Mat am Montag, 26. Juli 2010

Da ich nun etwas Zeit habe, solange ich auf mein Visum für Vietnam warte, dachte ich, ich könnte doch kurz mal nen Statusbericht abgeben. Ich bin gestern Morgen gut am Nanninger Bahnhof angekommen, hab mich vollregnen lassen und bin in das Nanning-City-Hostel eingezogen. Ein Amerikaner hat in einer richtig schönen Apartment-Siedlung eine 3-stöckige Wohnung gekauft oder angemietet und betreibt darin sein Hostel. Nanning ist eine schöne Stadt und im Vergleich zu vielen anderen Städten Chinas wird hier im Straßenverkehr so gut wie nie gehupt. Ich bin ganz überrascht über die Stille.

Der Hostelbesitzer hat mich auch gleich mit einem Deutschen, namens Martin, hier bekannt gemacht, der mit 40 Jahren seine Sachen gepackt hat um hier in China zu leben. Er ist drauf und dran eine Metzgerei zu eröffnen. Leider kann er kein Chinesisch und auch recht wenig Englisch, was die Sache etwas schwieriger macht. Er hat mich gestern ein bisschen durch die Stadt geführt und prompt hatte ich nen Sonnenbrand, obwohl die Sonne den ganzen Tag durch Wolken verdeckt war. Abends waren wir mit seinen chinesischen Freunden beim Karaoke. Fast jedes englische Lied war dort falsch geschrieben in der Datenbank. Gefunden hab ich dennoch einiges.

Morgen muss ich mir wirklich auch noch was anschauen hier. Es gibt zumindest 2 Parks im Stadtgebiet, die alle nicht so schlecht sein sollen. Außerdem gibt es noch einen künstlichen See, auf dem es Abends immer eine Lichtershow zu sehen ist. Jetzt wo ich die Lichtershow in Hongkong verpasst habe, kann ich das ja hier wieder gut machen.

Mat am Donnerstag, 22. Juli 2010

Um die Sache nicht ganz so kompliziert und langweilig zu machen, halte ich mich nicht an die Chronologie unseres (Maik und Ich) Hongkongaufenthaltes und berichte einfach über den Trip nach Macau:

Hier:

Größere Kartenansicht
kann man eine Fähre nach Macau nehmen, die erschreckenderweise doch nicht ganz so billig ist. So starteten wir unseren Tagesausflug nach Macau mit einem windschnittigem Boot, das so durch die braune, stürmische See raste. Vor uns wurde munter gebrochen und auch mir wurde ein bisschen flau im Magen. Dennoch kamen wir ohne Zwischenfälle an und konnten uns über einen relativ angenehmen Tag freuen.

Das tolle an Macau ist, dass man um alles wichtige zu sehen wirklich nur einen Tag braucht. Im Gegensatz zu Hongkong, das den Spagat zwischen superschick und supergammlig macht, hat Macau eher den Anschein einer postapokalyptischer mediterranen Zombiestadt, ohne Zombies, brennenden Autos und Raketenwerfern. So als wäre es hier mal schön gewesen, bevor man alles vergammeln lassen hat. Auf den Fotos sieht man das leider nicht, da ich nur die schönen Teile der Stadt fotografiert habe. Aber so im allgemeinen war Macau doch eher trostlos.

Wir sind einmal um die ganze Insel gelaufen und haben uns die einzige richtige Sehenswürdigkeit angesehen, wo man vor lauter Menschen gar nicht mehr durchgekommen ist. Dazu haben wir uns noch eine Kirche und einen Tempel angeschaut und nach einem Café gesucht. Wir haben es versäumt einmal ins Casino zu gehen, weil unser Rückticket nach Hongkong noch am selben Abend ging. Im Endeffekt geht man eigentlich auch nur nach Macau um ins Casino zu gehen. Wir sind schon etwas lame, aber dafür haben wir wirklich kulturell ausgeschöpft, was diese Insel zu bieten hat. Und nun betrachtet die Bilder :-)

H-förmiges Hochhaus in Hongkong Casinos in Macau Ich war da Bild mit Maik Eine ganz lange Brücke Mit Kameras abgesichertes Trinkwasserreservoir
                               etwa 10m² Grünfläche
                               Das ist auch so etwas wie Innenstadt
Maik vor dem Einwohnermeldeamt
Ein bisschen steil Eine Burg                                Das Lissabon-Casino
                                                              Wasserspiegelung Das Markenzeichen von Macau Leider ist nurnoch die Fassade übrig
                                                                                             Räucherstäbchen-spiralen teilweise 50cm Durchmesser Ein Blick auf den nördlichen Teil der Insel
                                                              Photoshooting vor der Kirche
                                                              gute Aussichten

