Wer nach China reist, darf dem Glück nicht abgeneigt sein. Vor allem nicht dem Glücksspiel. Denn egal, was man hier machen möchte, es gehört eine gehörige Portion Glück dazu. So ist das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reine Glückssache. Wer benötigt schon einen Busfahrplan? Man geht einfach zur nächsten Bushaltestelle und fährt darauf los, sofern der angeschrieben Bus überhaupt kommt und nicht vielleicht Pause macht oder gar nicht mehr die Haltestelle anfährt. Wenn man sich verfahren hat, kann man ja immernoch kostengünstig mit dem Taxi dahin fahren, wo man hin möchte. Das nächste Mal geht man halt zu irgendeiner anderen Bushaltestelle und fährt mit einem anderen Bus. Ich habe bisher das Glück gehabt, immer jemanden dabei zu haben, der sich ein bisschen ausgekannt hat.
Glückssache ist es auch, wenn man die Straße überqueren möchte. Eiserne Regel ist: Das Auto hat immer Vorfahrt, dann kommen die Zweiradfahrer und danach die Fußgänger. Also lieber 5 mal umschauen, bevor mal losgeht, auch wenn man grün hat. Und am besten auf dem Weg auch nochmal schauen, dass man nicht von einem rechts‑ oder linksabbiegendem Taxi umgefahren wird, in dem sicherlich gerade jemand rumkutschiert wird, der sich auf das Busglücksspiel nicht einlassen wollte. Ich habe dereinst eine alte Frau gesehen, die quer über eine mehrspurige Kreuzung gegangen ist. Sie scheint das Glücksspiel wirklich zu lieben.
Man findet in jedem Nachtclub an den Stehtischen einen Würfelbecher mit Würfel. Jenga oder Wackelturm ist hier derzeit auch sehr beliebt. Das Würfelspiel, wie wir es zumindest gelernt haben, ist dem Mäxchen sehr ähnlich. Man schätzt nur reihum wieviel Würfel mit einer gewissen Augenzahl oben liegen. Dabei muss jeder entweder die Augenzahl erhöhen oder die Anzahl der geschätzten Würfel. Ich war da ganz schlecht drin, Jolien hingegen sehr gut. Wir haben hier auch so eine abgewandelte Version von dem Kartenspiel „Arschloch“, ich entschuldige mich nicht für den von mir wissentlich gebrauchten Kraftausdruck. Da war ich übrigens auch eher schlecht und ich beteuere natürlich, dass ich mit den Karten kein Glück hatte. Beim Bowling habe ich auch versagt, achso, natürlich kein Glück gehabt. Das Bowlingcenter hatte auch schon mal goldenere Zeiten gesehen. Die Pins sind regelmäßig schon beim Aufstellen umgefallen, und manchmal hat der Sensor nicht die richtige Anzahl an gefallenen Pins erkannt.
Auch das Essen in der Mensa erfordert Glück. Die Mensa besteht aus 2 Stockwerken. Oben kann man sich Sachen, wie in einem Schnellrestaurant bestellen, unten kann man sich an einer von vielen Schlangen anstellen und, an der Ausgabe angekommen, kann man sich eine oder mehrere Kellen voll von etwa 10 verschiedenen Gerichten aussuchen. Welche Gerichte dastehen, sind reiner Zufall, und wenn man sich ein Gericht vorher ausgesucht hat, dann kann es sein, dass es das nicht mehr gibt, wenn man vorne angekommen ist. Wenn man spät dran ist, werden einem auch die Sachen vor der Nase weggeräumt, wenn es sein muss. Also ein Glücksspiel, welches ich übrigens heute Mittag leider verloren habe. Die tollen Tofubällchen waren dann leider schon weg und weit und breit nicht mehr zu sehen, als ich dann dran war. Also entschied ich mich alternativ für eine Art Paprikagemüse. Was ich nicht gesehen habe, war, dass das nicht nur aus Paprika bestand, sondern auch aus gummiartigen Hähnchenstreifen, und der Geschmack war auch nicht so dolle.
