… ist ganz schön Scheiße gar nicht zu empfehlen. 80 % der Läden sind geschlossen, die Hotels sind alle ausgebucht und obendrein doppelt so teuer als normal. Aber fangen wir lieber von vorne an.
Was manch einer vielleicht nicht weiß ist, dass man, um nach Hongkong zu kommen, aus der VR-China ausreisen muss. Gleiches gilt auch für Macao und sowieso für Taiwan. Und so traf ich mich mit Maik in Shenzhen (深圳) um nach Hongkong einzureisen und vorher noch Zugtickets nach Nanjing zu ergattern. Es gab nur akzeptable für einen Tag nach unserem Wunschdatum, aber man hat keine Wahl, wenn ganz China die kreuz und quer verstreute Verwandtschaft besucht.
Vom Shenzhener Hauptbahnhof kann man zu Fuß zum Grenzübergang laufen, von dem dann die U-Bahn ins Hongkonger Stadtzentrum fährt. Das erste, was einem dann auffällt ist, dass die U-Bahn plötzlich 10 mal so teuer ist als in der VR. Das lässt sich auch leicht umrechnen, da der HKDollar etwa genauso viel Wert ist wie der Yuan. Das sind schon fast deutsche Preise. Wir fuhren nach tsim sha tsui ins Stadtzentrum, wo die Chungking-mansion zu finden ist. Das war wohl früher einmal ein schickes Hotel, heute ist es ein sehr heruntergekommenes vielstöckiges Hochhaus, bzw ein Hochhauskomplex, verwinkelt und von allerlei Völkern besiedelt, außer von Chinesen. In den ersten beiden Stockwerken ist es eine Shoppingmall mit vielen kleinen Buden, die Hauptsächlich Essen, Elektronikartikel oder Kleidung verkaufen oder Geldtauschbuden. Inhaber dieser Buden sind Schätzungsweise 90 % Inder und Pakistaner. In den oberen Stockwerken gibt es dann fast nurnoch Hostels. Unser Wunschhostel war leider schon belegt und so sind wir über Unwege und Vermittlung in ein ziemliches heruntergekommenes Hostel in Block B, 4. Stock Chungking-Mansion gekommen. Das Zimmer war winzig (aber das scheint im ganzen Haus so zu sein) und hat gestunken, was wohl hauptsächlich von den Bettdecken kam. Die Dusche war ab dem 2. Tag auch ohne heißes Wasser und die Aussicht war auch nicht so berrauschend, obwohl es schlimmer hätte kommen können. Zumindest hatten wir eine Unterkunft und es war nur im 4. Stock. Mit dem 4. Stock hat mehrere Vorteile:
- Da jeder Block nur 2 Fahrstühle hat (1 für die geraden und 1 für die ungeraden Stockwerke) kann man zu Fuß die Treppen steigen und muss sich nicht anstellen um mit dem Aufzug zu fahren, in den sowieso höchstens 4 Personen passen.
- Falls ein Brand ausbricht ist man schnell draußen und in Sicherheit, denn den allgemeinen Brandbestimmungen folgt dieses Haus schon lange nicht mehr.
Und so verließen wir die Chungking-Mansion (3 Treppen runter, um 5 Ecken rum, an den Drogenabhängigen im Treppenhaus vorbei) und schauten uns um. Es ist unglaublich wie wenig die Chungking-Mansion in das Stadtbild zumindest im Stadtzentrum passt. Da ist alles schick, auf Hochglanz poliert, man steht für Louis Vuitton an, niemand spuckt, pinkelt oder schmeißt Müll auf die Straße. Man hält sich an die Verkehrsregeln, es wird nicht gehupt, trotz Linksverkehr, es gibt Hundetoiletten und eine Art Walk-of-Fame. Das alles ist ganz und gar nicht China!
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Am darauffolgenden Tag fuhr ich mit einer Reisegruppe nach Longji. Dort gibt es eine chinesische Minderheit und eine schöne Reisterrassenlandschaft. Zuerst besuchten wir das Minderheitendorf, in dem die Frauen extrem lange Haare tragen, die sie je nach Familienstand anders zusammenwickeln. Der Eintritt zu dem Dorf kostete 60元, der nicht bei der Fahrt mit inbegriffen war. Dafür gab es aber noch eine kleine Show mit Tänzen und Kostproben von ihren speziellen Gerichten, die eher 马马虎虎 (māmāhǔhǔ = [PferdPferdTigerTiger] solala) waren.
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Zum Abschluss wurde man noch von Ihnen verabschiedet und man bekam als mann einen besonderen Brauch zu spüren, denn dort zwickt die Frau einem Mann in den Popo, wenn sie ihn attraktiv findet … und das tut ganz schön weh. Nach dem Spießrutenlauf ging es wieder zurück zum Bus, wo einen Andenkensverkäuferinnen den ganzen Weg verfolgten. Wenn ich jedem, der mich auf meiner Reise angesprochen hat, einen Fächer abgekauft hätte, könnte ich nun meinerseits nen Fächerladen aufmachen. Daraufhin stiegen wir nochmal in den Bus, der uns ein Stückchen weiter den Berg hinauf fuhr. Von dort mussten wir den Rest des Weges bis zur Spitze laufen, von wo man einen wundervollen Blick auf die Reisterrassen hatte.
