Zuerst möchte ich noch einmal rekapitulieren wie der Stand war, bevor ich nach Dandong fuhr. Ich hatte dummerweise meine Kreditkarte sperren lassen, und hatte somit nurnoch Zugriff auf das Konto der Bank of China, das ich glücklicherweise für mein chinesisches Stipendium angelegt hatte. Ich hatte mir das Zugticket nach Dandong schon vor der Sperrung gekauft und so saß ich in der Wartehalle des Bahnhofs von Harbin, mit etwa 100 Euro in der Tasche und einem ungewissen Betrag auf dem chinesischen Bankkonto. In der Wartehalle traf ich einen Neuseeländer namens Tom, der in Dandong wohnt und mir seine Telefonnummer gegeben hatte, falls man mal abends weggehen möchte. Als ich dann am nächsten Morgen in Dandong ankam und den Stand meines Bankkontos abgefragt hatte, bekam ich erst einmal einen Schock: 800元 also etwa 80 Euro. Das war genau der Betrag, der die Fähre nach Südkorea kostet.
„Erst einmal eine Unterkunft finden, die am besten gar nichts kostet, und Freunde, die gerade nicht selbst reisen, fragen, ob sie mir Geld auf mein chinesisches Bankkonto einzahlen“, schwirrte in meinem Kopf umher. Maik hat mir zum Glück am Abend gleich mal Geld eingezahlt und somit meine Reise erst einmal gerettet. Ich schrieb auch Tom eine Nachricht, ob er eine Couch oder ähnliches zum Übernachten hätte und meldete mich gleichzeitig bei Couchsurfer an, das für Dandong eine Hand voll Leute anbot, die ihre Couch zur Verfügung stellen. Kurz danach meldete sich auch Tom zurück, der eine Übernachtungsmöglichkeit für mich gefunden hatte. Es war eine renovierungsbedürftige 2-Zimmer Wohnung mit Matratze und kaputtem Bettgestell. Es war in diesem Moment ein Traum, auch wenn ich nachts in Ermangelung einer Decke und einer genügend heizenden Heizung ein wenig fror.
Es meldete sich, kurz nachdem ich zu Mittag gegessen hatte, auch der eine Mensch von Couchsurfer, den ich wegen einer Unterkunft angeschrieben hatte. Er bot mir an mich ein bisschen rumzuführen und so wurde er mein Reiseleiter für die nächsten paar Tage, weil er zurzeit auch nichts besseres zutun hatte. Sein Name war Lüyou (吕游) und er ist ein ehemaliger Informatikstudent, der vor hat in Nigeria Chinesisch zu unterrichten um Geld für eine Europareise zu sparen.
Wir trafen uns am Bahnhof von Dandong, wo ein riesiger roter Mao über den Platz wacht und gingen dann erstmal zu dem Ort, wo jeder Tourist zu allererst hingeht: Zur zerstörten Brücke nach Nordkorea. Damals in einem der Koreakriege hatte China über diese Brücke die nordkoreanische Armee mit Gütern versorgt, weil sie die einzige Eisenbahnbrücke von Nordkorea in die Ausenwelt war. Daher wurde sie von Amerika bombadiert und zerstört. China restaurierte sie zur Hälfte und machte ein Denkmal für die unendliche Freundschaft zweier kommunistischer Staaten daraus. Es wurde auch eine neue Eisenbahnbrücke etwa 50 Meter daneben errichtet, auf der 3 Mal in der Woche ein Zug von Beijing nach Pyongyang fährt. Das Tor in eine andere Welt.
