Mat am Mittwoch, 19. Mai 2010

Man stelle sich vor es sei der 11. Februar, es sei mindestens 10 Grad kälter als am Vortag und man spürt es etwas im Hals kratzen. Zudem sei man immernoch in Guilin und habe an diesem Tag ausgemacht in ein altertümliches Dorf zu fahren.

So hat mich Laowei abgeholt und wir wollten mit nem Überlandbus nach Daxu fahren, ein kleines Dorf, das dafür bekannt ist noch mittelalterliche Häuser zu haben, in denen immernoch Leute wohnen. Und so fuhren wir zur Busstation und stiegen in den Bus. Es schien noch mehr Leute zu geben, die das Dorf sehen wollten, nur war ich der einzige Ausländer. Laowei erzählte mir, dass er dort vor ein paar Tagen selbst war um es ein bisschen auszuchecken, dass er mich nicht zu einem Ort führt, der möglicherweise nicht 好玩儿 (hǎowánr = spaßig) ist. So kannte er auch den Preis für die Busfahrt, die an diesem Tag auf einmal doppelt so teuer war. Wir bezahlten eifrig, doch in Laoweis Seele brodelte es. Auf dem Weg nach Daxu gab es immer mal wieder die Situation, dass der Bus keine weiteren Leute nach Daxu mitnehmen wollte, obwohl Platz genug war. Spätestens jetzt war klar, dass der Geldeinsammler uns alle belurt hatte. Als wir dann fast angekommen waren, revoltierte Laowei und begann mit dem Kassierer zu diskutieren, woraufhin der eine oder andere aus dem Bus auch miteinstimmte. Zu guter letzt sollte ich abgesprochenerweise so tun, als würde ich ein Video machen, bis dann der Mann klein bei gab und uns das zuviel abgeknöpfte Geld zurückgab. Also 5元 kostet der Bus von Guilin nach Daxu, und ich habe mal schnell auf die Persönlichkeitsrechte geschissen und auch wirklich ein Video davon gedreht, das gibts hier zu sehen:

In Daxu war es sehr kalt, aber nachdem man um ein paar Ecken und von den neuen Häusern weggegangen war, kam man zu den alten Häusern. Das war wirklich interessant. Noch interessanter war der ganze Müll, den man in den Vorgärten der neueren Häuser und im Fluss schwimmen sah. Vor allem das kleine stinkende gelbe milchige Bächlein, dass irgendwo zwischen den Häusern hervortrat und im Dorfbach mündete, wo man nicht weit weg jemanden die Wäsche waschen sah. Da fragt man sich immer wieder, wie ein Staat/eine Provinz es sich leisten kann eine Shoppingmall nach der anderen zu bauen, aber den Leuten in den Dörfern kein Abwassersystem und keine Abfallentsorgung zu stellen? Und selbst wenn es keine Abfallentsorgung gibt, wie kann man es schön finden seinen Müll in den eigenen Vorgarten zu werfen? Abgesehen von diesem Müll und Dreck Problem, was mir immer mehr auf den Geist geht, war das Dorf echt sehenswert. Man kann in den alten Häusern meist Sammlerwaren und Antiquitäten kaufen und ein paar chinesische Medizinläden gibt es auch:

lustige Flaschen getrocknete Schildkröte Medizinladen Angriff der Tigerpranke Tausendfüssler, hmm
                                                                                                

Auf dem Rückweg war es eine Frau, die das Geld im Bus eingesammelt hat. Die wollte von Anfang an nur 5元. Am Nachmittag plante Laowei in einen anderen Park zu gehen, doch ich hatte erst einmal genug Parks gesehen. Zudem war es kalt und ich fühlte mich nicht so wohl. Also spielten wir bei Laoweis Oma Karten und ich trank Erkältungstee. Frieren musste ich trotzdem, da es im Süden Chinas nicht üblich ist eine Heizung und isolierte Wände zu besitzen.

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