Am darauffolgenden Tag fuhr ich mit einer Reisegruppe nach Longji. Dort gibt es eine chinesische Minderheit und eine schöne Reisterrassenlandschaft. Zuerst besuchten wir das Minderheitendorf, in dem die Frauen extrem lange Haare tragen, die sie je nach Familienstand anders zusammenwickeln. Der Eintritt zu dem Dorf kostete 60元, der nicht bei der Fahrt mit inbegriffen war. Dafür gab es aber noch eine kleine Show mit Tänzen und Kostproben von ihren speziellen Gerichten, die eher 马马虎虎 (māmāhǔhǔ = [PferdPferdTigerTiger] solala) waren.
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Zum Abschluss wurde man noch von Ihnen verabschiedet und man bekam als mann einen besonderen Brauch zu spüren, denn dort zwickt die Frau einem Mann in den Popo, wenn sie ihn attraktiv findet … und das tut ganz schön weh. Nach dem Spießrutenlauf ging es wieder zurück zum Bus, wo einen Andenkensverkäuferinnen den ganzen Weg verfolgten. Wenn ich jedem, der mich auf meiner Reise angesprochen hat, einen Fächer abgekauft hätte, könnte ich nun meinerseits nen Fächerladen aufmachen. Daraufhin stiegen wir nochmal in den Bus, der uns ein Stückchen weiter den Berg hinauf fuhr. Von dort mussten wir den Rest des Weges bis zur Spitze laufen, von wo man einen wundervollen Blick auf die Reisterrassen hatte.
Auf halbem Weg hinauf kam man an einer Siedlung vorbei, wo wir unser Mittagessen einnehmen konnten. Das Essen war leider nur teuer und hat nicht gut geschmeckt.
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Die Fahrt war ganz schön, wenn man sie mit der nach Yangshuo vergleicht. Man hatte zeit für sich und wurde nicht die ganze Zeit umhergejagt und von Fächerverkäufern verfolgt. Leider lohnt sich der Anblick im Winter, bzw. 1 Tag vor Frühlingsanfang wirklich nicht.
Die folgenden Bilder sind vom chinesichen Frühlingsfest, das hier wie Weihnachten und Neujahr zusammen ist. Es war für mich eine Ehre von Laoweis Familie dazu eingeladen worden zu sein. Ich hatte nur in dem ganzen Geldmangel und Reisestress total vergessen irgendetwas mitzubringen. Ich wusste auch gar nicht, was ich adäquates hätte mitbringen sollen und Laowei hatte mir dementsprechend auch nichts gesagt. Das ich wohl dementsprechend etwas unhöflich war, ließ mich Laoweis Cousine mit gezielten Fragen spüren: „Wie ist das in Deutschland? Wenn man irgendwo eingeladen wird, bringt man da eigentlich was mit? Also in China macht man das schon.“ Solche Fragen kamen immer wieder. Im Nachhinein bin ich einfach nur der Meinung, dass sie mich nicht leiden konnte, warum auch immer. Nichtsdestotrotz war ich mit fast der ganzen Familie am Abend vor dem Fest im Restaurant essen, wo mir Laoweis Tante, die Frau seines ältesten Onkels, immer wieder neue Sachen auf den Teller packte, sodass ich irgendwann einfach aufgab, das zu essen, was sie mir hinlegte.
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Am Tag des Frühlingsfestes wird in der Regel im Familienkreis gesessen und Jiaozi gemacht. Ich habe da auch mitgeholfen und unter starker Beobachtung der anwesenden Jiaozi-Spezialisten habe ich auch ein paar Maultaschen gefüllt, die dann aich kontrolliert wurden, ob die Teigtaschen auch wirklich feste zu sind. Zumindest konnte man dann nach dem Kochen auch noch erkennen, welche von denen ich gefüllt hatte. Wenn man seine eigenen Jiaozi wiederfindet und isst, soll das besonders viel Glück bringen. Danach spielte ich noch mit der zickigen Cousine, ihrer Mutter und Laowei Mahjong und verlor natürlich. Dabei fragte mich auch die Cousine, ob ich am mich Tag vorher nach dem Restaurant noch erbrochen hätte, weil ich so viel gegessen hätte. In diesem Moment fragte ich mich, wer von uns beiden nicht höflich und unverschämt ist. Die Antwort war natürlich nicht, auch wenn ich an diesem Morgen kein Frühstück gebraucht habe, weil ich noch satt war.
Nach dem Jiaozi-Essen konnte ich der Tochter von Laoweis ältester Cousine doch noch beweisen, dass man vor Ausländern keine Angst haben muss. Sie hatte vor lauter Angst vor dem rothaarigen Fremden gar nicht mit uns gemeinsam essen wollen, sodass die kleine Familie als quasi Aussätzige in einem anderen Raum gegessen haben. Nun zumindest spielten wir eine sehr einfache Version von Monopoly, bei der wir uns gegenseitig die Geldscheine bündelweise in die Hand gaben. Aber ach jeder Spaß hat mal ein Ende und so ging ich dann zum Zug, der über Nacht nach Shenzhen fuhr, wo man hinfahren muss, wenn man nach Hongkong einreisen möchte.