Auf halbem Weg hinauf kam man an einer Siedlung vorbei, wo wir unser Mittagessen einnehmen konnten. Das Essen war leider nur teuer und hat nicht gut geschmeckt.
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Die Fahrt war ganz schön, wenn man sie mit der nach Yangshuo vergleicht. Man hatte zeit für sich und wurde nicht die ganze Zeit umhergejagt und von Fächerverkäufern verfolgt. Leider lohnt sich der Anblick im Winter, bzw. 1 Tag vor Frühlingsanfang wirklich nicht.
Die folgenden Bilder sind vom chinesichen Frühlingsfest, das hier wie Weihnachten und Neujahr zusammen ist. Es war für mich eine Ehre von Laoweis Familie dazu eingeladen worden zu sein. Ich hatte nur in dem ganzen Geldmangel und Reisestress total vergessen irgendetwas mitzubringen. Ich wusste auch gar nicht, was ich adäquates hätte mitbringen sollen und Laowei hatte mir dementsprechend auch nichts gesagt. Das ich wohl dementsprechend etwas unhöflich war, ließ mich Laoweis Cousine mit gezielten Fragen spüren: „Wie ist das in Deutschland? Wenn man irgendwo eingeladen wird, bringt man da eigentlich was mit? Also in China macht man das schon.“ Solche Fragen kamen immer wieder. Im Nachhinein bin ich einfach nur der Meinung, dass sie mich nicht leiden konnte, warum auch immer. Nichtsdestotrotz war ich mit fast der ganzen Familie am Abend vor dem Fest im Restaurant essen, wo mir Laoweis Tante, die Frau seines ältesten Onkels, immer wieder neue Sachen auf den Teller packte, sodass ich irgendwann einfach aufgab, das zu essen, was sie mir hinlegte.
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Am Tag des Frühlingsfestes wird in der Regel im Familienkreis gesessen und Jiaozi gemacht. Ich habe da auch mitgeholfen und unter starker Beobachtung der anwesenden Jiaozi-Spezialisten habe ich auch ein paar Maultaschen gefüllt, die dann aich kontrolliert wurden, ob die Teigtaschen auch wirklich feste zu sind. Zumindest konnte man dann nach dem Kochen auch noch erkennen, welche von denen ich gefüllt hatte. Wenn man seine eigenen Jiaozi wiederfindet und isst, soll das besonders viel Glück bringen. Danach spielte ich noch mit der zickigen Cousine, ihrer Mutter und Laowei Mahjong und verlor natürlich. Dabei fragte mich auch die Cousine, ob ich am mich Tag vorher nach dem Restaurant noch erbrochen hätte, weil ich so viel gegessen hätte. In diesem Moment fragte ich mich, wer von uns beiden nicht höflich und unverschämt ist. Die Antwort war natürlich nicht, auch wenn ich an diesem Morgen kein Frühstück gebraucht habe, weil ich noch satt war.
Nach dem Jiaozi-Essen konnte ich der Tochter von Laoweis ältester Cousine doch noch beweisen, dass man vor Ausländern keine Angst haben muss. Sie hatte vor lauter Angst vor dem rothaarigen Fremden gar nicht mit uns gemeinsam essen wollen, sodass die kleine Familie als quasi Aussätzige in einem anderen Raum gegessen haben. Nun zumindest spielten wir eine sehr einfache Version von Monopoly, bei der wir uns gegenseitig die Geldscheine bündelweise in die Hand gaben. Aber ach jeder Spaß hat mal ein Ende und so ging ich dann zum Zug, der über Nacht nach Shenzhen fuhr, wo man hinfahren muss, wenn man nach Hongkong einreisen möchte.
Man stelle sich vor es sei der 11. Februar, es sei mindestens 10 Grad kälter als am Vortag und man spürt es etwas im Hals kratzen. Zudem sei man immernoch in Guilin und habe an diesem Tag ausgemacht in ein altertümliches Dorf zu fahren.