Glück hingegen hatte ich vorletzten Samstag. Da bin ich mit Laowei zu einem Tempel gegangen und habe auf dem Weg ein paar Leute mit Kungfu-Kleidung und –Waffen gesehen. Letzten Samstag bin ich da nochmal hin und habe gefragt, ob ich da mitmachen kann. Es stellte sich heraus, dass die Leute jeden Tag, oder sollte ich sagen jeden Morgengrauen, dort trainieren. Es ist eine von den vielen Ansammlungen von Menschen, die zusammen irgendwas machen, wovon einer weiß, wie es geht, und die anderen machen das einfach nur nach. Das ist in China derzeit Trend. Überall auf öffentlichen Plätzen kann man Leute beobachten, wie sie tanzen oder Taichi machen. Das Tanzen vor Allem Abends auf unbeleuchteten Vorhöfen von riesen Banken oder Büros; Taichi meist im Morgengrauen in Parks oder parkähnlichen Anlagen. So kam ich dann Sonntag und Montag Morgen und machte mit, soweit es ging. Ich muss leider sagen, dass das Alles sehr autodidaktisch abläuft. Jeder macht seinen Kram, es wird wenig gemeinsam gemacht und hauptsächlich wird getratscht und sich gedehnt. Wie die sich verbiegen können ist schon unglaublich. Sonntags nach dem Training haben mich dann auch gleich 2 Leute mitgenommen und wir haben so einen lustigen Kungfu-Anzug gekauft für nur 100 Yuan, also 10 Euro. Montags bin ich dann gleich damit erschienen. Ich muss jetzt mal schauen, wie sich das so ergibt. Die morgentliche Uhrzeit widerspricht etwas meinem Rythmus. Ich habe immer um 8 : 15 Unterricht. Wenn ich unter der Woche also etwas machen will, dann muss ich vor 7 da sein, dass sich das überhaupt lohnt. Am Wochenende hingegen würde alles etwas später laufen, wobei ich dann aber auch um 8 da sein müsste. Alles nicht so optimal. Vielleicht habe ich ja Glück und die verlegen die ganze Sache auf den Abend. Anzeichen dafür gibt es leider nicht.
Aber wer weiß, was mir das Glück sonst noch so beschert? Ich habe mich zumindest schon dran gewöhnt, dass man hier mit Planen nicht sehr weit kommt.
Da ich im Moment zu faul bin, etwas über meine Sightseeing-Touren der letzten beiden Samstage zu berichten, schreibe ich lieber etwas, was wohl für jeden sehr wichtig ist, aber im Alltagsleben viel zu wenig Worte geschenkt werden. Es handelt sich um das Gebiet der Kleideraufbereitung, sprich Wäsche.
Ich habe mit meinen 30 Kilo Gepäcklimit doch sehr darauf achten müssen, dass ich von jeder Kleidungssorte genau die richtige Anzahl mitgenommen habe. Ich glaube ich habe das gut hinbekommen. Letzte Woche kam einer aus Las Vegas im Wohnheim an, sprach kein Wort Chinesisch und stand hilflos da, wie ein begossener Pudel. Der hatte sich mit seinen 4 Koffern darauf eingestellt, dass er nie im Leben mehr waschen muss, naja zumindest solange, wie er in China ist. Ich im Gegensatz mit meinem einzigen Koffer, muss das sehr wohl. Und da beginnt das Dilemma. Wir haben mehrere Waschmaschinen im Wohnheim, die alle mal zufällig funktionieren oder auch nicht. Wenn man eine findet die funktioniert, dann waschen die nur mit kaltem Wasser und es bleiben regelmäßig Waschpulverreste an der Kleidung hängen. Ich bin dazu übergegangen meine Wäsche mit der Hand zu waschen, weil ich da das heiße Wasser aus der Dusche nehmen kann.
Zum Trocknen muss man die Wäsche raushängen, drinnen wird sie nicht trocken. Ich habe schon Angst davor, wenn es im Winter nur regnet und schlechtes Wetter gibt. Außerdem wohne ich im 2. Stock. Meine Wäsche bekommt dann alles ab, was so von den oberen Wohnungen und vom Dach runterfällt. Einen Waschsalon oder geschweige denn einen Wäschetrockner gibt es leider auch nicht in der Nähe.
