Sven am Sonntag, 24. Oktober 2010

Bisher komme ich mir vor, als wenn ich wieder zurück in die Schule versetzt wurde. Wie schon erwähnt gibt es hier einen festen Stundenplan, der zwar von Woche zu Woche wechselt, aber fast durchgängig 8–18 Uhr beinhaltet. Außer einer Mittagspause von 12–14 Uhr, die natürlich zum Essen genutzt wird – hier darf auch unter keinen Umständen irgendetwas passieren, weil das Essen nimmt bei Franzosen einen unheimlich hohen Stellenwert ein :-). Wahlmöglichkeiten gibt es auch nur im 5. Jahr, wo die Studenten zwischen 4 Modulen wählen können, natürlich gibt es bei Sprachen und Humbugkram mehr Möglichkeiten, aber ich rede hier mal von vernünftigen Kursen ;-). Das ganze findet dann im festen Klassenverbund statt.

Es gibt wie bei uns auch Vorlesungen in der ein Prof mehr oder weniger gut seinen Stoff vorträgt und die Schüler Studenten das entweder von der Tafel kopieren oder die ausgeteilten Folien vervollständigen. Die Kurse sind darauf ausgelegt, dass man es bereits währenddessen versteht und nicht wie bei uns eine gewisse Nachbearbeitungszeit braucht. Qualität variiert natürlich auch nach Prof, ich hatte bisher recht viel Glück und eigentlich ein ähnliches Niveau wie bei uns mit sehr kompetenten Profs. Gibt aber auch genügend Stories in denen der Prof einfach 1 : 1 das abschreibt was im ausgeteilten Skript steht – gestern wurde mir deswegen der Sinn eines Smartphones erklärt, weil man unbemerkt nebenher surfen kann (Laptops hat hier in den Kursen niemand dabei). Interessant auch, dass hier wirklich alle Unterlagen auf Französisch sind, also nicht so wie bei uns mit Englischen Folien. Damit kämpfe ich noch etwas, weil Französisch zuhören, selbst überlegen und französisch wieder zu Papier bringen verursacht noch einen kleinen Knoten im Kopf. Deswegen sind meine Notizen auch durchgängig mehrsprachig, durchaus auch mit einem Wechsel in einem Satz ;-). Weiterhin sollte ich mich mal dringend mit Mathematik beschäftigen…dazu haben sie hier ein durchaus höheres Grundlagenwissen…

Zu fast jeder Vorlesung gibt es TPs (Traveaux practique), also praktische Übungen. Dies ist im Prinzip ein Übungsblatt, das in einer festen Zeit direkt vor dem Computer bearbeitet und von einem Prof beaufsichtigt wird. Das finde ich bisher sehr gut und man lernt dabei recht viel. Die Aufgaben sind auch durchweg interessant, lediglich mit Matlab kämpfe ich noch. Was bei uns Java ist, ist hier Matlab, d.h. damit wird eigentlich von der ersten Stunde alles gemacht. Vor kurzem hatte ich ein TP, welches alternativ auch in C++ gemacht werden konnte. Dafür gab es auch ein Framework und was musste ich da sehen…hier wird auch in französisch programmiert, also mit Variablen und Kommentare in Franz…für das 5. Jahr finde ich das bisschen enttäuschend. Wobei mich würde echt interessieren was mit einer Variablen mit Accent gemacht wird ;-).

Gut, ich bin mal gespannt wie mein Projekt wird…das hört sich bisher an wie eine Mischung aus Praktikum und Seminar, wobei es komischerweise feste Zeiten im Stundenplan hat. Die Themen sind dabei super spannend, z.B. aus dem Bereich Computergrafik: naturgetreue Wassersimulation, Pflanzen, große Landschaften, Rauch oder Computer Vision: Erkennung von Tumoren, Separation gleicher Strukturen.