So hat mich Laowei abgeholt und wir wollten mit nem Überlandbus nach Daxu fahren, ein kleines Dorf, das dafür bekannt ist noch mittelalterliche Häuser zu haben, in denen immernoch Leute wohnen. Und so fuhren wir zur Busstation und stiegen in den Bus. Es schien noch mehr Leute zu geben, die das Dorf sehen wollten, nur war ich der einzige Ausländer. Laowei erzählte mir, dass er dort vor ein paar Tagen selbst war um es ein bisschen auszuchecken, dass er mich nicht zu einem Ort führt, der möglicherweise nicht 好玩儿 (hǎowánr = spaßig) ist. So kannte er auch den Preis für die Busfahrt, die an diesem Tag auf einmal doppelt so teuer war. Wir bezahlten eifrig, doch in Laoweis Seele brodelte es. Auf dem Weg nach Daxu gab es immer mal wieder die Situation, dass der Bus keine weiteren Leute nach Daxu mitnehmen wollte, obwohl Platz genug war. Spätestens jetzt war klar, dass der Geldeinsammler uns alle belurt hatte. Als wir dann fast angekommen waren, revoltierte Laowei und begann mit dem Kassierer zu diskutieren, woraufhin der eine oder andere aus dem Bus auch miteinstimmte. Zu guter letzt sollte ich abgesprochenerweise so tun, als würde ich ein Video machen, bis dann der Mann klein bei gab und uns das zuviel abgeknöpfte Geld zurückgab. Also 5元 kostet der Bus von Guilin nach Daxu, und ich habe mal schnell auf die Persönlichkeitsrechte geschissen und auch wirklich ein Video davon gedreht, das gibts hier zu sehen:
In Daxu war es sehr kalt, aber nachdem man um ein paar Ecken und von den neuen Häusern weggegangen war, kam man zu den alten Häusern. Das war wirklich interessant. Noch interessanter war der ganze Müll, den man in den Vorgärten der neueren Häuser und im Fluss schwimmen sah. Vor allem das kleine stinkende gelbe milchige Bächlein, dass irgendwo zwischen den Häusern hervortrat und im Dorfbach mündete, wo man nicht weit weg jemanden die Wäsche waschen sah. Da fragt man sich immer wieder, wie ein Staat/eine Provinz es sich leisten kann eine Shoppingmall nach der anderen zu bauen, aber den Leuten in den Dörfern kein Abwassersystem und keine Abfallentsorgung zu stellen? Und selbst wenn es keine Abfallentsorgung gibt, wie kann man es schön finden seinen Müll in den eigenen Vorgarten zu werfen? Abgesehen von diesem Müll und Dreck Problem, was mir immer mehr auf den Geist geht, war das Dorf echt sehenswert. Man kann in den alten Häusern meist Sammlerwaren und Antiquitäten kaufen und ein paar chinesische Medizinläden gibt es auch:
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Auf dem Rückweg war es eine Frau, die das Geld im Bus eingesammelt hat. Die wollte von Anfang an nur 5元. Am Nachmittag plante Laowei in einen anderen Park zu gehen, doch ich hatte erst einmal genug Parks gesehen. Zudem war es kalt und ich fühlte mich nicht so wohl. Also spielten wir bei Laoweis Oma Karten und ich trank Erkältungstee. Frieren musste ich trotzdem, da es im Süden Chinas nicht üblich ist eine Heizung und isolierte Wände zu besitzen.
Nun bin ich wieder da, nachdem ich mit meiner Mama und Carmen 2 Wochen quer durch China gereist bin. Die Fotos müssen noch ausgelotet werden und es gibt wieder viel zu erzählen. Ich weiß ja, dass ich noch vom letzten Trip, der über 3 Monate her ist, noch nicht alles berichtet habe und ich bin am Wochenende auch schon wieder unterwegs. Zudem muss ich die vermissten Stunden aufholen und unterrichte jetzt jeden Donnerstag und Freitag im Goethe-Institut. Das wird ganz schön spaßig.
Und weil ich weiß, dass keine Besserung in der Blogeintragsfrequenz bei mir zu verzeichnen sein wird, werde ich auch nichts versprechen. So einfach ist das! Dennoch mache ich mal schnell noch eine Aufstellung an geplanten Einträgen:
Guilin, Daxu und Longji
Hongkong, Macao, Disneyland
Putuoshan
Yangzhou
Beijing
Xi’an
Chongqing und die 3 Schluchtenfahrt
Wuhan und Nanjing
Ningbo
Expo in Shanghai
Am Tag nach Yangshuo gings für uns schon früh los. Wir wollten noch vor Sonnenaufgang den Park mit dem Elefantenberg besuchen, weil wir hofften, dass so früh noch kein Wächter da ist, der uns Eintrittsgeld abknöpft. Die Rechnung ist nicht aufgegangen, nicht nur, weil ich einerseits im Hotel eingesperrt war und Laowei verschlafen hat, sondern auch weil der Wächter leider schon da war. Aber anstatt jetzt doch die Eintrittskarte zu kaufen, fanden wir eine andere Möglichkeit um in den Park zu kommen. Uns sprach eine nette Dame an, die uns für 20 Yuan, statt den 90 Yuan Eintrittskarte in den Park bringen könnte. Dieses nicht ganz legale, aber wohl allgemein akzeptierte verfahren, sich mit einem kleinen Fischerboot in den Park fahren zu lassen, war schon eine etwas spannendere Alternative, als durch den Haupteingang zu gehen.
Am Ufer des Li-Flusses angelegt, betrachteten wir den Sonnenaufgang und die vielen (Hobby‑)Fotografen, die diesen Moment auf Celluloid, bzw Silicium, bannen wollten. Es sah bei den meisten aber nicht so aus, als wollte es wirklich gut gelingen. Wir machten uns daraufhin auf, den Elefant zu erklimmen.
Auf dem Weg zum Gipfel wurde mir aber etwas anderes gewahr, was mir vorher nie so aufgefallen war (vor allem weil ich noch nie so früh in einem chinesichem Park war). Die Morgenrituale von chinesischen Rentnern.