Ich muss mich wohl damit abfinden mit dreckiger, stinkender und feuchter Wäsche rumzulaufen. Die Devise lautet: Ich muss mich ja nicht selbst angucken (Das machen viele Chinesen auch nicht, so wie die rumlaufen), und man riecht das mit der Zeit auch nicht mehr.
In den letzten Tagen fühlte ich mich nicht so gut. Es wurde letzte Woche schlagartig kälter und ich habe mir gleich mal eine kleine Erkältung eingefangen. Am Freitag und die Tage danach war ich einfach schlecht drauf. Deprimiert, genervt, whatever. Dabei sollte am Wochenende Eva’s Abschied noch gehörig gefeiert werden. Samstag hatte Flo Geburtstag und die Franzosen schmissen auch wieder eine Party. Die war dann doch ganz erheiternd. Am Tag darauf blieb ich die ganze Zeit in der Wohnung, bis wir dann Abends dann mit Eva noch ein letztes Mal so richtig chinesisch gegessen haben. Sie musste den ganzen Abend immer wieder heulen, was eher eine bedrückte Stimmung erzeugte. Zudem hatte Chinh irgendwelche Probleme, die er lautstark am Telefon ausdiskutierte um sich danach schnell zu betrinken. Ich konnte nicht wirklich rausfinden, was das Problem war. Montag morgen aßen wir mit Eva ein letztes Mal Frühstück, bevor wir in den Unterricht gingen und sie zum Flughafen. Die Stimmung war noch bedrückender und es wurde kaum ein Wort gesprochen.
Heute habe ich dann erfahren, dass meine Oma letzten Freitag gestorben ist. Möge sie in Frieden ruhen!
Ich mache mir jetzt Gedanken, ob meine Niedergeschlagenheit nur daher rührt, dass Eva uns verlassen sollte, oder ob man vielleicht doch enger verbunden ist, als nur durch die Luft, die man atmet. So oder so, ich bereue es, dass ich es nicht mehr vor China geschafft habe, meine Oma zu besuchen. Ich hätte es sicher noch reinschieben können. Was soll das lamentieren, ändern kann man doch nichts?
Dies ist die Geschichte von 2 jungen Recken namens Matthias und Maik, die in der ehemaligen größten Stadt der Welt Hangzhou (杭州) ihr Glück finden wollten. Gerüchten zufolge soll Marco Polo selbst dort gewesen sein und sie als die schönste Stadt der Welt betitelt haben. Grund genug einmal eine Reise zu wagen, besonders wenn das Reich der Mitte in der jetzigen Form ihr 60jähriges Bestehen feiert. Und das dürfen natürlich alle Chinesen, mit „alle“ seien nur die Beamten und Büroangestellten bezeichnet, mit freien Tagen feiern, in denen man doch auch mal die schönsten Städte Chinas besuchen kann. Und so machten wir uns entgegen allen Warnungen auf den Weg, begleitet von Millionen von anderen Chinesen.
Freitags um 12 : 30 wollten wir die Fahrt antreten. Ich war nur am Abend vorher wieder mal im Scarlet, bin da auch ziemlich lang geblieben und dachte ich könne ja die Nacht durchmachen. Im letzten Beitrag sieht man die Resultate dieses vergeblichen Versuchs, betrunken und übermüdet einen guten Eintrag zu verfassen. Alles kämpfen und beschäftigen half nichts. Ich legte mich für knapp 2 Stunden aufs Ohr, um dann völlig übermüdet die Hotelreservierung auszudrucken und mit Sack und Pack zur U-Bahnstation zu laufen. Dort traf ich mich mit Maik, der glücklicherweise etwas zum Essen eingekauft hatte, und wir fuhren zum Bahnhof. In China funktioniert das an den Bahnhöfen so ähnlich wie an den Flughäfen. Man muss seine Fahrkarte am Eingang das Bahnhofs vorzeigen und bekommt sein Gepäck