Abschließend kann man wohl noch sagen, dass auch Franzosen ihre Universität als eine Weiterführung der Schule sehen. Ich ernte immer etwas komische Blicke, wenn ich von meinem Jahr Australien zwischen Schule und Studium erzähle…hier ist alles daraufhin ausgerichtet, so schnell wie nur irgendwie möglich in den Job zu kommen. D.h. schnell Schule, dann ab in die Universität und nichts wie sofort nach 5 Jahren auf den Arbeitsmarkt. Bisher ist mir auch nichts bekannt, dass Leute länger als die Regelstudienzeit brauchen (ok, es gibt eine Möglichkeit mal ein praktisches Jahr bei einer Firma dazwischen zu schieben). Ebenso legt die Uni sehr viel wert darauf ihre Studenten an Firmen zu vermitteln. Praktikum‑ und Jobangebote werden von den Profs gesammelt und aktiv beworben. Weiterhin gibt es auch Ausflüge in Firmen…also alles sehr straight. Eine lustige Anekdote aus den ersten Stunden: da zwischen dem 4. und 5. Jahr eigentlich alle in den Ferien ein Praktikum machen hat jeder kurz in paar Sätzen gesagt wo er war und was er gemacht hat. Gut, da ich noch nie ein externes Praktikum gemacht habe, habe ich meinen fast zweijährigen Werkstudentenjob bei Daimler hergenommen. Irgendwie war das dann die Attraktion, weil keiner verstehen konnte wie man parallel zu seinem Studium irgendwo arbeiten kann und das dann auch noch in dem Themengebiet das man studiert…tja, andere Länder andere Studienbedingungen ;-). Aber jut, dafür dürfen Franzosen ja dann auch schon früher in Rente, ganz egal wie ihr Streik ausgeht. Wobei fairerweise angemerkt sei, dass sie ohne Abzüge auch erst mit jetzt 65 bzw. dann vielleicht in Zukunft 67 gehen können.

Sven am Dienstag, 19. Oktober 2010

Hehe, das war eines der ersten Wörter, welche wir im FLE gelernt haben und nun braucht man es auch sofort. Da ich bereits von mehreren Seiten gefragt wurde, ob ich noch Benzin habe, mein Auto schon brennt oder überhaupt noch auf die Straße kann, hier die Entwarnung. Bisher habe ich von dem ganzen noch nichts mitbekommen.

Anscheinend prügeln sich zwar am Place de Bellecour Polizisten mit Demonstranten und paar Autos brennen. Laut Facebook ist auch irgend eine Uni aus Sicherheitsgründen gesperrt und im Radio kam gerade, dass alle Museen in der Innenstadt zu sind, die Metro nur eingeschränkt verkehrt und noch paar Sachen..aber hier auf’m Campus läuft alles wie gewohnt :-). Und wegen mangelnder Diretto-Ausstattung werde ich mich wohl auch nicht die Tage in die Stadt bewegen.

Weiterhin kam ich am Samstag ohne Zwischenfälle wieder von der Schweiz nach Lyon. Ebenso gibt es hier noch Benzin, hab allerdings vorhin mal sicherheitshalber getankt, da ich am Wochenende mit dem Skiclub wohl in die Alpen fahren werde um die diesjährige Skisaison zu eröffnen :).

Sven am Sonntag, 17. Oktober 2010

Eigentlich gibt es für diesen Beitrag keine passenden Worte…deswegen werde ich die Bilder mehr sprechen lassen, denn Lyon ist einfach eine wunderschöne Stadt! 1998 wurde die Altstadt (Vieux Lyon) zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und ich kanns verstehen :). Alle Facts finden sich natürlich hier.

Die Rhône flussaufwerts Künstlerviertel total überlaufenes Flussufer Ufer der Saône
Fußgängerzone Place de Bellecour Basilica Vieux Lyon Römisches Theater
das ganze von Oben Eifelturm ;-) größte Zigarre der Welt...gibt auch noch eine andere Bezeichnung dafür... Traum einer jeden Frau
Elektrobus traumhaft... Hôtel de Ville Parc
nochmal Parc und nochmal :)      

Ich habe nun schon diverse Städte gesehen und muss sagen Lyon steigt auf jeden Fall oben in der Top 5 ein! Hat einen ähnlichen Stil wie Paris – also wird zum Norden Frankreichs gezählt und noch nicht zum mediterranen Teil – ist allerdings viel kleiner, überschaulicher und nicht so stressig. Kommt allerdings an meine absolute Lieblingsstadt Perth (Australien) und auch nicht an Sydney ran…also sieht nach Platz 3 aus :-).