Was allgemein bekannt ist, dass Chinesen vor allem Morgens Taichi und Qigong machen. Was nicht so bekannt ist, ist dass sie aber auch andere körperliche Betätigungen machen. Sie laufen oft rückwärts und hauen sich dabei auf Schenkel, Po und Brust. Laowei meinte, das machen sie, weil sie damit ihre Sinne schärfen wollen. Aber am interessantesten finde ich, dass sie morgens in den Park gehen und sich einfach die Seele aus dem Leib schreien. Auf dem Berg bekommt das umso besser mit, weil man auf einmal aus allen Ecken des Parks laute Schreie hört. Ich nenne es den Brunftschrei des Chinesen. Es folgt nun eine Fotosession um und vor dem Elefantenberg:
Jetzt mussten wir erst einmal richtig Frühstücken. Auf dem Weg kamen wir an Guilins Gold‑ und Silberpagode vorbei, die des Nachts auch demenstprechend Beleuchtet waren. Es ist sehr Schade, dass wir abends nicht mehr an ihnen vorbei kamen.
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Wir aßen Frühstück/Mittag in einem Foodcourt im obersten Stock eines Einkaufszentrums am botanischen Garten Guilins, wo wir auch Mittags in der Sonne lagen. Nachmittags besuchten wir dann Guilins 7 Sterne Park, der seinen Namen durch die 7 Berge bekam, die in ihm liegen. Am Eingang wurde man von einem großen 春 (chūn = Frühling) und einem Baum mit ganz vielen roten Laternen begrüßt.
Die Tropfsteinhöhle ist sehr interessant. Wie Laowei mir berichtete war sie einmal ein Widerstandslager gegen die Japaner gewesen. Doch die Japaner haben einen Eingang der Höhle zerstört und durch den anderen einen Giftgasangriff gestartet, sodass diese Höhle das Grab vieler Soldaten geworden ist. Das interessante ist nun, dass man abseits des Touristenpfades noch die alten Gänge der Soldaten sieht.
Da ich die Führung in der Höhle eh nicht verstand und mir die fotofanatischen Chinesen etwas auf den Geist gingen, habe ich mich etwas abgeseilt und bin vorgegangen. Leider ist die Beleuchtung der Höhle immer nur dort angeschaltet, wo der Führer gerade ist, also ging es nicht ganz so gut mich abzuseilen. Außerdem wartete Laowei außen, weil er die Höhle nicht noch einmal besuchen wollte. Als der Ausgang nah war bin ich dann einfach vorgelaufen. Ich traf mich dann mit Laowei am Kamelberg, vor dem Bill Clinton schonmal eine Rede zum Umweltschutz gehalten hat:
Im Park gibt es auch einen Berg, auf dem Affen leben, die in der Abenddämmerung vom Berg herunter kommen. Ich habe mich auch mit einem von ihnen ein Anstarrduell geliefert, was ich verloren habe. Der Affe hat auch gecheatet und mich einfach angeschrien, sodass ich mich erschreckt habe und alle umherstehenden Chinesen mich ausgelacht haben.
Abends war ich dann noch bei Laoweis Onkel, der mir das Hotel besorgt hatte, zum Essen eingeladen und machte bei dieser Gelegenheit noch ein paar Fotos, auf denen die Stickereien der Tante ja nicht fehlen durften.
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Und so ging auch dieser Tag zuende. Das schlimme war, dass am folgenden Tag irgendwie plötzlich der Winter zurückkam und wir uns von dem schönen Wetter verabschieden mussten.
Für den folgenden Tag hat mir Laowei vorgeschlagen ich solle doch nen Tagesausflug nach Yangshuo machen. Standardmäßig fährt man da mit dem Schiff einmal den Li-Fluss nach Yangshuo und zurück. Dort gibt es dann einige Tempel und Tropfsteinhöhlen zu sehen.
Und so machte ich den Trip mit und wurde am Morgen mit nem Bus vom Hotel abgeholt. Wir sind nicht lange gefahren, als wir schon an der ersten Station ankamen. Ein großer Souvenirladen mitten in der Pampa. Wir waren nicht der einzige Reisebus der hier halt machte und es zeichnete sich schon ab, was das Motto dieser Fahrt werden würde: Souvenirs gefällig?
Nach einer halben Stunde warten und verschwendeter Zeit ging es dann auch weiter. Wir fuhren zu einem Tempel und auf der Fahrt fiel mir einer der mitreisenden Chinesen besonders dadurch auf die Nerven, dass er ständig auf eine prollige Art und Weise durch den Bus brüllte und (auch wenn ich ihn nicht verstanden habe) anscheinend alles besser wusste als sein Begleiter. Ich werde ihn von nun an „Herr Proll“ nennen.