Mat am Montag, 19. Juli 2010

Ich sollte heute eigentlich nach Chengdu in Sichuan fahren. Verena, die Projektleiterin des Goethe-Sprachzentrums hat mir durch Guanxi (关系) zu Neudeutsch „Connections“ eine Unterkunft dort besorgt und mir ganz viele Reiseoptionen vorgelegt und erläutert. Es wär echt schön geworden, denke ich. Ich wäre dann von Chengdu Richtung Himalaya gefahren und wär dann ein bisschen durch die Pampa gezogen, während meine ganzen Sachen, die sicher um die 30 Kilo wiegen, bei Verenas Freund in Chengdu geblieben wären.

Also das war zumindest der Plan. Nur leider geht das nicht immer auf, denn die Natur hat in vielen Teilen Chinas immernoch noch die Oberhand und so ist leider wegen Hochwassers der Zug ausgefallen. Leider erfährt man sowas erst im Bahnhof, wenn man auf den Bahnsteig gehen will. Und so habe ich etwa ne Stunde verbracht um rauszufinden, was eigentlich los ist, und das Ticket wieder zurückzugeben. Es gab teilweise richtige Tumulte an den Ticketschaltern im Bahnhof, weil sich die Leute beschwerten und man sich ewig anstellen musste um endlich mal an der Reihe zu sein, wobei das manche Chinesen umgehen wollten und dann von ihren Landesgenossen zurechtgestutzt wurden. Die Ticketsituation ist derzeit auch recht heikel. Ich musste auch schon die Reise nach Qingdao abbrechen, weil innerhalb der kommenden von 5 Tagen keine Tickets mehr da waren. Und so ist das hier und heute auch. Für die nächsten 3 Tage gibt es keine (Schlafwagen‑)Tickets mehr nach Chengdu oder Nanning und auf über 30 Stunden sitzen hatte ich keine Lust. Wenn man schon ein „alter Ausländer“ (老外, Laowai) ist, dann muss man sich doch ein wenig Luxus gönnen.

Das Ende vom Lied ist nun, dass ich am 23.7. von Nanjing direkt nach Nanning fahre um dort die Formalitäten für Vietnam zu erledigen und dann nach Vietnam zu reisen. Ich hoffe nur, dass die Züge dorthin nicht auch gecancelt werden, sonst muss ich mir nen 170 € Flug dorthin kaufen.

Irgendwie bin ich auch froh nicht zu fahren. In den letzten Tagen wars in Nanjing doch auch recht schön, und sofern man illegal mit nem Roller des ägyptischen Klassenkameraden, namens Islam, fahren kann, kann man auch mal schnell auf den 紫金山 (Zijinshan, Purple Mountain) oder zum 夫子庙 (Fuzimiao, Konfuziusmarkt) fahren und die Sommerabende verbringen. Außerdem kann ich mir jetzt überlegen, ob ich nicht doch noch ein Paket mit Sachen nach Hause schicke. Denn Übergewicht im Flugzeug ist doch recht teuer. Da zahle ich lieber 30 € Porto, als 300 € zuviel Gepäck. Alles hat seine guten Seiten, und solange man nicht in die hypothetischen Alternativdimensionen spicken kann, soll man über entgangene Gelegenheiten nicht traurig sein.

In diesem Sinne,
noch weitere schöne Sommerabende
Matthias

Mat am Mittwoch, 14. Juli 2010

Ich habe lange nicht von mir hören lassen. Nun gibt es aber doch mal nen kurzen Statusbericht abzugeben, denn das Ende naht.

