Ich habe einst von einem Chinesen gehört, dass Nanjing (南京) die grüne Stadt, bzw die grüne Lunge Chinas genannt wird. Da muss er sich vertan haben … Nanning (南宁) ist offiziell die grüne Lunge Chinas. Und das kann ich im Gegensatz zu Nanjing definitiv bestätigen. Es mag auch am tropischen Klima liegen, aber diese Stadt ist wirklich schön … man wird hier wie in einer echten chinesischen Stadt als Ausländer noch angestarrt, es gibt ganz viele Motor-rickshaws, alles ist mit wilden Urwaldbäumen gesäumt, es gibt jeden Tag mindestens einen Platzregen, überall zwischen den Hochhäusern stehen noch gammelige Buden, … Das einzige, was mich hier etwas unglücklich macht ist das Essen. Wenn man alleine unterwegs ist, mag man ja nicht so in die großen Restaurants. Also sucht man nach kleinen Restaurants und Buden, die es auch zu Hauf gibt. Und sie alle haben nur Mifen (米粉), also Reisnudeln mit eingelegtem Gemüse, wahlweise Scharf und Schweinefleisch (Schweinehaut ist nicht mehr so populär) angebraten, in Suppe oder roh. Ich finde es hat ein bisschen was von Nudelsalat mit Essig und Öl.
Die letzten Tage war ich eher faul und bin im Haus geblieben. Ich hab mir gestern noch den Volkspark und die Innenstadt angeschaut. Ansonsten hab ich abends etwas mit Martin unternommen. Dabei durfte ich gestern auch gleich mehrere Beziehungskrisen miterleben und in gewisser Weise auch vermitteln. Gutes Sprachtraining für mein Chinesisch. Ich werde gleich auch nochmal mit ihm und Barry am Fluss sitzen und Hähnchenflügel schnabulieren. Morgen um 10 : 00 gehts dann nach Vietnam, sofern der Hostelbesitzer noch mein Visum beischafft…
Ja Visa für Vietnam zu bekommen ist ganz einfach. Das kann man in den Hostels kostenlos erledigen lassen. Den Bus nach Vietnam nimmt man an der Landong-Busstation, die mit dem Stadtbus auch einfach zu erreichen ist. (Buslinie 6 vom Bahnhof zur Busstation). Das Ticket für den Bus nach Vietnam hab ich mir auch über das Hostel kaufen lassen (Kommission 30 Yuan). Ich habe auch gehört, dass man von hier auch mit dem Zug nach Hanoi fahren kann. Also alles ganz easy.
Da ich nun etwas Zeit habe, solange ich auf mein Visum für Vietnam warte, dachte ich, ich könnte doch kurz mal nen Statusbericht abgeben. Ich bin gestern Morgen gut am Nanninger Bahnhof angekommen, hab mich vollregnen lassen und bin in das Nanning-City-Hostel eingezogen. Ein Amerikaner hat in einer richtig schönen Apartment-Siedlung eine 3-stöckige Wohnung gekauft oder angemietet und betreibt darin sein Hostel. Nanning ist eine schöne Stadt und im Vergleich zu vielen anderen Städten Chinas wird hier im Straßenverkehr so gut wie nie gehupt. Ich bin ganz überrascht über die Stille.
Der Hostelbesitzer hat mich auch gleich mit einem Deutschen, namens Martin, hier bekannt gemacht, der mit 40 Jahren seine Sachen gepackt hat um hier in China zu leben. Er ist drauf und dran eine Metzgerei zu eröffnen. Leider kann er kein Chinesisch und auch recht wenig Englisch, was die Sache etwas schwieriger macht. Er hat mich gestern ein bisschen durch die Stadt geführt und prompt hatte ich nen Sonnenbrand, obwohl die Sonne den ganzen Tag durch Wolken verdeckt war. Abends waren wir mit seinen chinesischen Freunden beim Karaoke. Fast jedes englische Lied war dort falsch geschrieben in der Datenbank. Gefunden hab ich dennoch einiges.