Herrn Proll hat dann im besagten buddhistischen Tempel auf ganz souveräne Weise die größten Räucherstäbchen zum Beten gekauft um auf recht dillentatische Art und Weise zu beten. Abgesehen von seiner spektakulären Show war der Tempel eher uninteressant. So ging ich dann auch gleich wieder raus, wo eine Reihe Straßenhändler schon auf die nächste Beute warteten. So wie Spinnen unter der Straßenlaterne am dicksten werden, versprechen sich auch diese den meisten Profit an den Bussen von Touristen, die jeden Tag zuhauf hierher gekarrt werden, um sich zu langweilen oder die größten Räucherstäbchen zu markieren. An mir haben sie nichts verdient und wie ich dann so warte, bis auch die anderen den Tempel verlassen haben, betrachtete ich mir den Affendresseur, mit dessen Affen man schöne Erinnerungsfotos schießen konnte. Nur die Dressurmethoden waren mir etwas zuwider. Er hatte vier Affen, 2 davon im Zirkusoutfit gekleidet mit lustigem Stöckchen und Hütchen. Die anderen beiden waren angekettet und nackt, wobei sie auf den Zehenspitzen stehen mussten um sich nicht selbst zu erhängen. Hin und wieder vernahm man von ihnen ein klägliches Jaulen. Prost Mahlzeit.
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Als dann alle beisammen waren ging es weiter um einen Banyan-Baum zu besichtigen. Man sagt, dass diese Art Baum ein ganzer Wald werden könne. Am Eingang wurde man auch schon von Fotografen empfangen, die einen gegen einen Unkostenbeitrag vor allen Sachen, die man möchte, fotografieren und die Fotos danach ausdrucken und mitgeben. Das ist hier ziemich normal. Und so stürzte sich Herr Proll sofort auf den ersten Fotografen, der ihn dann in erhabener Pose vor dem Banyanbaum, hinter dem Banyanbaum, neben dem Banyanbaum, usw fotografierte. Ich habe es vorgezogen die Bilder lieber selbst zu machen.
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In der Nähe des Banyanbaums besuchten wir dann eine Tropfsteinhöhle. Dort gab es auch mehrere Stellen an denen man sich fotografieren konnte. Die Frage, wer als erster darauf losstürmte, wenn sich die Gelegenheit bot, muss ich nicht beantworten. Stellenweise war die Höhle echt klasse, manchmal musste man aber auch am guten Beleuchtungsgeschmack zweifeln.
Am Ausgang der Höhle konnte man dann noch im großen Maßstab Geschirrspültücher kaufen. es liegt ja auch auf der Hand sowas in einer Tropfsteinhöhle zu verkaufen.
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Nach dem Essen ging es dann endlich zur Bootsfahrt. Beim Essen habe ich mich mit einer Familie aus Guangzhou angefreundet, mit der ich am Schiff dann an einem Tisch saß. Es war sehr entspannt und relaxed. Für die Fotos muss man einfach nur warten bis die Chinesen alle fertig fotografiert haben. Denn alle wollen gleich zu Anfang die Fotos schießen und stehen dafür auch an, auch wenn genug Zeit bleibt später Fotos zu machen. Besser für mich!
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Das neue Semester hat angefangen, und aufgrund des Müßiggangs letzten Semesters, wurden die Anforderungen etwas angezogen. Ich bin derzeit froh, wenn ich einfach nichts machen muss vor lauter Hausaufgaben usw. Ich habe auch einen Job als Deutschlehrer angenommen und ich unterrichte privat bei 2 Mittelschülerinnen, die die doppelte Staatsbürgerschaft (Chinesisch-Deutsch) haben und für den Deutschunterricht in der internationalen Schule Nachhilfe in Deutsch brauchen. Da ich keine Ahnung von deutscher Grammatik habe, ist jede Vorbereitung auf den Unterricht etwas anstrengend. Ich werde auch bald Lehrer am Goethe Institut für komplette Anfänger (A1) sein. Dann wird das ganze noch stressiger, ohje.
Naja es fehlen von meiner Reise ja eigentlich noch die Eindrücke von Guilin und Hongkong. Beginnen wir einmal mit Guilin. Ich bin also von Seoul (Sonnenschein, kalt) mit dem Flieger nach Guangzhou (Regen, warm) und von dort nach Guilin (Bewölkt, warm). In Guangzhou habe ich mich übrigens mit der Dame am Haägen Dasz-Stand darüber unterhalten, dass man in Deutschland umgerechnet billigeres Eis bekommt als bei ihr. Das half leider nichts. Vom Flughafen in Guilin wurden wir dann mit nem Shuttlebus in die Stadt gebracht, wo mich Laowei und sein Onkel abgeholt haben und ins Hotel gebracht haben. Am nächsten Morgen gings dann auch gleich mal los um die Stadt etwas zu erkunden. Wir haben uns dann auch gepflegt kurz verlaufen und sind auf einen der vielen Berge gestiegen um einen Überblick über die Stadt zu haben. Beim Abstieg plätscherte dann ein Wasserfall, von einem anderen Berg herunter, der beim Auftsieg noch nicht existiert hatte. Man könnte Guilin auch die Stadt der tausend fake-Wasserfälle nennen.
Irgendwann hat sich Laowei auch wieder ausgekannt und wir sind ins Stadtzentrum zurückgelaufen. Eine Guiliner Spezialität ist neben dem „Mifen“ (米粉 Reisnudeln mit Schweinehaut und Chilli, angereichert mit eingelegten Bohnen, etc.) auch das in Essig eingelegte Gemüse. In der Stadt gabs das überall auf die Hand zu kaufen. Endlich halbwegs gescheite Gewürzgurken! Hätten wir die an Weihnachten für die Hotdogs und den Kartoffelsalat gehabt, dachte ich mir. Abends aßen wir dann noch bei den Großeltern von Laowei zu Abend und auf dem Heimweg von ihnen kamen wir an einem riesigen Nachtmarkt vorbei. Ich habe mir einen Fächer gekauft, wo der Verkäufer aus meinem chinesichem Namen ein Gedicht drauf geschrieben hat. Ich muss mir von Laowei nochmal den Wortlaut geben lassen.