Viele Klassenkameraden sind mittlerweile schon nach Hause zurückgekehrt und ich bin einer der wenigen die hiergeblieben sind. Sowohl Flo, Jolien, als auch mein Mitbewohner sind letzte Woche gegangen. Nun hab ich mich auch schon aufgerafft und meine Abreise geplant. Die Pläne nach Qingdao (青岛) zu fahren sind leider geplatzt, weil es bis zum 22. keine Plätze im Zug mehr gab. Heute habe ich dann ganz einfach ein Ticket nach Chengdu (成都) in Sichuan (四川) für den 19. gekauft. Ich werde dann am 20. in Chengdu ankommen und mir Pandas und Urwald und so anschauen, bevor ich dann um den 25. rum nach Nanning (南宁) fahre. In Nanning kann man ganz easy ein Visum für Vietnam am dortigen Konsulat beantragen und dann per Bus nach Hanoi (河内) fahren. Dort treff ich mich dann mit meinem Mitbewohner Chinh und er führt mich ein bisschen durch Vietnam. Am 13.8. fliege ich dann zurück nach Deutschland und komme um 22 : 55 in Frankfurt an.

Ich habe gestern auch schon Besorgungen gemacht und Geschenke gekauft, aber mein Koffer ist jetzt schon so voll. Ich komme, glaub ich mit mindestens doppelt sovielen T-Shirts zuhause an. Also wer noch etwas haben möchte, melde sich bei mir schnellstmöglich. Das dumme ist nur, dass ich jetzt mit nem riesen Koffer durch die Gegend reise und eine Wage hab ich auch nicht. Ich werde sicher die 20 Kilo überschreiten. Ich werde hier auch Abschied von meiner orangenen Jacke nehmen, die mich über Jahre stets begleitet hat. Heute oder Morgen möchte ich auch noch ein Paket mit Büchern nach Hause schicken. Da muss man zuschlagen, wenn das hier so billig ist.

Ich habe auch noch unendlich viele Bilder, die ich hier noch nicht online gestellt habe. Wann das passiert, weiß ich nicht. Vielleicht kommt auch nur ein Best Of. Mal sehn.

Ich habe das Lied von Madsen:“Schön, dass du wieder da bist!“ geschickt bekommen. Ganz soweit ist es ja noch nicht, aber dennoch: „Ich freu mich auf Zuhause!“

Bis dann Matrosen

Raimar am Montag, 21. Juni 2010

Hier bloggt bald der Sven … :-)

Mat am Dienstag, 1. Juni 2010

… ist ganz schön Scheiße gar nicht zu empfehlen. 80 % der Läden sind geschlossen, die Hotels sind alle ausgebucht und obendrein doppelt so teuer als normal. Aber fangen wir lieber von vorne an.

Was manch einer vielleicht nicht weiß ist, dass man, um nach Hongkong zu kommen, aus der VR-China ausreisen muss. Gleiches gilt auch für Macao und sowieso für Taiwan. Und so traf ich mich mit Maik in Shenzhen (深圳) um nach Hongkong einzureisen und vorher noch Zugtickets nach Nanjing zu ergattern. Es gab nur akzeptable für einen Tag nach unserem Wunschdatum, aber man hat keine Wahl, wenn ganz China die kreuz und quer verstreute Verwandtschaft besucht.

Vom Shenzhener Hauptbahnhof kann man zu Fuß zum Grenzübergang laufen, von dem dann die U-Bahn ins Hongkonger Stadtzentrum fährt. Das erste, was einem dann auffällt ist, dass die U-Bahn plötzlich 10 mal so teuer ist als in der VR. Das lässt sich auch leicht umrechnen, da der HKDollar etwa genauso viel Wert ist wie der Yuan. Das sind schon fast deutsche Preise. Wir fuhren nach tsim sha tsui ins Stadtzentrum, wo die Chungking-mansion zu finden ist. Das war wohl früher einmal ein schickes Hotel, heute ist es ein sehr heruntergekommenes vielstöckiges Hochhaus, bzw ein Hochhauskomplex, verwinkelt und von allerlei Völkern besiedelt, außer von Chinesen. In den ersten beiden Stockwerken ist es eine Shoppingmall mit vielen kleinen Buden, die Hauptsächlich Essen, Elektronikartikel oder Kleidung verkaufen oder Geldtauschbuden. Inhaber dieser Buden sind Schätzungsweise 90 % Inder und Pakistaner. In den oberen Stockwerken gibt es dann fast nurnoch Hostels. Unser Wunschhostel war leider schon belegt und so sind wir über Unwege und Vermittlung in ein ziemliches heruntergekommenes Hostel in Block B, 4. Stock Chungking-Mansion gekommen. Das Zimmer war winzig (aber das scheint im ganzen Haus so zu sein) und hat gestunken, was wohl hauptsächlich von den Bettdecken kam. Die Dusche war ab dem 2. Tag auch ohne heißes Wasser und die Aussicht war auch nicht so berrauschend, obwohl es schlimmer hätte kommen können. Zumindest hatten wir eine Unterkunft und es war nur im 4. Stock. Mit dem 4. Stock hat mehrere Vorteile:

  1. Da jeder Block nur 2 Fahrstühle hat (1 für die geraden und 1 für die ungeraden Stockwerke) kann man zu Fuß die Treppen steigen und muss sich nicht anstellen um mit dem Aufzug zu fahren, in den sowieso höchstens 4 Personen passen.
  2. Falls ein Brand ausbricht ist man schnell draußen und in Sicherheit, denn den allgemeinen Brandbestimmungen folgt dieses Haus schon lange nicht mehr.

