhren wir dann zurück zu unserem Hotel. Zumindest war das unser Plan. Da machte uns aber die Buslinie einen Strich durch die Rechnung. Denn auf dem Rückweg bog die Linie eine Haltestelle vor der, an der wir Mittags eingestiegen waren, ab und fuhr 2 Blocks parallel die Straße entlang, in der wir unser Hotel hatten. Ganz optimistisch wollten wir nach der Endhaltestelle wieder zurückfahren und dort aussteigen, wo wir uns auskannten. Leider schmiss der Busfahrer alle an der Endhaltestelle raus und der Bus endete ohne Rückfahrt. Es folgte eine einstündige Wanderung zu unserem Hotel. Es war aber sehr interessant, denn dieses Neubaugebiet besteht zu 90 % aus Schulen und den zugehörigen Studentenwohnheimen. Es standen da ganze Parks an 15-stöckigen Hochhäusern gespickt mit 8m² Appartements, in denen man Stockbetten sehen konnte. Es war alles niegel-nagel-neu, aber auch sehr erschreckend. Eine Studentenfabrik, in der Samstag Abend nach 11 kein einziger Laden mehr aufhat. Die Busse in und aus der Innenstadt fahren auch nicht länger als 10 Uhr. Wir kamen auch an einer Straße vorbei, die aussah, als hätte man vor längerer Zeit einfach aufgehört zu bauen. Die Häuser sind alle fertig, nur die Straße ist nicht geteert und die Promenade nur zur Hälfte gepflastert, wobei ein Großteil der rumliegenden Pflastersteine zerbrochen waren.

Am nächsten Morgen versuchten wir zum Bahnhof zu kommen und nahmen dafür wieder die B1. Dem Busfahrplan, der natürlich nur innerhalb der Bushaltestelle einsehbar war, zu urteilen, gab es eine Expresslinie, die am Bahnhof vorbeifuhr. Es stellte sich nur heraus, dass die Line in der Nähe des Bahnhofs Haltestellen hatte, aber nicht daran vorbeifuhr. Knappe 15 Minuten Fußweg erwartete uns noch, bis wir dann am Bahnhof ankamen. Unser Zug war etwas älter, die Sitze etwas unbequemer und alles in allem etwas kleiner. Zum Glück hatten wir noch einen Sitzplatz, denn in China werden auch Stehplätze im Zug verkauft. Wir bereiteten uns auf schreckliche 12 oder mehr Stunden Zugfahrt vor. Wir hatten auch weder was gefrühstückt noch etwas zum Essen dabei. So kaufte ich mir irgendwann nach 6 Stunden ein überteuertes, nicht schmeckendes Mikrowellengericht und eine halbe Stunde später kamen wir ganz überraschend in Nanjing an. Ich stand zwischen Wehmut und Freude, denn einerseits war ich glücklich, dass die Zugfahrt um war, andererseits hat sich das teure Essen gar nicht gelohnt.