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Ich habe gestern zum ersten Mal jemanden gesehen, der in einem chinesischen Restaurant mit Messer und Gabel gegessen hat. Normalerweise gehört das Messer in Küche, die Gabel gibt es gar nicht und mit Küchengeräten isst man nicht. Das wäre Esskultur. Ich frage mich manchmal nur, ob es wirklich Esskultur ist, wenn man versucht Schnitzel (diese gibt es durchaus in China) mit den Stäbchen zu essen. Das sieht bei den meisten genauso elegant aus, wie ein Hund, der aus dem Napf frisst.
Nun habe ich aber gestern jemanden gesehen, der mit Messer und Gabel gegessen hat. Nur scheint dieser Gabel und Messer teilweise zu vertauschen: denn was liegt näher, als mit dem Messerl das Essen auf die Gabel zu schieben und die Gabel zum Mund zu führen? Richtig: Mit der Gabel das Essen auf das messer zu schaufeln und mit dem messer zu Essen! Und als ich ihn so beobachtet und mich darüber wunderte, wie Chinesen essen, ist mir aufgefallen, dass ich den Mann schon einmal gesehen habe und er ein Vietnamese und gar kein Chinese ist. Das war wohl die Rache der Franzosen!
Guten Appetit!
Die Fähre nach Korea war interessant. Man hat sehr gemerkt, dass normalerweise keine Ausländer mitfahren. Es war das erste mal, dass ich bei der Ausreise aus China die Departure-Card nicht selbst ausfüllen musste, weil die Grenzbeamten sich um mich sorgten. Auf der Fähre angekommen hat mich auch eine Bedienstete zu meinem Schlafplatz geführt, dass ich mich nicht verlaufe. Das war auch gut so, denn ich hätte wahrscheinlich schon verlaufen. Wir sind durch einen großen Saal gelaufen, der mehrere 10m² Flächen hatte, auf denen Matratzen verteilt lagen. Ein großer Schlafsaal. Ich hatte aber zum Glück ein Bett in der nächst höheren Klasse. Mehrere Gänge mit 2-Stockbetten auf beiden Seiten und Vorhang für das bisschen Privatssphäre. Weiter hinten gab es anscheinend noch Kabinen. Da die Fähre selten Ausländer gesehen hat und auch von einer „Kleinstadt“ kommt, war das Verhalten der Mitpassagiere auch recht chinesisch, d.h. es wurde munter von jedem 2. Handy Musik gespielt, Nudelsuppe geschlürft, danach Sonnenblumensamen geknackt und nach chinesischer Tradition die Schale auf den Boden fallen gelassen und hin und wieder aus tiefstem Rachen auf den Boden gespuckt. Zum Glück konnte man seine Schuhe unter dem Bett unterstellen. Nachdem dann alle im Bett waren, wanderte ich nochmal auf dem Schiff umher und fand einen erstaunlicherweise sehr ansprechenden Duschraum, bzw Baderaum, der mich quasi einlud nochmal eine richtig schöne heiße Dusche zu nehmen. Das war einfach wunderbar, nachdem ich in Dandong in der Wohnung keine wirkliche Möglichkeit hatte zu duschen und daher auf ne öffentliche Dusche zurückgreifen musste.
