Hallo zusammen.
Wer Reisen will in China muss frueh aufstehen! Der Umstand, dass ich das nicht gemacht habe, ist die Ursache, dass ich hier Zeit habe um zu schreiben. Ich sitze nun ziemlich im Nirgendwo im Harbiner Umland und warte darauf, dass die japanische Kriegsbasis in 2 Stunden wieder aufmacht. Ungluecklicherweise waren wir, das sind 2 Australier namens Nick und Jed und ich. Naja haette mir auch denken koennen, denn fuer Chinesen ist die Mittagspause heilig. Auch wenn der Job nur daraus besteht in einem Kabuff zu sitzen, Zeitung zu lesen und wichtig auszuschauen, gibt es haeufig eine Mittagspause, in der man Zeitung lesen, rumsitzen, wichtig ausschauen und obendrein essen und schlafen kann. Lange Rede kurzer Sinn: ich abe nun Zeit einen Blogeintrag zu machen, leider aber nicht die Utensilien dafuer Bilder hochzuladen. Diese werden sicherlich nachgereicht werden!
Fangen wir mal mit letztem Freitag an. Um mich gebuehrlich auf meine 28-stuendige Fahrt vorzubereiten wollte ich Freitag extra-lange aufbleiben und am Samstag so viel wie moeglich Unternehmen, dass ich von der Fahrt so wenig wie moeglich mitbekomme. Das hat dank Jolien und Flo auch ziemlich gut geklappt. Ich hatte Samstag sogar fast zu wenig Zeit, so dass ich ein paar Sachen gar nicht erledigen konnte. Wir waren All-you-can-eat-and-drink Hotpot essen mit kostenlosem Bier. Der Hotpot hat dank dem All-you-can-eat auch fast nur Fleisch gefuettert bekommen. Am Ende habe ich mit Jolien noch die PIXAR-Shortfilm-Sammlung angeschaut und bin dann gegen 1 Uhr nachts Richtung Bahnhof aufgebrochen.
Der Zug, der um 2 Uhr fahren sollte kam 20 Minuten zu spaet. In China gibt es im Grunde 4 Klassen von Plaetzen im Zug. Preislich aufsteigen sind das die Hartsitze (Hardseater), die Weichsitze (Softseater), die Hartbetten (Hardsleeper) und die Weichbetten (Softsleeper). Manchmal gibt es noch VIP, aber das weiss ich nicht genau, was das ist. Ich hatte einen Hardsleeper, welchen man bei so einer Reise mindestens haben sollte. Bei einem Hardsleeper gibt es pro Kabine 6 Betten, rechts und links jeweils 3 Betten uebereinander und keine Tueren zu den Kabinen. Die Betten sind mit Laken, Decke und Kissen ausgestattet. Ich hatte das obere Bett, welches im Vergleich zu den anderen weniger Kopffreiheit hat, man kann sich nicht gerade aufsetzen. Ausserdem muss man ein bisschen klettern, bis man oben ist. Ich fand das aber gar nicht so schlimm, denn ich habe die meiste Zeit eh geschlafen, und wenn ich mich hinsetzen wollte, bin cih einfach heruntergeklettert und habe mich im Gang auf die Klappsitze gesetzt. Ich habe fuer die Reise nach Dandong auch wieder so einen Platz reserviert. Ich fand den Recht schick, vor allem weil die Gepaeckablage auch direkt in greifbarer Naehe war und es niemanden gibt, der auf meinem Bett rumklettert. Die einzige Zeit, in der ich nicht schlafen konnte war gleich nachdem ich im Zug war. Es war ziemlich stickig, und es gab mehrere Schnarcher. Als ich dann eingeschlafen war, ging um 7 Uhr morgens das Aufweckprogramm mit chinesischen Seifenopern im Zugfersehen los. Wer diese Seifenopern kennt, der weiss, dass sie zu 80 Prozent aus aufgebrachten Streiter‑ und Heulereien, gepaart mit bloedsinnigen Slapstickeinlagen, bestehen. Ein riesen Spass, wenn man schlafen will. Ich kann aber versichern, dass ich die Fahrt noch genug schlafen konnte.
Etwa mit einer Stunde Verspaetung traf ich dann in Harbin ein. Mein anfaengliches: „Es ist doch gar nicht so kalt!“ hat sich ziemlich schnell in ein: „Dieser verdammte Wind!“ gewandelt. Die Kaelte hier ist wirklich nicht so schlimm, sofern kein Wind weht. Auf der Suche nach der Jugendherberge, die ich mir herausgeschrieben habe, fragte mich ein Taxifahrer wohin ich wollte und meinte dann, dass es etwa 100 Yuan (10 Euro) bis dahin kosten wuerde. Bei einem Startpreis von 8 Yuan fuer die ersten 2 oder 3 Kilometer, kam mir das ziemlich spanisch vor. Tatsaechlich kostete gestern eine Strecke, die sogar etwas weiter war, nur 32 Yuan. Etwas argwoehnisch behandelte ich dann einen anderen Mann, der mich ansprach, waehrend ich verzweifelt damit kaempfte die Stadtkarte bei gefuehlter Windstaerke 10 zusammenzufalten. Er war anscheinend kein Taxifahrer, der den Auslaender abzocken wollte, sondern sagte mir mit welchem Bus ich fahren muss und wo dieser abfaehrt. Es gibt also noch gute Menschen auf der Welt, bzw. in China.