kontrolliert. Danach setzt man sich in eine Wartehalle mit verschiedenen „Gates“ und wartet auf das „Boarding“. Wenn das Gate geöffnet wird geht man zum Bahnsteig, an dem der Zug fährt und meist schon bereitsteht, wobei wieder die Karte kontrolliert wird. Im Zug wird dann gegebenenfalls das Ticket nochmals kontrolliert. Wenn der Zug ankommt und man aussteigt, muss man zum Ausgang gehen, der meist nicht mit dem Eingang übereinstimmt. Dort wird dann wieder das Ticket kontrolliert und man hat in der Regel eine Zone mit wartenden Taxis. Was die Kontrolle der Karten angeht, wird nur wirklich im Zug kontrolliert. Alle anderen Kontrollen sind aufgrund der Menschenmassen eher flüchtig. Die großen Bahnhöfe haben meist mehrere Stockwerke, wobei oben oft der Eingang ist und unten der Ausgang. Dies spiegelt den chinesischen Kontrollzwang wieder und resultiert darin, dass man mindestens auch 20 Minuten bevor der Zug losfährt am Bahnhof sein muss. Wir hatten genug Zeit und saßen in der Wartehalle, wo ich von Maik ein Brötchen mit Bohnenpaste aß. Das erinnerte mich vom Geschmack sehr stark an eine Marzipanschnecke, also überraschenderweise gut. Wir fuhren mit einem Expresszug, dessen Route über Shanghai verlief, was die Strecke etwa verdoppelt. Der Zug war Top. Er war ziemlich neu und gut klimatisiert. Also zu gut klimatisiert für meinen Geschmack. Ich versuchte mich vor dem Erfrieren zu retten, indem ich mir einen Pulli anzog, den ich glücklicherweise mitgenommen habe. Maik hat mich deshalb aber das ganze Wochenende aufgezogen. Dafür wurde er aber von kleinen chinesischen Kindern, die hinter uns saßen, ständig in die Seite gezwickt. Mit den Ausländern kann mans ja machen.
In Hangzhou angekommen, nahmen wir dann ein Taxi und ließen uns zum Hotel fahren. An diesem Punkt muss ich mich mal schnell über HRS in Köln aufregen. Über deren Service habe ich ein Hotel buchen wollen. Für das erste, welches wir uns ausgesucht haben, kam einen Tag später eine eMail, dass das Hotel kein Partner mehr von HRS sei, aber dennoch im Angebot von ihnen vorhanden war. Also buchten wir ein anderes, dessen Adresse nur auf Englisch verfügbar war. HRS gab den Ort des Hotels auf der Karte mit Innenstadt von Hangzhou an. Ich dachte: „Super!“ Die Realität war aber nicht „Super!“. Der Taxifahrer konnte mit der Adresse nichts anfangen, sodass er im Hotel anrief um die Adresse zu bekommen. Und dann fuhr der Taxifahrer, und fuhr, und fuhr, und fuhr. Das Hotel lag irgendwo außerhalb in einem Neubaustadtteil. Die Reservierung war auch nicht getätigt worden. Wir bekamen dennoch ein Zimmer und freuten uns über sehr viel Luxus am Arsch der Welt für nur 15 € pro Nacht.
Vom Hotelzimmer aus hatte man diese Sicht auf das Neubaugebiet.
Und so machten wir uns auf, um die Lebensqualität im Hangzhouer Exil zu erfahren. Es war eigentlich echt schön aufgemacht. Alle Bäume waren irgendwie beleuchtet, alles war noch bunter und es war auch alles recht schick angelegt.
Im Gegensatz zu anderen Neubaugebieten, hatten sie hier wenigstens eine Einkaufsstraße mit einer großen Einkaufshalle. Erstaunlicherweise waren sehr viele junge Leute unterwegs und ich wunderte mich, warum bei den Menschenmassen so wenig alte Leute vorhanden waren. Irgendwann fanden wir dann auch mal ein Restaurant, in dem es sehr gutes Essen gab.
