Mat am Montag, 19. Juli 2010

Ich sollte heute eigentlich nach Chengdu in Sichuan fahren. Verena, die Projektleiterin des Goethe-Sprachzentrums hat mir durch Guanxi (关系) zu Neudeutsch „Connections“ eine Unterkunft dort besorgt und mir ganz viele Reiseoptionen vorgelegt und erläutert. Es wär echt schön geworden, denke ich. Ich wäre dann von Chengdu Richtung Himalaya gefahren und wär dann ein bisschen durch die Pampa gezogen, während meine ganzen Sachen, die sicher um die 30 Kilo wiegen, bei Verenas Freund in Chengdu geblieben wären.

Also das war zumindest der Plan. Nur leider geht das nicht immer auf, denn die Natur hat in vielen Teilen Chinas immernoch noch die Oberhand und so ist leider wegen Hochwassers der Zug ausgefallen. Leider erfährt man sowas erst im Bahnhof, wenn man auf den Bahnsteig gehen will. Und so habe ich etwa ne Stunde verbracht um rauszufinden, was eigentlich los ist, und das Ticket wieder zurückzugeben. Es gab teilweise richtige Tumulte an den Ticketschaltern im Bahnhof, weil sich die Leute beschwerten und man sich ewig anstellen musste um endlich mal an der Reihe zu sein, wobei das manche Chinesen umgehen wollten und dann von ihren Landesgenossen zurechtgestutzt wurden. Die Ticketsituation ist derzeit auch recht heikel. Ich musste auch schon die Reise nach Qingdao abbrechen, weil innerhalb der kommenden von 5 Tagen keine Tickets mehr da waren. Und so ist das hier und heute auch. Für die nächsten 3 Tage gibt es keine (Schlafwagen‑)Tickets mehr nach Chengdu oder Nanning und auf über 30 Stunden sitzen hatte ich keine Lust. Wenn man schon ein „alter Ausländer“ (老外, Laowai) ist, dann muss man sich doch ein wenig Luxus gönnen.

Das Ende vom Lied ist nun, dass ich am 23.7. von Nanjing direkt nach Nanning fahre um dort die Formalitäten für Vietnam zu erledigen und dann nach Vietnam zu reisen. Ich hoffe nur, dass die Züge dorthin nicht auch gecancelt werden, sonst muss ich mir nen 170 € Flug dorthin kaufen.

Irgendwie bin ich auch froh nicht zu fahren. In den letzten Tagen wars in Nanjing doch auch recht schön, und sofern man illegal mit nem Roller des ägyptischen Klassenkameraden, namens Islam, fahren kann, kann man auch mal schnell auf den 紫金山 (Zijinshan, Purple Mountain) oder zum 夫子庙 (Fuzimiao, Konfuziusmarkt) fahren und die Sommerabende verbringen. Außerdem kann ich mir jetzt überlegen, ob ich nicht doch noch ein Paket mit Sachen nach Hause schicke. Denn Übergewicht im Flugzeug ist doch recht teuer. Da zahle ich lieber 30 € Porto, als 300 € zuviel Gepäck. Alles hat seine guten Seiten, und solange man nicht in die hypothetischen Alternativdimensionen spicken kann, soll man über entgangene Gelegenheiten nicht traurig sein.

In diesem Sinne,
noch weitere schöne Sommerabende
Matthias

Ein Kommentar zu “Man weiß ja nie, für was es gut war …”

  1. also dann Großer, genieße die letzten Tage in Nanjing! Grüße von zuhaus

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