Das Little Fir International Youth Hostel ist sehr billig (30 Yuan fuer eine Nacht im Mehrbettzimmer), dafuer aber auch ziemlich gammelig. Eine Renovierung ist meiner Meinung nach noetig. Die Sanitaereinrichtungen sind dreckig, stinkig und schimmelig, so wie auch die Zimmer. Lustig ist, dass die Duschen Warmelampen haben. Wenn es einem nach einem Sonnenbad steht, kann man sich gerne in die Dusche stellen. Die Serviceleute sind ziemlich nett und es gibt hier sehr nuetzliche Karten, mit welchem Bus man zu welcher Sehenswuerdigkeit kommt und mehrere Stadtkarten auf denen das auch nochmal eingezeichnet ist. Ich finde das sehr hilfreich. Auch wenn das Hostel nicht im Stadtinneren liegt, ist es dennoch sehr leicht erreichbar: (vom Bahnhof Linie 11 bis 哈医科大学 (ha yike daxue) dann ein bisschen weiter die Strasse entlang und dann dem grossen Jugenherbergsschild folgen). Alles in allem ist es als Unterkunft und Schlafplatz sehr gut geeignet, aber fuer mehr auch nicht. In der Naehe gibt es auch Einkaufszentren und ein Hotel, in dem man Zugtickets kaufen kann, was ich auch gleich fuer Freitag nach Dandong gemacht habe.
Nachdem ich Mittaggegessen habe, habe ich mich gleich in die Stadt aufgemacht um die St.Sofia Kirche anzuschauen. Danach bin ich zur 中央大街 (Zhongyangdajie) eine schoene Einkaufsstrasse, die direkt zum (Songhua Fluss) fuehrt.
Uebrigens hier waren die 2 Stunden im Internetcafe um.
Der Fluss, der zu dieser Zeit natuerlicherweise komplett zugefroren ist, ist im Moment ein Platz, an dem man viele lustige Dinge machen kann. Dazu gehoeren: Schlittschuhlaufen, Eisrutschen rutschen, Schlitten fahren, sich von einer Pferdekutsche auf dem Fluss rumfahren lassen, sich von Schlittenhunden ziehen lassen oder mit Autos auf dem Eis rumzurasen. Ich habe mich dann auch schnell abzocken lassen und bin mit so ner Kutsche mitgefahren. Die 30 Yuan, die es anfaenglich kosten sollte, wurden mit „Extras“ so aufgepeppt, dass ich geglaubt habe es ist wirklich 100 Yuan wert. Naja wie es in China so ist, war es hoechstens 30 Yuan wert. Dann wollten die mich noetigen Schlittenhund zu fahren und am Ende wollte der Kutscher noch Trinkgeld. Das ist schon ziemlich dreist, weil Chinesen Trinkgeld eigentlich als unhoeflich erachten, und ich war leicht sauer.
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Hungrig habe ich mich auf dem Weg zu einem Park namens 兆麟公园 (zhaolin gongyuan) gemacht, in dem auch eine Eisstatuen Austellung sein sollte. Die 50 Yuan Eintritt haben sich gelohnt finde ich. Dennoch Leute mit einer Disney-Phobie sollten nicht hingehen. Denn die Meisten Statuen waren aus Disneyfilmen, es liefen im Hintergrund Disney-Lieder und eigentlich war der ganze Park auf Disney getrimmt.
Noch hungriger suchte ich nach einem netten Platz, um etwas zu Essen. Bei meinem bisherigen Glueck lag natuerlich kein gutes und billiges Chinarestaurant auf dem Weg. Dafuer habe ich einen Imbiss gefunden, der „deutsch chinesische Wurstfabrik“ hiess. Endlich Wuerstchen, die wie Wuerstchen schmeckten. Ich traf dort auch 2 Australier, die zufaellig im selben Hostel wohnen wie ich. Ich war mit denen noch in 2 Bars gestern. Eine hiess „International Jazz Club“, in dem ein Mann 5 Lieder auf dem Saxophon spielte und danach komische Menschen chinesische Eurodance Schlager traellerten. Also irgendwie nix mit Jazz. Die andere Bar war ein russischer Club, in dem House lief. Also auch nicht wirklich interessant.
Rechtschreibefehler bitte ich zu entschuldigen. Ich werde sie bei Gelegenheit ausbessern. Ich bin jetzt mal den australischen Nationalfeiertag feiern
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