Am nächsten Morgen suchten wir einen Bus, der uns in die Stadt bringen sollte. Maik war bei der Taxifahrt aufgefallen, dass wir eine Buslinie (B1) immer wieder überholt hatten. Und so suchten wir eine Haltestelle für diese ominösen B1-Busse, indem wir den vorbeifahrenden Bussen folgten. Wir fanden dann eine Bushaltestelle, die komplett umgittert war und an deren Eingang es ein Drehkreuz gab. Ein Männlein in einem kleinen Kabuff passte auf, dass man auch fleißig die 3 Yuan bezahlte, bevor man durchging. Das ist also die Lösung, wenn eine Stadt keine UBahn hat. Leider hatten wir keinen Sitzplatz, während wir die 45 Minuten in die Stadt fuhren. Dafür konnten wir uns über das Busfernsehen erfreuen, in dem Verkehrsunfälle zwischen 2-Radfahrern und 4-Radfahrern gezeigt wurden, natürlich zur Abschreckung. Da wurden noch und nöcher Rollerfahrer von Autos angefahren und ich musste jedesmal sagen, dass die Schuld eindeutig bei den Rollerfahrern lag. Man muss schon etwas lebensmüde sein, wenn man versucht quer über eine Kreuzung zu kommen, obwohl man eigentlich rot hat. Für Deutsche ist das schwer vorstellbar, aber in China kümmern sich nur die Wenigsten um die Ampelfarbe, vor allem nicht die Radfahrer.
Wir stiegen dann irgendwo in der Innenstadt aus und wollten zum Bahnhof gehen. Auf dem Weg wollten wir auch was mampfen. Nur fanden wir weit und breit kein Etablissement, abgesehen von Mc Donalds, KFC und Burger King, und waren schon völligst verzweifelt und ausgehungert, ich zumindest, bis wir eine Fußgängerzone fanden. Dort gabs auch eine kleine Bude mit mäßig gutem Essen. Etwas weiter südlich füllte sich die Fußgängerzone mehr und mehr, bis man sich nurnoch durchquetschen konnte. Zufälligerweise sind wir also zur Altstadt-Fußgängerzone gekommen.
Ganz am Ende fanden wir sogar eine christliche Kirche vor. So eine Attraktion muss man natürlich sofort fotografieren:
Noch ein paar Bildchen:
Moderne Kunst
Der Trommelturm
Ein kleines Gässchen, das auf nen Berg mit ner Pagode hochführte, wo wir aber erstmal nicht hinwollten
Bäume am Tropf
Und dann standen wir an diesem Kanal. Wir hatten keine Orientierung mehr, es war schon Nachmittag und wir mussten immernoch zum Bahnhof um Rückfahrtickets nach Nanjing zu besorgen. So nahmen wir ein Taxi, das um 2 Ecken fuhr und uns am Bahnhof rausließ. Das hatte sich ja fast nicht gelohnt, aber der Taxifahrer freute sich, da man für die ersten 3 Kilometer pauschal 10 Yuan bezahlt. Am Fahrkartenschalter war die Hölle los, und die letzten 5 Leute vor uns wurden abgespeist, dass es keine Karten mehr gibt. Nach Nanjing gabs zum Glück noch Zugtickets. Diese waren weniger als halb so teuer, wie die Hinfahrttickets. Dafür waren diese auch nicht für einen Expresszug. Nun malten wir uns die schlimmsten Szenarien aus, aber kein Verdruss, die Hauptattraktion von Hangzhou wartete noch auf uns: Der West-See (西湖 Xī-Hú). Dorthin zu kommen ist recht einfach: Man muss einfach nur nach Westen gehen. Es gibt zudem auch keinen Ost‑, Nord‑ oder Südsee, an den man fälschlicherweise geraten könnte. Nur hatten wir keine Ahnung wo der Westen liegt und wir stiegen in einen Bus, der eine Station anfuhr, die übersetzt West-See-Straße hieß. Wir stiegen dummerweise eine Station zu früh aus, weil das auch nicht ganz so einfach ist die Stationen zu zählen und man das Stationenansageband sowieso nicht versteht. Wir freuten uns, dass wir wieder in der Fußgängerzone von vorher standen. Nun aber kauft Maik eine Stadtkarte von Hangzhou und fluchs waren wir am Xī-Hú 西湖. Es war auch gar nicht so viel los:
Hier ein Mann, der den Müll aus dem See fischt.
Wir kauften uns für schlappe 45 Yuan Fährtickets um auf eine Insel im See zu fahren.