Und so verließen wir die Chungking-Mansion (3 Treppen runter, um 5 Ecken rum, an den Drogenabhängigen im Treppenhaus vorbei) und schauten uns um. Es ist unglaublich wie wenig die Chungking-Mansion in das Stadtbild zumindest im Stadtzentrum passt. Da ist alles schick, auf Hochglanz poliert, man steht für Louis Vuitton an, niemand spuckt, pinkelt oder schmeißt Müll auf die Straße. Man hält sich an die Verkehrsregeln, es wird nicht gehupt, trotz Linksverkehr, es gibt Hundetoiletten und eine Art Walk-of-Fame. Das alles ist ganz und gar nicht China!

Hundeklo Blick nach Hongkong-island Blick nach Hongkong-island                                Es war Tag, nur so nebenbei
                               Blick nach oben                                   
Mat am Mittwoch, 19. Mai 2010

Am darauffolgenden Tag fuhr ich mit einer Reisegruppe nach Longji. Dort gibt es eine chinesische Minderheit und eine schöne Reisterrassenlandschaft. Zuerst besuchten wir das Minderheitendorf, in dem die Frauen extrem lange Haare tragen, die sie je nach Familienstand anders zusammenwickeln. Der Eintritt zu dem Dorf kostete 60元, der nicht bei der Fahrt mit inbegriffen war. Dafür gab es aber noch eine kleine Show mit Tänzen und Kostproben von ihren speziellen Gerichten, die eher 马马虎虎 (māmāhǔhǔ = [PferdPferdTigerTiger] solala) waren.

                               geräuchertes Allerlei
                                                                                                                            man achte auf die Haare
                                      

Zum Abschluss wurde man noch von Ihnen verabschiedet und man bekam als mann einen besonderen Brauch zu spüren, denn dort zwickt die Frau einem Mann in den Popo, wenn sie ihn attraktiv findet … und das tut ganz schön weh. Nach dem Spießrutenlauf ging es wieder zurück zum Bus, wo einen Andenkensverkäuferinnen den ganzen Weg verfolgten. Wenn ich jedem, der mich auf meiner Reise angesprochen hat, einen Fächer abgekauft hätte, könnte ich nun meinerseits nen Fächerladen aufmachen. Daraufhin stiegen wir nochmal in den Bus, der uns ein Stückchen weiter den Berg hinauf fuhr. Von dort mussten wir den Rest des Weges bis zur Spitze laufen, von wo man einen wundervollen Blick auf die Reisterrassen hatte.

Auf halbem Weg hinauf kam man an einer Siedlung vorbei, wo wir unser Mittagessen einnehmen konnten. Das Essen war leider nur teuer und hat nicht gut geschmeckt.

Die Fahrt war ganz schön, wenn man sie mit der nach Yangshuo vergleicht. Man hatte zeit für sich und wurde nicht die ganze Zeit umhergejagt und von Fächerverkäufern verfolgt. Leider lohnt sich der Anblick im Winter, bzw. 1 Tag vor Frühlingsanfang wirklich nicht.

Die folgenden Bilder sind vom chinesichen Frühlingsfest, das hier wie Weihnachten und Neujahr zusammen ist. Es war für mich eine Ehre von Laoweis Familie dazu eingeladen worden zu sein. Ich hatte nur in dem ganzen Geldmangel und Reisestress total vergessen irgendetwas mitzubringen. Ich wusste auch gar nicht, was ich adäquates hätte mitbringen sollen und Laowei hatte mir dementsprechend auch nichts gesagt. Das ich wohl dementsprechend etwas unhöflich war, ließ mich Laoweis Cousine mit gezielten Fragen spüren: „Wie ist das in Deutschland? Wenn man irgendwo eingeladen wird, bringt man da eigentlich was mit? Also in China macht man das schon.“ Solche Fragen kamen immer wieder. Im Nachhinein bin ich einfach nur der Meinung, dass sie mich nicht leiden konnte, warum auch immer. Nichtsdestotrotz war ich mit fast der ganzen Familie am Abend vor dem Fest im Restaurant essen, wo mir Laoweis Tante, die Frau seines ältesten Onkels, immer wieder neue Sachen auf den Teller packte, sodass ich irgendwann einfach aufgab, das zu essen, was sie mir hinlegte.