Jut, warum ist dem so..generell muss man sagen, dass Lyon sehr vielseitig ist. Wenn man mal vom riesigen Campusgelände Villeurbanne Richtung Innenstadt läuft (bzw. lieber Fahrrad fährt), kommt man erst in den Parc de Tête d’ore in dem es riesige Grünflächen, einen See und dazu auch noch einen kostenlosen Zoo gibt. Anschließend findet man einige Geschäftsstraßen mit paar Wolkenkratzern, unter anderem der größten Zigarre der Welt und riesige Einkaufszentren. Wendet man sich dann Richtung Rhône, kann man an deren Ufer wunderschön entlang laufen, auf einem Hausboot einen Café trinken (bzw. abends in eine schwimmende Bar oder/und Disko gehen) und gibt auch Volleyballfelder, Kinderspielplätze usw. Am Wochenende mit dem Fahrrad aber bisschen kritisch, weil man gute Bremsen braucht oder einige Franzosen, die sich gegenseitig auf die Füße treten, über den Haufen fährt…Über eine der vielen Brücken kommt man dann in die Innenstadt mit Oper und Hôtel de Ville mit Fußgängerzone und lauter mittelkleinen Gässchen und einem Künstlerviertel. Überquert man den Place de Bellecour kommt man an die Saône und anschließend in das wunderschöne Vieux Lyon. Kleine Gassen mit Kopfsteinpflaster und alte Häuser werden von der Basilica aufm Berg überblickt. Hier geht es auch kräftig hoch, aber der Blick lohn sich! Nebenbei findet sich auf dem Weg nach oben noch ein großes römisches Theater. Beim Runterfahren sollte man bisschen aufpassen, manche Kurven sind enger als man denkt und wenn man zu schnell ist kann man sich schnell blaue Oberschenkel, Schulter, einen aufgeschürften Ellenbogen und eine kaputte Hose einhandeln…Soviel zu meiner kurzen Stadtführung, wer mehr will kann mich gerne besuchen ;-)!

Achja ich habe bei den Bildern noch einen Elektrobus hochgeladen…ich find das Ding unheimlich faszinierend. Überall finden sich Oberleitungen wie für Trams, aber die Busse fahren ganz normal und hängen oben an der Leitung. Resultat ist: man sieht ein Bus der fährt aber kein Geräusch von sich gibt, absolut strange…jedes Mal wenn ich so ein Ding sehe frage ich mich was wohl passiert wenn der Fahrer nicht aufpasst und in eine Straße ohne Oberleitung abbiegt…oder einem Auto/Fahrrad ausweichen muss ;-).

Sven am Freitag, 8. Oktober 2010

In letzter Zeit konnte ich mich weniger um Frankreich und den Blog hier kuemmern, da ich noch an so einem Project namens MAMPF beteiligt war. Das ist nun allerdings seit Dienstag abgegeben und wer sich dafuer interessiert findet hier die Webseite mit Moeglichkeit zum selber rumspielen und gibt auch noch ein Video :)

MAMPF from MAMPF on Vimeo.

Und nun sitze ich in einem Computerpool und warte bis mein Traveaux Practique anfaengt..Tollerweise haben die das von 8 auf 9 Uhr verlegt, aber natuerlich teilt man sowas nicht mit, dann koennten die Studenten ja eine Stunde laenger schlafen…naechster Artikel wird ueber Lyon, aber auf einer franz. Tastatur ist mir das zu aufwendig ;-). Und selbst wenn man auf English umschaltet ist es kurze Zeit spaeter wieder automatisch franzoesisch…