Man stelle sich vor es sei der 11. Februar, es sei mindestens 10 Grad kälter als am Vortag und man spürt es etwas im Hals kratzen. Zudem sei man immernoch in Guilin und habe an diesem Tag ausgemacht in ein altertümliches Dorf zu fahren.
So hat mich Laowei abgeholt und wir wollten mit nem Überlandbus nach Daxu fahren, ein kleines Dorf, das dafür bekannt ist noch mittelalterliche Häuser zu haben, in denen immernoch Leute wohnen. Und so fuhren wir zur Busstation und stiegen in den Bus. Es schien noch mehr Leute zu geben, die das Dorf sehen wollten, nur war ich der einzige Ausländer. Laowei erzählte mir, dass er dort vor ein paar Tagen selbst war um es ein bisschen auszuchecken, dass er mich nicht zu einem Ort führt, der möglicherweise nicht 好玩儿 (hǎowánr = spaßig) ist. So kannte er auch den Preis für die Busfahrt, die an diesem Tag auf einmal doppelt so teuer war. Wir bezahlten eifrig, doch in Laoweis Seele brodelte es. Auf dem Weg nach Daxu gab es immer mal wieder die Situation, dass der Bus keine weiteren Leute nach Daxu mitnehmen wollte, obwohl Platz genug war. Spätestens jetzt war klar, dass der Geldeinsammler uns alle belurt hatte. Als wir dann fast angekommen waren, revoltierte Laowei und begann mit dem Kassierer zu diskutieren, woraufhin der eine oder andere aus dem Bus auch miteinstimmte. Zu guter letzt sollte ich abgesprochenerweise so tun, als würde ich ein Video machen, bis dann der Mann klein bei gab und uns das zuviel abgeknöpfte Geld zurückgab. Also 5元 kostet der Bus von Guilin nach Daxu, und ich habe mal schnell auf die Persönlichkeitsrechte geschissen und auch wirklich ein Video davon gedreht, das gibts hier zu sehen:
In Daxu war es sehr kalt, aber nachdem man um ein paar Ecken und von den neuen Häusern weggegangen war, kam man zu den alten Häusern. Das war wirklich interessant. Noch interessanter war der ganze Müll, den man in den Vorgärten der neueren Häuser und im Fluss schwimmen sah. Vor allem das kleine stinkende gelbe milchige Bächlein, dass irgendwo zwischen den Häusern hervortrat und im Dorfbach mündete, wo man nicht weit weg jemanden die Wäsche waschen sah. Da fragt man sich immer wieder, wie ein Staat/eine Provinz es sich leisten kann eine Shoppingmall nach der anderen zu bauen, aber den Leuten in den Dörfern kein Abwassersystem und keine Abfallentsorgung zu stellen? Und selbst wenn es keine Abfallentsorgung gibt, wie kann man es schön finden seinen Müll in den eigenen Vorgarten zu werfen? Abgesehen von diesem Müll und Dreck Problem, was mir immer mehr auf den Geist geht, war das Dorf echt sehenswert. Man kann in den alten Häusern meist Sammlerwaren und Antiquitäten kaufen und ein paar chinesische Medizinläden gibt es auch:
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Auf dem Rückweg war es eine Frau, die das Geld im Bus eingesammelt hat. Die wollte von Anfang an nur 5元. Am Nachmittag plante Laowei in einen anderen Park zu gehen, doch ich hatte erst einmal genug Parks gesehen. Zudem war es kalt und ich fühlte mich nicht so wohl. Also spielten wir bei Laoweis Oma Karten und ich trank Erkältungstee. Frieren musste ich trotzdem, da es im Süden Chinas nicht üblich ist eine Heizung und isolierte Wände zu besitzen.
Nun bin ich wieder da, nachdem ich mit meiner Mama und Carmen 2 Wochen quer durch China gereist bin. Die Fotos müssen noch ausgelotet werden und es gibt wieder viel zu erzählen. Ich weiß ja, dass ich noch vom letzten Trip, der über 3 Monate her ist, noch nicht alles berichtet habe und ich bin am Wochenende auch schon wieder unterwegs. Zudem muss ich die vermissten Stunden aufholen und unterrichte jetzt jeden Donnerstag und Freitag im Goethe-Institut. Das wird ganz schön spaßig.
Und weil ich weiß, dass keine Besserung in der Blogeintragsfrequenz bei mir zu verzeichnen sein wird, werde ich auch nichts versprechen. So einfach ist das! Dennoch mache ich mal schnell noch eine Aufstellung an geplanten Einträgen:
Guilin, Daxu und Longji
Hongkong, Macao, Disneyland
Putuoshan
Yangzhou
Beijing
Xi’an
Chongqing und die 3 Schluchtenfahrt
Wuhan und Nanjing
Ningbo
Expo in Shanghai






