Sven am Samstag, 22. Januar 2011

So langsam wird es mal Zeit über das wichtigste im Leben eines Franzosen zu schreiben..genau, das Essen :). Außerdem wurde die französische Küche im November in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen und ich bin auch noch in der kulinarischen Hochburg gelandet, d.h. lauter gute Gründe sich damit etwas ausführlicher zu beschäftigen.

Wer nun damit viel Gemüse, Kräuter der Provence, leichte Speisen und Fisch verbindet ist nicht in Lyon gelandet…hier geht es sehr fleischig zu. Lyon zählt sich selbst auch stolz zum Norden Frankreichs (wer den Film „Chez les Ch’tis“ gesehen hat stellt sich das einfach anders rum vor, wer ihn nicht gesehen hat holt das schleunigst nach!). Sonst legen die Franzosen sehr viel Wert auf frische Produkte (ok, Fertiggerichte gibt es auch, aber darüber wird eig. meist hergezogen) und man findet auch an jedem Eck nen Markt. Ebenso sind die Käse/Wurst/Gemüse/Fischtheken im Supermarkt viel appetitlicher angerichtet..beim ersten Mal war ich echt erstaunt, dass man Salat im Regal mit Wasser bestäubt. Ist auch echt lustig wie schnell man sich daran gewöhnt, dass die Waren im Supermarkt einfach schöner präsentiert werden – war vor kurzem hier in einem Discounter und fand das äußerst komisch meine Weinflasche selbst aus einem Karton nehmen zu müssen oder das Gemüse so lieblos auf ein Regal geschmissen zu sehen. Weiterhin lässt sich der Franzose auch sehr gerne an der Theke beraten oder hält ein kleines Schwätzchen => der eilige Einkäufer bewegt sich wohl lieber zur abgepackten Ware.

Natürlich muss auch jede Mahlzeit mindestens drei Gänge haben :-). Selbst beim Skifahren – wo unsereiner sein Brötchen, Wecken oder Semmel im Lift auspackt/isst – hat der Franzose eine Tupperschüssel dabei und auf der Piste wird erstmal gemütlich (~1h) gegessen. Oder auch heute beim Frisbee-Turnier haben die meisten als Zwischenimbis erstmal Salat, dann nen Sandwich als Hauptspeise, anschließend einen Kuchen, dann Obst und zuletzt Kaffee gegessen/getrunken. Geht aber auch gut, weil die Hauptspeisen recht klein und eig. darauf ausgelegt sind. Zumindest gibt es extrem wenig dicke Franzosen.

Inzwischen habe ich mir deswegen auch paar franz. Kochbücher besorgt und ist eig. sehr interessant, weil mal anders. Zumindest sind französische Gerichte bei uns nicht so wirklich bekannt (Pizza oder Pasta aus Italien kennt ja jeder..). Toll finde ich die Kombination aus süß und scharf und einfach mal Obst ins Essen zu schmeißen. Beim ersten Mal war ich wirklich etwas unsicher wie geröstete Pinienkerne, Rosinen, Spinat, etwas Chili und angebratener Fisch zusammenpassen können, aber dazu dann ein Baguette und man hat ein spitzen Essen! Oder man kann auch gut mit Walnüssen kochen. Tartes und Quiches sind auch beliebt, meist super lecker, konnte es nur noch nicht selbst probieren da mir ein Backofen fehlt..Pizza bekomme ich inzwischen in der Pfanne hin, aber was Überbackenes wird glaub schwierig ;-). Als BrotBaguetteaufstich kann ich grüne Oliven, Knoblauch, Salz, Pfeffer vermantscht mit Olivenöl sehr empfehlen :-)!

Gewürze sind auch etwas anders, zum Beispiel habe ich hier das erste Mal Ginger entdeckt und Koriander verzweifelt gesucht – gab es nur frisch in einer Schale in der laut Schild noch Basilikum, Schnittlauch, Petersilie, Minze standen. Blöd natürlich, dass ich kein Plan hatte wie Koriander und Minze so aussehen, somit eine 50⁄50 Chance hatte und klar, Minze erwischt habe (war übrigens auch interessant im Essen). Nachdem ich das Ding dann gegoogelt habe, habe ich es beim nächsten Mal mit Blattpetersilie verwechselt…aber jut im Endeffekt schmeckts mir auch nicht :). Aber ein kleiner Beweis, dass Einkaufen manchmal etwas schwierig ist…genauso Hefe (levure boulangère) und Backpulver (levure chimique) sehen leider gleich aus und kann man einfach verwechseln ;-). Deswegen findet man mich auch desöfteren mal mit Wörterbuch zwischen den Regalen.

Weiterhin darf natürlich auch bei keinem Essen Wein und Wasser fehlen – auch eine Sache die ich inzwischen adoptiert habe. Wobei ich leider zugeben muss, dass mir französischer Wein eher weniger schmeckt – teilweise fühlt man sich als hätte man nun eine Ladung Staub im Glas (@Franzosen die das viell. lesen: bitte nicht steinigen!!!). Das Wasser gibt es übrigens im franz. Restaurant so dazu – hat mir vor kurzem ein Franzose ganz erstaunt erzählt, dass er in Deutl. Essen war, der Kellner erst das Wasser vergessen hat und anschließend auch noch jede Flasche auf die Rechnung setzte, dabei wollte er nur Leitungswasser..dass das in Deutschland normal ist wollte er mir erst nicht glauben, hat bis zu dem Tag angenommen einen total unfähigen Kellner gehabt zu haben, tja c’est la vie :). Aber gut, ich kann jedem nur ans Herz legen bei einem Aufenthalt in Frankreich mal in ein typ. französisches Restaurant zu gehen! Man muss ja nicht unbedingt so Zeugs wie Schnecken(escargot) oder Froschschenkel(grenouilles) essen, aber es ist einfach eine nette Erfahrung – leider ganz und gar keine billige :-(. Achja und bitte ein Menü essen, nicht nur ein Einzelgericht! Ist zwar meist nicht ganz so leicht zusammen zu bauen, aber lohnt sich! Karten sind meist so aufgebaut, dass man verschiedene Typen an Menüs hat (z.B. 15⁄17/23 Euro). Darunter befinden sich jeweils mehrere abgetrennte Bereiche, wobei jeder für einen Gang steht. Somit wählt man einfach aus jedem Bereich eins aus und hat sein Menü – doch eigentlich gar nicht sooo schwer ;-). Gute Frage ist noch das Trinkgeld, mit den Studenten mit denen ich bisher weg war hat noch keiner Trinkgeld gegeben…finde ich etwas eigenartig, werde mal aber noch der Sache auf den Grund gehen. Außerdem bestellt normalerweise nicht jeder seinen eigenen Wein, sondern man hat halt immer eine Flasche auf dem Tisch stehen – bezahlt wird reihum. Genau das gleiche passiert übrigens in einer Bar, d.h. man hat plötzlich ein Glas Bier in der Hand und irgendwann muss man halt selbst mal ne Ladung Bier holen.

Soviel zu meiner heutigen kleinen Länderkunde..wie man glaub dem Artikel entnehmen kann, sind das einige der Sachen die mir hier echt unheimlich gut gefallen :).

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