                                      

Am Tag des Frühlingsfestes wird in der Regel im Familienkreis gesessen und Jiaozi gemacht. Ich habe da auch mitgeholfen und unter starker Beobachtung der anwesenden Jiaozi-Spezialisten habe ich auch ein paar Maultaschen gefüllt, die dann aich kontrolliert wurden, ob die Teigtaschen auch wirklich feste zu sind. Zumindest konnte man dann nach dem Kochen auch noch erkennen, welche von denen ich gefüllt hatte. Wenn man seine eigenen Jiaozi wiederfindet und isst, soll das besonders viel Glück bringen. Danach spielte ich noch mit der zickigen Cousine, ihrer Mutter und Laowei Mahjong und verlor natürlich. Dabei fragte mich auch die Cousine, ob ich am mich Tag vorher nach dem Restaurant noch erbrochen hätte, weil ich so viel gegessen hätte. In diesem Moment fragte ich mich, wer von uns beiden nicht höflich und unverschämt ist. Die Antwort war natürlich nicht, auch wenn ich an diesem Morgen kein Frühstück gebraucht habe, weil ich noch satt war.

Nach dem Jiaozi-Essen konnte ich der Tochter von Laoweis ältester Cousine doch noch beweisen, dass man vor Ausländern keine Angst haben muss. Sie hatte vor lauter Angst vor dem rothaarigen Fremden gar nicht mit uns gemeinsam essen wollen, sodass die kleine Familie als quasi Aussätzige in einem anderen Raum gegessen haben. Nun zumindest spielten wir eine sehr einfache Version von Monopoly, bei der wir uns gegenseitig die Geldscheine bündelweise in die Hand gaben. Aber ach jeder Spaß hat mal ein Ende und so ging ich dann zum Zug, der über Nacht nach Shenzhen fuhr, wo man hinfahren muss, wenn man nach Hongkong einreisen möchte.

Mat am Mittwoch, 19. Mai 2010

Man stelle sich vor es sei der 11. Februar, es sei mindestens 10 Grad kälter als am Vortag und man spürt es etwas im Hals kratzen. Zudem sei man immernoch in Guilin und habe an diesem Tag ausgemacht in ein altertümliches Dorf zu fahren.

So hat mich Laowei abgeholt und wir wollten mit nem Überlandbus nach Daxu fahren, ein kleines Dorf, das dafür bekannt ist noch mittelalterliche Häuser zu haben, in denen immernoch Leute wohnen. Und so fuhren wir zur Busstation und stiegen in den Bus. Es schien noch mehr Leute zu geben, die das Dorf sehen wollten, nur war ich der einzige Ausländer. Laowei erzählte mir, dass er dort vor ein paar Tagen selbst war um es ein bisschen auszuchecken, dass er mich nicht zu einem Ort führt, der möglicherweise nicht 好玩儿 (hǎowánr = spaßig) ist. So kannte er auch den Preis für die Busfahrt, die an diesem Tag auf einmal doppelt so teuer war. Wir bezahlten eifrig, doch in Laoweis Seele brodelte es. Auf dem Weg nach Daxu gab es immer mal wieder die Situation, dass der Bus keine weiteren Leute nach Daxu mitnehmen wollte, obwohl Platz genug war. Spätestens jetzt war klar, dass der Geldeinsammler uns alle belurt hatte. Als wir dann fast angekommen waren, revoltierte Laowei und begann mit dem Kassierer zu diskutieren, woraufhin der eine oder andere aus dem Bus auch miteinstimmte. Zu guter letzt sollte ich abgesprochenerweise so tun, als würde ich ein Video machen, bis dann der Mann klein bei gab und uns das zuviel abgeknöpfte Geld zurückgab. Also 5元 kostet der Bus von Guilin nach Daxu, und ich habe mal schnell auf die Persönlichkeitsrechte geschissen und auch wirklich ein Video davon gedreht, das gibts hier zu sehen:

In Daxu war es sehr kalt, aber nachdem man um ein paar Ecken und von den neuen Häusern weggegangen war, kam man zu den alten Häusern. Das war wirklich interessant. Noch interessanter war der ganze Müll, den man in den Vorgärten der neueren Häuser und im Fluss schwimmen sah. Vor allem das kleine stinkende gelbe milchige Bächlein, dass irgendwo zwischen den Häusern hervortrat und im Dorfbach mündete, wo man nicht weit weg jemanden die Wäsche waschen sah. Da fragt man sich immer wieder, wie ein Staat/eine Provinz es sich leisten kann eine Shoppingmall nach der anderen zu bauen, aber den Leuten in den Dörfern kein Abwassersystem und keine Abfallentsorgung zu stellen? Und selbst wenn es keine Abfallentsorgung gibt, wie kann man es schön finden seinen Müll in den eigenen Vorgarten zu werfen? Abgesehen von diesem Müll und Dreck Problem, was mir immer mehr auf den Geist geht, war das Dorf echt sehenswert. Man kann in den alten Häusern meist Sammlerwaren und Antiquitäten kaufen und ein paar chinesische Medizinläden gibt es auch:

lustige Flaschen getrocknete Schildkröte Medizinladen Angriff der Tigerpranke Tausendfüssler, hmm
                                                                                                

Auf dem Rückweg war es eine Frau, die das Geld im Bus eingesammelt hat. Die wollte von Anfang an nur 5元. Am Nachmittag plante Laowei in einen anderen Park zu gehen, doch ich hatte erst einmal genug Parks gesehen. Zudem war es kalt und ich fühlte mich nicht so wohl. Also spielten wir bei Laoweis Oma Karten und ich trank Erkältungstee. Frieren musste ich trotzdem, da es im Süden Chinas nicht üblich ist eine Heizung und isolierte Wände zu besitzen.

Mat am Mittwoch, 19. Mai 2010

Nun bin ich wieder da, nachdem ich mit meiner Mama und Carmen 2 Wochen quer durch China gereist bin. Die Fotos müssen noch ausgelotet werden und es gibt wieder viel zu erzählen. Ich weiß ja, dass ich noch vom letzten Trip, der über 3 Monate her ist, noch nicht alles berichtet habe und ich bin am Wochenende auch schon wieder unterwegs. Zudem muss ich die vermissten Stunden aufholen und unterrichte jetzt jeden Donnerstag und Freitag im Goethe-Institut. Das wird ganz schön spaßig.

Und weil ich weiß, dass keine Besserung in der Blogeintragsfrequenz bei mir zu verzeichnen sein wird, werde ich auch nichts versprechen. So einfach ist das! Dennoch mache ich mal schnell noch eine Aufstellung an geplanten Einträgen:

Guilin, Daxu und Longji
Hongkong, Macao, Disneyland
Putuoshan
Yangzhou
Beijing
Xi’an
Chongqing und die 3 Schluchtenfahrt
Wuhan und Nanjing
Ningbo
Expo in Shanghai

Mat am Sonntag, 25. April 2010

Am Tag nach Yangshuo gings für uns schon früh los. Wir wollten noch vor Sonnenaufgang den Park mit dem Elefantenberg besuchen, weil wir hofften, dass so früh noch kein Wächter da ist, der uns Eintrittsgeld abknöpft. Die Rechnung ist nicht aufgegangen, nicht nur, weil ich einerseits im Hotel eingesperrt war und Laowei verschlafen hat, sondern auch weil der Wächter leider schon da war. Aber anstatt jetzt doch die Eintrittskarte zu kaufen, fanden wir eine andere Möglichkeit um in den Park zu kommen. Uns sprach eine nette Dame an, die uns für 20 Yuan, statt den 90 Yuan Eintrittskarte in den Park bringen könnte. Dieses nicht ganz legale, aber wohl allgemein akzeptierte verfahren, sich mit einem kleinen Fischerboot in den Park fahren zu lassen, war schon eine etwas spannendere Alternative, als durch den Haupteingang zu gehen.

Am Ufer des Li-Flusses angelegt, betrachteten wir den Sonnenaufgang und die vielen (Hobby‑)Fotografen, die diesen Moment auf Celluloid, bzw Silicium, bannen wollten. Es sah bei den meisten aber nicht so aus, als wollte es wirklich gut gelingen. Wir machten uns daraufhin auf, den Elefant zu erklimmen.