Morgen muss ich mir wirklich auch noch was anschauen hier. Es gibt zumindest 2 Parks im Stadtgebiet, die alle nicht so schlecht sein sollen. Außerdem gibt es noch einen künstlichen See, auf dem es Abends immer eine Lichtershow zu sehen ist. Jetzt wo ich die Lichtershow in Hongkong verpasst habe, kann ich das ja hier wieder gut machen.
Um die Sache nicht ganz so kompliziert und langweilig zu machen, halte ich mich nicht an die Chronologie unseres (Maik und Ich) Hongkongaufenthaltes und berichte einfach über den Trip nach Macau:
Hier:
Größere Kartenansicht
kann man eine Fähre nach Macau nehmen, die erschreckenderweise doch nicht ganz so billig ist. So starteten wir unseren Tagesausflug nach Macau mit einem windschnittigem Boot, das so durch die braune, stürmische See raste. Vor uns wurde munter gebrochen und auch mir wurde ein bisschen flau im Magen. Dennoch kamen wir ohne Zwischenfälle an und konnten uns über einen relativ angenehmen Tag freuen.
Das tolle an Macau ist, dass man um alles wichtige zu sehen wirklich nur einen Tag braucht. Im Gegensatz zu Hongkong, das den Spagat zwischen superschick und supergammlig macht, hat Macau eher den Anschein einer postapokalyptischer mediterranen Zombiestadt, ohne Zombies, brennenden Autos und Raketenwerfern. So als wäre es hier mal schön gewesen, bevor man alles vergammeln lassen hat. Auf den Fotos sieht man das leider nicht, da ich nur die schönen Teile der Stadt fotografiert habe. Aber so im allgemeinen war Macau doch eher trostlos.
Wir sind einmal um die ganze Insel gelaufen und haben uns die einzige richtige Sehenswürdigkeit angesehen, wo man vor lauter Menschen gar nicht mehr durchgekommen ist. Dazu haben wir uns noch eine Kirche und einen Tempel angeschaut und nach einem Café gesucht. Wir haben es versäumt einmal ins Casino zu gehen, weil unser Rückticket nach Hongkong noch am selben Abend ging. Im Endeffekt geht man eigentlich auch nur nach Macau um ins Casino zu gehen. Wir sind schon etwas lame, aber dafür haben wir wirklich kulturell ausgeschöpft, was diese Insel zu bieten hat. Und nun betrachtet die Bilder
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Ich sollte heute eigentlich nach Chengdu in Sichuan fahren. Verena, die Projektleiterin des Goethe-Sprachzentrums hat mir durch Guanxi (关系) zu Neudeutsch „Connections“ eine Unterkunft dort besorgt und mir ganz viele Reiseoptionen vorgelegt und erläutert. Es wär echt schön geworden, denke ich. Ich wäre dann von Chengdu Richtung Himalaya gefahren und wär dann ein bisschen durch die Pampa gezogen, während meine ganzen Sachen, die sicher um die 30 Kilo wiegen, bei Verenas Freund in Chengdu geblieben wären.
Also das war zumindest der Plan. Nur leider geht das nicht immer auf, denn die Natur hat in vielen Teilen Chinas immernoch noch die Oberhand und so ist leider wegen Hochwassers der Zug ausgefallen. Leider erfährt man sowas erst im Bahnhof, wenn man auf den Bahnsteig gehen will. Und so habe ich etwa ne Stunde verbracht um rauszufinden, was eigentlich los ist, und das Ticket wieder zurückzugeben. Es gab teilweise richtige Tumulte an den Ticketschaltern im Bahnhof, weil sich die Leute beschwerten und man sich ewig anstellen musste um endlich mal an der Reihe zu sein, wobei das manche Chinesen umgehen wollten und dann von ihren Landesgenossen zurechtgestutzt wurden. Die Ticketsituation ist derzeit auch recht heikel. Ich musste auch schon die Reise nach Qingdao abbrechen, weil innerhalb der kommenden von 5 Tagen keine Tickets mehr da waren. Und so ist das hier und heute auch. Für die nächsten 3 Tage gibt es keine (Schlafwagen‑)Tickets mehr nach Chengdu oder Nanning und auf über 30 Stunden sitzen hatte ich keine Lust. Wenn man schon ein „alter Ausländer“ (老外, Laowai) ist, dann muss man sich doch ein wenig Luxus gönnen.
