Mat am Sonntag, 25. April 2010

Am Tag nach Yangshuo gings für uns schon früh los. Wir wollten noch vor Sonnenaufgang den Park mit dem Elefantenberg besuchen, weil wir hofften, dass so früh noch kein Wächter da ist, der uns Eintrittsgeld abknöpft. Die Rechnung ist nicht aufgegangen, nicht nur, weil ich einerseits im Hotel eingesperrt war und Laowei verschlafen hat, sondern auch weil der Wächter leider schon da war. Aber anstatt jetzt doch die Eintrittskarte zu kaufen, fanden wir eine andere Möglichkeit um in den Park zu kommen. Uns sprach eine nette Dame an, die uns für 20 Yuan, statt den 90 Yuan Eintrittskarte in den Park bringen könnte. Dieses nicht ganz legale, aber wohl allgemein akzeptierte verfahren, sich mit einem kleinen Fischerboot in den Park fahren zu lassen, war schon eine etwas spannendere Alternative, als durch den Haupteingang zu gehen.

Am Ufer des Li-Flusses angelegt, betrachteten wir den Sonnenaufgang und die vielen (Hobby‑)Fotografen, die diesen Moment auf Celluloid, bzw Silicium, bannen wollten. Es sah bei den meisten aber nicht so aus, als wollte es wirklich gut gelingen. Wir machten uns daraufhin auf, den Elefant zu erklimmen.

Auf dem Weg zum Gipfel wurde mir aber etwas anderes gewahr, was mir vorher nie so aufgefallen war (vor allem weil ich noch nie so früh in einem chinesichem Park war). Die Morgenrituale von chinesischen Rentnern.
Was allgemein bekannt ist, dass Chinesen vor allem Morgens Taichi und Qigong machen. Was nicht so bekannt ist, ist dass sie aber auch andere körperliche Betätigungen machen. Sie laufen oft rückwärts und hauen sich dabei auf Schenkel, Po und Brust. Laowei meinte, das machen sie, weil sie damit ihre Sinne schärfen wollen. Aber am interessantesten finde ich, dass sie morgens in den Park gehen und sich einfach die Seele aus dem Leib schreien. Auf dem Berg bekommt das umso besser mit, weil man auf einmal aus allen Ecken des Parks laute Schreie hört. Ich nenne es den Brunftschrei des Chinesen. Es folgt nun eine Fotosession um und vor dem Elefantenberg:

Jetzt mussten wir erst einmal richtig Frühstücken. Auf dem Weg kamen wir an Guilins Gold‑ und Silberpagode vorbei, die des Nachts auch demenstprechend Beleuchtet waren. Es ist sehr Schade, dass wir abends nicht mehr an ihnen vorbei kamen.

Morgens um 5 eingesperrt im Hotel Überfahrt in den Park Der Elefantenfelsen in der Morgendämmerung Guilin
Guilin Guilin                                unterm Rüssel
                                                                                                                            Stierkampf
Stierkampf                                “ich war da”-Bild
                               Die silberne und goldene Pagode      

Wir aßen Frühstück/Mittag in einem Foodcourt im obersten Stock eines Einkaufszentrums am botanischen Garten Guilins, wo wir auch Mittags in der Sonne lagen. Nachmittags besuchten wir dann Guilins 7 Sterne Park, der seinen Namen durch die 7 Berge bekam, die in ihm liegen. Am Eingang wurde man von einem großen 春 (chūn = Frühling) und einem Baum mit ganz vielen roten Laternen begrüßt.

Die Tropfsteinhöhle ist sehr interessant. Wie Laowei mir berichtete war sie einmal ein Widerstandslager gegen die Japaner gewesen. Doch die Japaner haben einen Eingang der Höhle zerstört und durch den anderen einen Giftgasangriff gestartet, sodass diese Höhle das Grab vieler Soldaten geworden ist. Das interessante ist nun, dass man abseits des Touristenpfades noch die alten Gänge der Soldaten sieht.

Da ich die Führung in der Höhle eh nicht verstand und mir die fotofanatischen Chinesen etwas auf den Geist gingen, habe ich mich etwas abgeseilt und bin vorgegangen. Leider ist die Beleuchtung der Höhle immer nur dort angeschaltet, wo der Führer gerade ist, also ging es nicht ganz so gut mich abzuseilen. Außerdem wartete Laowei außen, weil er die Höhle nicht noch einmal besuchen wollte. Als der Ausgang nah war bin ich dann einfach vorgelaufen. Ich traf mich dann mit Laowei am Kamelberg, vor dem Bill Clinton schonmal eine Rede zum Umweltschutz gehalten hat:

Im Park gibt es auch einen Berg, auf dem Affen leben, die in der Abenddämmerung vom Berg herunter kommen. Ich habe mich auch mit einem von ihnen ein Anstarrduell geliefert, was ich verloren habe. Der Affe hat auch gecheatet und mich einfach angeschrien, sodass ich mich erschreckt habe und alle umherstehenden Chinesen mich ausgelacht haben.

Abends war ich dann noch bei Laoweis Onkel, der mir das Hotel besorgt hatte, zum Essen eingeladen und machte bei dieser Gelegenheit noch ein paar Fotos, auf denen die Stickereien der Tante ja nicht fehlen durften.

                                                                                                                            Der kleinste Berg im Park
                                                                                                                            Tropfssteinhöhle
alte Wehrgänge Fancy Kamelberg ein “natürlicher” Wasserfall mit Kontrollraum
die Brücke der drei(zehn) vollen Kreise Affenalarm die Stickerein sind schick
                                      

Und so ging auch dieser Tag zuende. Das schlimme war, dass am folgenden Tag irgendwie plötzlich der Winter zurückkam und wir uns von dem schönen Wetter verabschieden mussten.