Die Insel mit dem hübschen Namen „3 Seen spiegeln den Mond“ (sān tán yìn yuè 三潭印月) besteht aus einem Außenring, einem See in der Mitte und darin wieder ein Inselchen mit einem Pavillon. Zu dem Pavillon führten mehrere Brücken. Also eigentlich ganz idyllisch, wären da nicht so viele Besucher gewesen. Die Krönung waren jedoch die Ramschverkäufer, die kleine Pfeifen verkauften, mit denen man Vogelzwitschern simulieren konnte. Natürlich hatte jedes chinesische Kind eine solche Pfeife gekauft bekommen. Aber nicht nur jedes chinesische Kind, sondern auch jedes zweite chinesische Jungpärchen hatte eine solche. Nun kann man sich vorstellen, dass die Pfeifen auch verwendet wurden; Besonders gerne, wenn man daneben stand. Und so wurde die Insel durch den Donnergroll der Plastikpfeifen in den Vorhof der Hölle verwandelt. Merke: Oropax mitnehmen!
Idyllische Tausend-und-zweisamkeit
Eine Pagode am Seeufer
Maik posiert mal chinesisch
Lemmings
Danke für den Hinweis
An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass wir Westler für die Chinesen eine größere Attraktion darstellten als der West-See. Wir stehlen allem die Schau, einfach durch unsere Anwesenheit. Da wurde überall schnell die Handykamera gezückt und ganz unauffällig ein Foto gemacht. Manchmal wurde man sogar gefragt, ob man ein Foto von uns machen könne. Dieser besonders nette junge Mann, war auch einfach damit zufrieden, dass er auf einem Foto mit uns drauf ist, ohne es selbst zu besitzen. Ich habe auch kurz damit geliebäugelt diesen Blogeintrag „Superstars in Hangzhou“ zu taufen. Ist aber blöd, daher habe ich das gelassen. Ich bin halt noch auf dem Boden geblieben und muss euch, den Lesern, nicht auf die Nase binden, wie toll wir und vor Allem ich bin.
Wenn man also einmal den Duft: „B-Prominenz in der Kölner Innenstadt“ schnüffeln möchte, dann muss man nur zu den chinesichen Feiertagen nach Hangzhou fahren.
Wir verließen auch bald die Insel und fuhren mit Fähre zum Damm, der einen kleinen Teil im Westen des Sees vom See abtrennte. Besonders schön fand ich, dass die Fähren mit „Pleasure Boats“ ins Englische übersetzt wurden.
Und so begingen wir den Damm, und sahen wie schwimmende Scheinwerfer geschleppt wurden. Die Westseite des Sees war tatsählich idyllisch, weil hier keine „Pleasure Boats“ rumfuhren.
Es wurde langsam Dunkel und die Pagode, die man in der Ferne an der Südseite des Sees sehen kann, erstrahlte in hellem Licht:
Der Eintritt zu dieser kostete 40 Yuan. Das fanden wir etwas teuer. Dafür führte aber auch eine Rolltreppe zur Pagode hoch, dass man ja nicht den Berg besteigen musste. Trotzdem entschieden wir uns dagegen und wanderten an der Pagode vorbei.
Hier nochmal grandiose Übersetzungen von Schildern, die an den Treppen auf dem Vorplatz der Pagode standen.
Im Dunkeln ist die Seepromenade noch schöner. Alles ist schön beleuchtet und das Wetter war auch toll zum Laufen. Etwa da, wo wir Mittags am See angekommen sind, wurden abends Lampignons verkauft, die man anzünden und aufsteigen lassen kann. Das sah sehr schön aus. In Deutschland wurden diese ziemlich schnell verboten, nachdem an Silvester mehrere Dachstühle in Brand gesetzt wurden.