Am nächsten Morgen wurde ich sanft von den Spuckgeräuschen der Menschen geweckt, die ihre morgentliche Wäsche durchführten. Leider war der Waschraum zum Zähneputzen viel zu nah an meinem Bett, sodass ich ein feuchtfröhliches Spuckkonzert von 7 bis 9 miterleben durfte. Dieses Badezimmer hatte vor allem noch die Besonderheit, dass die Waschbeckenabflüsse nach einem Schlauch direkt auf dem Boden münden, sodass man das, was man eben im Ausguss verschwinden sah, kurz danach an seinen Füßen vorbeischwimmen sehen konnte. Ich war schon etwas glücklich, als ich in Incheon ankam, und als ich dann nach Südkorea eingereist war, überkam mich der Gedanke: „Oh mein Gott, du bist hier noch ein viel größerer Analphabet, als in China! Wie komm ich denn nun von hier aus zu einer U-Bahnstation?“ Die Lösung war ganz einfach: Vor dem Ausgang des Terminals gabs nur einen Buslinie, deren Endstation „Dongincheon“ ist, welche dem Bahnhof von Incheon entspricht und an das U-Bahnnetz von Seoul angeschlossen ist. Leider haben ein paar Linien in Seoul mehrere Endhaltestellen in verschiedenen Stadtteilen, sodass man aufpassen muss, in welchen Zug man einsteigt. Und dann bin ich gefahren, eine ganze Weile, einmal planmäßig umgestiegen und habe trotz undeutlicher Anfahrtsbeschreibung des Hostels, dennoch das Hostel auf Anhieb gefunden. Ich bin ja so gut
Untergekommen bin ich im Bebop-Guesthouse, in dem Jonathan auf mich gewartet hatte. Jonathan studiert auch an der SEU in Nanjing, wohnt auf meinem Gang im Wohnheim und hat eineinhalb Jahre in Seoul gelebt. Ich kann das Hostel wirklich empfehlen. Es ist recht neu und sauber, eine der billigsten Varianten in Seoul, relativ gut angeschlossen an die U-Bahn (10 Minuten zu Fuß) und im Studentenviertel der Hongik-Universität in Hongdae gelegen. Aber vor allem fühlt man sich dort verdammt wohl. So wohl, dass ich dort den ganzen restlichen Nachmittag verbracht habe und nichts getan habe. Am ersten Abend bin ich alleine auf Essensuche und habe zufällig ein chinesisches Restaurant erwischt. Da konnte ich die Speisekarte wenigstens lesen
Nachdem ich ausgeschlafen hatte, machte ich mich auf zum Gyeongbokgung, einem der Paläste und traf auf dem Weg dorthin eine Japanerin aus dem Hostel, die dort auch hinwollte. Schon die U-Bahnstation war thematisiert. Am Eingang des Palastes stehen Wachen, die, als wir dort ankamen, ihre Wachablösung hatten. Hier bekommt man wenigstens ohne geld zu bezahlen schon was geboten. Nach der Show kauften wir uns die Eintrittskarten und schauten uns das Palastgelände an:
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Das Gelände des Palastes war wirklich riesig, aber irgendwie war es auch etwas langweilig. Die Restaurationen sind wirklich gut, aber irgendwie sah jedes Gebäude gleich aus. Im Sommer, wenn die Wiesen grün sind und die Landschaft und Gärten etwas prächtiger sind, macht es sicherlich mehr Spaß. Wir entschieden uns einen Kaffee zu trinken und dann wollte Anna, die Japanerin, sich mit jemandem treffen. Ich zog also allein weiter und ging zu einer der beliebtesten Einkaufszonen, namens Insadong. Auf dem Weg dorthin schaute ich mir noch ein Kloster, namens Jogyesa, an.
Ich schlenderte vor mich hin und kam an einem künstlichen Fluss vorbei, hab auch ne Kirche gesehn (Es gibt in Seoul wirklich viele Kirchen) und hab mich irgendwie verlaufen. Irgendwann kam ich dann an einem Markt an, in dem fast nur Essen verkauft wurde. Es tut mir im Nachhinein leid, dass ich nicht die Fleisch‑, Wurst‑ und Speckschwartenberge fotografiert habe, sondern nur eines der leckersten Gerichte Asiens Tteokbokki
Das aß ich auf einer beheizten Holzbank sitzend, während links von mir auf Augenhöhe ein paar gekochte Schweinefüße in den Fleischberg eingebettet waren. Nun neben dem eben Genannten, konnte man auch koreanische Pfannkuchen in verschieden Farben und Formen und diverse Sorten von Kimchi kaufen. Man konnte auch eine ganze frittierte und panierte Flunder am Spieß kaufen, also alles, was das Herz begehrt. Aber da die Reisknödel in Paprikasoße ziemlich satt gemacht haben, konnte ich mich gerade noch zurückhalten einen Schweinfuß auf einmal zu verschlingen und bin etwas weiterspaziert, bis ich mich verlaufen habe und dann irgendwie am Dongdaemon ankam, wo ich dann in die U-Bahn gestiegen bin.
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Am nächsten Tag aß ich mit Jonathan, einer Deutschen aus dem Hostel und ihrer Freundin koreanisches Barbecue (Bulgogi). 90 % der koreanischen Restaurants sind Barbecue-Restaurants, daher hat sich dort eine ganz eigene Kultur entwickelt. Man muss normalerweise mindestens für 2 Personen bestellen. Bei 4 Personen bekamen wir 4 große Fleischstücke unterschiedlich mariniert, die man auf einem Grill, der in den Tisch eingelassen ist, grillt. Die Kellnerin übernimmt das Grillen für gewöhnlich, wenn nicht so viele Gäste da sind. Dabei wird das Fleisch, nachdem es durch ist, mit einer Schere in kleine Stücke geschnitten. Wie in allen koreanischen Restaurants gibt es dazu eine Auswahl an Beilagen (Banchan), zu denen Kimchi, eingelegter Rettich, Kartoffelsalat, Fischmehlpfannkuchen, etc. zählen, wie auch speziell für das Barbecue diverse Dips, Soßen und Salatblätter, in die man die gedippten Fleischstücke einrollt und isst. Von den Beilagen darf man sich für gewöhnlich so oft nachholen, wie man möchte. Schade, dass es so wenig koreanische Restaurants in Deutschland gibt, denn die koreanische Küche hat echt leckere Sachen zu bieten. Was in China sehr berühmt ist als koreanisches Gericht ist Dolsot Bibimbap. Das ist Reis mit diversem Gemüse, einem Ei und einer Paprikapaste im heißen Steinpott. Das klingt jetzt ziemlich langweilig, schmeckt aber hervorragend und ist freilich mit Fleisch modifizierbar. Das ganze gibts auch kalt ohne Steinpott, doch dann ists ein bisschen langweiliger. Ein weiteres Standardgericht ist Gimbap, die koreanische Version von Maki-Sushi.
