Mat am Mittwoch, 3. März 2010

Bevor ich mit dem Reisebericht weitermache muss ich mich nur einmal kurz darüber aufregen, dass in China einfach nichts auf Anhieb funktioniert. Das hat im Gegensatz zu allen anderen Sachen, für die man nur Glück benötigt, überhaupt nichts mit Glück zutun. Es ist daher die Regel, und diese ist absolut: „Wenn man etwas möchte (Amt, Bank, Post, etc.), was auch nur ansatzweise aus der Reihe fällt, dann gehts nicht, auch wenn es gehen müsste.“ Jedoch, wenn man lang genug diskutiert, denn Diskutieren macht ja Spaß (genauso wie Gräten im Fischgericht, oder Knochen und Knorpel im Gulasch), kann man das, was vorher noch völlig unmöglich war, möglich machen. Es geschehen somit geschätzt eine halbe Millarde Wunder in China pro Tag. Manche davon in 5 Minuten, manche davon in 10 und manche dauern sicherlich über eine Stunde. Nun wage ich zu behaupten, dass sich die Auftrittshäufigkeit des einzelnen Falls antiproportional zur benötigten Diskussionszeit verhält. Da Chinesen unergründliche Wesen sind, die man mit westlicher Logik (ich erinnere: das chinesische Wort für Logik wurde aus dem Westen importiert) nicht beschreiben kann, kann man auch keine westliche Logik anwenden um meine Behauptung zu beweisen. Nichtsdestotrotz war nun heute der Fall, dass ich mit meiner Notfallvisakarte, die von Visa extra für Notfälle und daher ohne PIN ausgestellt wird, am Schalter der zweitgrößten Chinesischen Bank kein Geld ausgezahlt bekam, obwohl mir das von den Visa-mitarbeitern zugesichert wurde, dass man das kann. Ohne PIN kann man nun kein Geld vom Automaten ziehen, man hat jedoch immernoch die Kartennummer und die Sicherheitsnummer (geschweige denn von meinem Perso und Reisepass als Absicherung), mit denen man im Internet alles bezahlen kann. Ich bin mir auch sicher, dass ich Geld bekommen hätte, wenn ich lange genug diskutiert hätte, was nach meiner These mit der Seltenheit meines Falles in dieser Bankfiliale wohl 5 Stunden und 3 Nervenzusammenbrüche und infolgedessen mindestens 5 Stunden meines wertvollen Lebens gekostet hätte. In Deutschland werde ich künftig zu schätzen wissen, dass die Leute in der Regel Ahnung von ihrem Job haben und bei Komplikationen oder Spezialfällen nachfragen, anstatt von Anfang an zu sagen, dass es nicht geht.

Prost! Achso Happy New Semester to me :-)

Ein Kommentar zu “Geht doch, gibts nicht!”

  1. Jetzt tust du mir echt leid :-( Andere Länder, andere Sitten, wa?

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