Das Ende vom Lied ist nun, dass ich am 23.7. von Nanjing direkt nach Nanning fahre um dort die Formalitäten für Vietnam zu erledigen und dann nach Vietnam zu reisen. Ich hoffe nur, dass die Züge dorthin nicht auch gecancelt werden, sonst muss ich mir nen 170 € Flug dorthin kaufen.
Irgendwie bin ich auch froh nicht zu fahren. In den letzten Tagen wars in Nanjing doch auch recht schön, und sofern man illegal mit nem Roller des ägyptischen Klassenkameraden, namens Islam, fahren kann, kann man auch mal schnell auf den 紫金山 (Zijinshan, Purple Mountain) oder zum 夫子庙 (Fuzimiao, Konfuziusmarkt) fahren und die Sommerabende verbringen. Außerdem kann ich mir jetzt überlegen, ob ich nicht doch noch ein Paket mit Sachen nach Hause schicke. Denn Übergewicht im Flugzeug ist doch recht teuer. Da zahle ich lieber 30 € Porto, als 300 € zuviel Gepäck. Alles hat seine guten Seiten, und solange man nicht in die hypothetischen Alternativdimensionen spicken kann, soll man über entgangene Gelegenheiten nicht traurig sein.
In diesem Sinne,
noch weitere schöne Sommerabende
Matthias
Ich habe lange nicht von mir hören lassen. Nun gibt es aber doch mal nen kurzen Statusbericht abzugeben, denn das Ende naht.
Viele Klassenkameraden sind mittlerweile schon nach Hause zurückgekehrt und ich bin einer der wenigen die hiergeblieben sind. Sowohl Flo, Jolien, als auch mein Mitbewohner sind letzte Woche gegangen. Nun hab ich mich auch schon aufgerafft und meine Abreise geplant. Die Pläne nach Qingdao (青岛) zu fahren sind leider geplatzt, weil es bis zum 22. keine Plätze im Zug mehr gab. Heute habe ich dann ganz einfach ein Ticket nach Chengdu (成都) in Sichuan (四川) für den 19. gekauft. Ich werde dann am 20. in Chengdu ankommen und mir Pandas und Urwald und so anschauen, bevor ich dann um den 25. rum nach Nanning (南宁) fahre. In Nanning kann man ganz easy ein Visum für Vietnam am dortigen Konsulat beantragen und dann per Bus nach Hanoi (河内) fahren. Dort treff ich mich dann mit meinem Mitbewohner Chinh und er führt mich ein bisschen durch Vietnam. Am 13.8. fliege ich dann zurück nach Deutschland und komme um 22 : 55 in Frankfurt an.
Ich habe gestern auch schon Besorgungen gemacht und Geschenke gekauft, aber mein Koffer ist jetzt schon so voll. Ich komme, glaub ich mit mindestens doppelt sovielen T-Shirts zuhause an. Also wer noch etwas haben möchte, melde sich bei mir schnellstmöglich. Das dumme ist nur, dass ich jetzt mit nem riesen Koffer durch die Gegend reise und eine Wage hab ich auch nicht. Ich werde sicher die 20 Kilo überschreiten. Ich werde hier auch Abschied von meiner orangenen Jacke nehmen, die mich über Jahre stets begleitet hat. Heute oder Morgen möchte ich auch noch ein Paket mit Büchern nach Hause schicken. Da muss man zuschlagen, wenn das hier so billig ist.
Ich habe auch noch unendlich viele Bilder, die ich hier noch nicht online gestellt habe. Wann das passiert, weiß ich nicht. Vielleicht kommt auch nur ein Best Of. Mal sehn.
Ich habe das Lied von Madsen:“Schön, dass du wieder da bist!“ geschickt bekommen. Ganz soweit ist es ja noch nicht, aber dennoch: „Ich freu mich auf Zuhause!“
Bis dann Matrosen