Nach dem Essen gingen wir (ohne Jonathan) in ein Freilandmuseum eines koreanischen altertümlichen Dorfes (Namsangol Hanok Village). Wir haben auch so hippe „Fotografier mich beim Springen“-Bilder gemacht.
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Samstags war ich dann auf dem Konzert, das der ursprüngliche Grund für meine Reise nach Seoul war: Final Fantasy Distant Worlds, in dem Musikstücke des Komponisten Nobuo Uematsu, der diese Stücke für die Videospielreihe Final Fantasy komponiert hatte, von Chor und Orchester unter der Leitung von Arnie Roth inszeniert werden. Es war einfach toll und hat sich gelohnt, auch wenn es mich ärgert, dass ich die Karte vorbestellt habe und die Standardüberweisungsgebühr von Deutschland nach Korea etwa genauso teuer war wie das Ticket an sich, da das Konzert logischerweise auch nicht ausverkauft war.
Abends hatte Jonathan das Gefühl, dass ich zu wenig von Seoul gesehen hätte und dass wir unbedingt nochmal überall hin müssten. So waren wir in einer anderen Einkaufsstraße in Insadong, auf dem Soul Tower, der sich wirklich lohnt, und an diversen anderen Plätzen der Stadt, wo man abends ausgehen kann. Im Seoul Tower hat man eine atemberaubende Aussicht auf Seoul, leider durch Glasscheiben und noch „leiderer“ abends durch Glasscheiben, die die zu starke Beleuchtung der Aussichtsplattform innen spiegeln.
Sonntags fuhr ich mit der Deutschen gemeinsam zum Flughafen. Der erste Shuttlebus, der uns zum Flughafen bringen sollte war leider schon voll besetzt. Ich dachte dann, wenn das noch ein paar mal so ist, dann kommen wir wohl nie zum Flughafen. Das wäre nunmal das Los, wenn vor der eigenen 7 andere Stationen liegen und an dieser Station soviele Leute warten, dass man damit einen halben Bus füllen könnte. Doch der zweite Shuttlebus war fast leer und so gings zum Flughafen. Im Flughafen gab es eine traditionelle koreanische Aufführung in einem Teeladen.
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Bevor ich mit dem Reisebericht weitermache muss ich mich nur einmal kurz darüber aufregen, dass in China einfach nichts auf Anhieb funktioniert. Das hat im Gegensatz zu allen anderen Sachen, für die man nur Glück benötigt, überhaupt nichts mit Glück zutun. Es ist daher die Regel, und diese ist absolut: „Wenn man etwas möchte (Amt, Bank, Post, etc.), was auch nur ansatzweise aus der Reihe fällt, dann gehts nicht, auch wenn es gehen müsste.“ Jedoch, wenn man lang genug diskutiert, denn Diskutieren macht ja Spaß (genauso wie Gräten im Fischgericht, oder Knochen und Knorpel im Gulasch), kann man das, was vorher noch völlig unmöglich war, möglich machen. Es geschehen somit geschätzt eine halbe Millarde Wunder in China pro Tag. Manche davon in 5 Minuten, manche davon in 10 und manche dauern sicherlich über eine Stunde. Nun wage ich zu behaupten, dass sich die Auftrittshäufigkeit des einzelnen Falls antiproportional zur benötigten Diskussionszeit verhält. Da Chinesen unergründliche Wesen sind, die man mit westlicher Logik (ich erinnere: das chinesische Wort für Logik wurde aus dem Westen importiert) nicht beschreiben kann, kann man auch keine westliche Logik anwenden um meine Behauptung zu beweisen. Nichtsdestotrotz war nun heute der Fall, dass ich mit meiner Notfallvisakarte, die von Visa extra für Notfälle und daher ohne PIN ausgestellt wird, am Schalter der zweitgrößten Chinesischen Bank kein Geld ausgezahlt bekam, obwohl mir das von den Visa-mitarbeitern zugesichert wurde, dass man das kann. Ohne PIN kann man nun kein Geld vom Automaten ziehen, man hat jedoch immernoch die Kartennummer und die Sicherheitsnummer (geschweige denn von meinem Perso und Reisepass als Absicherung), mit denen man im Internet alles bezahlen kann. Ich bin mir auch sicher, dass ich Geld bekommen hätte, wenn ich lange genug diskutiert hätte, was nach meiner These mit der Seltenheit meines Falles in dieser Bankfiliale wohl 5 Stunden und 3 Nervenzusammenbrüche und infolgedessen mindestens 5 Stunden meines wertvollen Lebens gekostet hätte. In Deutschland werde ich künftig zu schätzen wissen, dass die Leute in der Regel Ahnung von ihrem Job haben und bei Komplikationen oder Spezialfällen nachfragen, anstatt von Anfang an zu sagen, dass es nicht geht.
Prost! Achso Happy New Semester to me