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Am nächsten Tag fuhr ich dann mit Lüyou und einem japanischen Freund, namens Yuki, zum Tigerberg 虎山 um einen restaurierten Teil der chinesischen „Großen Mauer“ zu sehen, der nicht so von Toursiten überlaufen war, wie der Teil bei Beijing. Zudem gibt es hier noch eine Besonderheit: der Berg liegt direkt an der nordkoreanischen Grenze und bietet bei freier Sicht einen tiefen Blick ins Land und am Fuße des Berges hat man die Möglichkeit nordkoreanisches Festland zu betreten, wenn man den Fluss überquert. Leider war die Sicht an diesem Tag sehr dunstig, dafür war aber der Fluss fest zugefroren. Doch zuerst ein paar Bilder von der Mauer und dem Mauermuseum:
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Nachdem wir uns das Mauermuseum angeschaut hatten, was ziemlich unspektakulär war, begaben wir uns auf einen Wanderpfad um den Tigerberg herum. Von einem Geländer unterstützt musste man richtige Kletterpartien an dem Felsen ausführen bis man zu einer Treppe kam, die vom Berg herunter an das Flussufer des Flusses bzw. Baches, der China von Nordkorea trennte, führte. Auf beiden Ufern des Flusses wurde das jeweilige Land mit einem Stacheldrahtzaun geschützt. Doch auf chinesischer Seite gab es genau an dieser Treppe eine Tür im Zaun, und so kann jeder gewitzte Reisende kurz mal schnell aus China ausreisen, den gefrorenen Fluss überqueren und sich auf nordkoreanischem Territorium, aber noch vor dem schützenden Zaun, fotografieren lassen um zu beweisen wie wagemutig er ohne Pass und Visum in Nordkorea war. Doch die Grenzsoldaten, die die am Berg entlang kletternden schon lange im Vorraus sehen kann, muss dann zu dieser Stelle schlendern und mit einer routinierten wenig überzeugten Bissigkeit, die Wagemutigen verscheuchen. Man soll sein Glück ja nicht herausfordern und so gingen wir zurück auf chinesisches Territorium und ich machte von dort aus ein Foto des Soldaten. Danach setzten wir den Rundgang um den Berg fort und waren wieder dort, wo wir die große Mauer zuerst bestiegen hatten.
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Am nächsten Tag zeigten mir Lüyou und ein Freund von ihm 2 der Dandonger Parks. Der erste war der Park um den Fernsehturm, der aussieht wie die halbe Version vom Shanghaier Fernsehturm. Nachts ist er auch so ähnlich erleuchtet … leider hab ich kein Bild davon machen können. Lüyou erzählte auch, dass Nordkorea sich über den Turm beschwert hat, weil er die nordkoreanischen Funksignale überstrahlt. Am Fuße des Berges, auf dem der Turm steht, war noch ein Nonnenkloster. Das war das erste Kloster, das mich wirklich an ein Kloster und nicht an eine Touristenfalle erinnert hat.
Der andere Park hatte auch einen kleinen Tiergarten, obwohl mir die Tiere da eher Leid taten. Kleine Käfige und dreckig. Zu bemerken sei auch, dass in Dandong die Parks, im Gegensatz zu allen anderen Orten in China, an denen ich schon war, nichts kosten. Auf der Spitze des Parks war dann noch die Pagode, auf die man steigen konnte und einen schönen Blick über Dandong hatte.
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Doch später am Abend aß ich noch mit Tom und der kleinen Dandonger Ausländerclique Barbecue. Man bestellte Spieße verschiedener Sorten (Schwein (猪肉), Rind(牛肉), Hühnchen(鸡肉), Tofu(豆腐), Baozi(包子), Pilze(蘑菇), …) und steckte diese in den Aussparung im Tisch, in der mehrere Säulen mit glühenden Kohlen waren. Die Spieße drehte der Tisch automatisch (soviel Luxus muss sein). Zudem gab es noch Schalen auf der Kohle, auf denen man das Gebratene warm halten und zB Muscheln grillen konnte.
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Am nächsten Tag reparierte ich mit Tom noch notdürftig das Bett und machte mich Mittags auf den Weg zur Fähre nach Südkorea. Obwohl der Hafen zu Dandong gehört, liegt er in einer anderen Stadt, namens Donggang (东港), etwa eine Stunde per Bus gen Süden. Am Busbahnhof in Donggang angekommen musste ich noch ein Taxi zum Fährhafen nehmen, wo der Taxifahrer mit mir einen viel zu hohen festen Preis aushandeln wollte. Doch so leicht lasse ich mich nicht beluren und ich machten den Taxameter an. In der Wartehalle war ich erstaunt, wieviel die Chinesen oder Koreaner da mitschleppen. Das ist ja bei Zugfahrten auch schon krass, aber das hat mich echt überrascht:
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