Auf dem Weg zum Gipfel wurde mir aber etwas anderes gewahr, was mir vorher nie so aufgefallen war (vor allem weil ich noch nie so früh in einem chinesichem Park war). Die Morgenrituale von chinesischen Rentnern.
Was allgemein bekannt ist, dass Chinesen vor allem Morgens Taichi und Qigong machen. Was nicht so bekannt ist, ist dass sie aber auch andere körperliche Betätigungen machen. Sie laufen oft rückwärts und hauen sich dabei auf Schenkel, Po und Brust. Laowei meinte, das machen sie, weil sie damit ihre Sinne schärfen wollen. Aber am interessantesten finde ich, dass sie morgens in den Park gehen und sich einfach die Seele aus dem Leib schreien. Auf dem Berg bekommt das umso besser mit, weil man auf einmal aus allen Ecken des Parks laute Schreie hört. Ich nenne es den Brunftschrei des Chinesen. Es folgt nun eine Fotosession um und vor dem Elefantenberg:

Jetzt mussten wir erst einmal richtig Frühstücken. Auf dem Weg kamen wir an Guilins Gold‑ und Silberpagode vorbei, die des Nachts auch demenstprechend Beleuchtet waren. Es ist sehr Schade, dass wir abends nicht mehr an ihnen vorbei kamen.

Morgens um 5 eingesperrt im Hotel Überfahrt in den Park Der Elefantenfelsen in der Morgendämmerung Guilin
Guilin Guilin                                unterm Rüssel
                                                                                                                            Stierkampf
Stierkampf                                “ich war da”-Bild
                               Die silberne und goldene Pagode      

Wir aßen Frühstück/Mittag in einem Foodcourt im obersten Stock eines Einkaufszentrums am botanischen Garten Guilins, wo wir auch Mittags in der Sonne lagen. Nachmittags besuchten wir dann Guilins 7 Sterne Park, der seinen Namen durch die 7 Berge bekam, die in ihm liegen. Am Eingang wurde man von einem großen 春 (chūn = Frühling) und einem Baum mit ganz vielen roten Laternen begrüßt.

Die Tropfsteinhöhle ist sehr interessant. Wie Laowei mir berichtete war sie einmal ein Widerstandslager gegen die Japaner gewesen. Doch die Japaner haben einen Eingang der Höhle zerstört und durch den anderen einen Giftgasangriff gestartet, sodass diese Höhle das Grab vieler Soldaten geworden ist. Das interessante ist nun, dass man abseits des Touristenpfades noch die alten Gänge der Soldaten sieht.

Da ich die Führung in der Höhle eh nicht verstand und mir die fotofanatischen Chinesen etwas auf den Geist gingen, habe ich mich etwas abgeseilt und bin vorgegangen. Leider ist die Beleuchtung der Höhle immer nur dort angeschaltet, wo der Führer gerade ist, also ging es nicht ganz so gut mich abzuseilen. Außerdem wartete Laowei außen, weil er die Höhle nicht noch einmal besuchen wollte. Als der Ausgang nah war bin ich dann einfach vorgelaufen. Ich traf mich dann mit Laowei am Kamelberg, vor dem Bill Clinton schonmal eine Rede zum Umweltschutz gehalten hat:

Im Park gibt es auch einen Berg, auf dem Affen leben, die in der Abenddämmerung vom Berg herunter kommen. Ich habe mich auch mit einem von ihnen ein Anstarrduell geliefert, was ich verloren habe. Der Affe hat auch gecheatet und mich einfach angeschrien, sodass ich mich erschreckt habe und alle umherstehenden Chinesen mich ausgelacht haben.

Abends war ich dann noch bei Laoweis Onkel, der mir das Hotel besorgt hatte, zum Essen eingeladen und machte bei dieser Gelegenheit noch ein paar Fotos, auf denen die Stickereien der Tante ja nicht fehlen durften.

                                                                                                                            Der kleinste Berg im Park
                                                                                                                            Tropfssteinhöhle
alte Wehrgänge Fancy Kamelberg ein “natürlicher” Wasserfall mit Kontrollraum
die Brücke der drei(zehn) vollen Kreise Affenalarm die Stickerein sind schick
                                      

Und so ging auch dieser Tag zuende. Das schlimme war, dass am folgenden Tag irgendwie plötzlich der Winter zurückkam und wir uns von dem schönen Wetter verabschieden mussten.