Wir suchten noch etwas um Abend zu essen und entschieden uns kurzerhand für das goldene M, weil das leichter zu finden ist, als etwas Chinesisches. So gegen halb 9 fuhren wir dann zurück zu unserem Hotel. Zumindest war das unser Plan. Da machte uns aber die Buslinie einen Strich durch die Rechnung. Denn auf dem Rückweg bog die Linie eine Haltestelle vor der, an der wir Mittags eingestiegen waren, ab und fuhr 2 Blocks parallel die Straße entlang, in der wir unser Hotel hatten. Ganz optimistisch wollten wir nach der Endhaltestelle wieder zurückfahren und dort aussteigen, wo wir uns auskannten. Leider schmiss der Busfahrer alle an der Endhaltestelle raus und der Bus endete ohne Rückfahrt. Es folgte eine einstündige Wanderung zu unserem Hotel. Es war aber sehr interessant, denn dieses Neubaugebiet besteht zu 90 % aus Schulen und den zugehörigen Studentenwohnheimen. Es standen da ganze Parks an 15-stöckigen Hochhäusern gespickt mit 8m² Appartements, in denen man Stockbetten sehen konnte. Es war alles niegel-nagel-neu, aber auch sehr erschreckend. Eine Studentenfabrik, in der Samstag Abend nach 11 kein einziger Laden mehr aufhat. Die Busse in und aus der Innenstadt fahren auch nicht länger als 10 Uhr. Wir kamen auch an einer Straße vorbei, die aussah, als hätte man vor längerer Zeit einfach aufgehört zu bauen. Die Häuser sind alle fertig, nur die Straße ist nicht geteert und die Promenade nur zur Hälfte gepflastert, wobei ein Großteil der rumliegenden Pflastersteine zerbrochen waren.
Am nächsten Morgen versuchten wir zum Bahnhof zu kommen und nahmen dafür wieder die B1. Dem Busfahrplan, der natürlich nur innerhalb der Bushaltestelle einsehbar war, zu urteilen, gab es eine Expresslinie, die am Bahnhof vorbeifuhr. Es stellte sich nur heraus, dass die Line in der Nähe des Bahnhofs Haltestellen hatte, aber nicht daran vorbeifuhr. Knappe 15 Minuten Fußweg erwartete uns noch, bis wir dann am Bahnhof ankamen. Unser Zug war etwas älter, die Sitze etwas unbequemer und alles in allem etwas kleiner. Zum Glück hatten wir noch einen Sitzplatz, denn in China werden auch Stehplätze im Zug verkauft. Wir bereiteten uns auf schreckliche 12 oder mehr Stunden Zugfahrt vor. Wir hatten auch weder was gefrühstückt noch etwas zum Essen dabei. So kaufte ich mir irgendwann nach 6 Stunden ein überteuertes, nicht schmeckendes Mikrowellengericht und eine halbe Stunde später kamen wir ganz überraschend in Nanjing an. Ich stand zwischen Wehmut und Freude, denn einerseits war ich glücklich, dass die Zugfahrt um war, andererseits hat sich das teure Essen gar nicht gelohnt.
Nun, nach einer etwas längeren Pause, gibts mal wieder einen Beitrag. Da ich nämlich ein forbildlicher Student bin, hatte ich letzte Woche wenig Zeit etwas zu schreiben. Und weil ich euch nicht langweilen möchte, gibts nun eine Kurzabriss meiner letzwöchentlichen und bis in diese Woche hineindauernden Aktivitäten: Feiern.
Ich denke jeder kennt die Details, die zu dem Vorgang des Feierns gehören. Auch wenn ich mir jedes mal gesagt habe, dass ich heute mal nicht gehe, wurde ich doch überzeugt, denn die erste Regel lautet: „Wenn es keinen Grund zum Feiern gibt, dann machen wir uns eben einen!“ oder anders ausgedrückt: „Weil wir es können!“ Dementsprechend wurde abends ausgegangen, Alkohol getrunken, getanzt, das ein oder andere ganz schreckliche Feierbild geschossen und am nächsten Morgen nach Belieben aufgestanden. Wenn ich die entsprechenden Leute zu fassen bekomme, werde ich die lang erwarteten, überbelichteten „Partypics“ online stellen. Bisweilen muss man sich leider mit meinem Bericht begnügen.
Beginnen wir mal mit dem Montag, den 21.09.09:
Ich hatte auch Nachmittagsunterricht … danach hab ich Schriftzeichen gelernt. Zudem hab ich mir ab und zu den Hintern kratzen müssen und gegessen hab ich auch 2 mal, soweit ich das noch weiß. Ich habe nebenbei Musik gehört und im Internet gesurft. Sicherlich habe ich auch das ein oder andere auf „Gesichtsbuch“ kommentiert. Ich habe Strom und Wasser verbraucht und Sauerstoff aus der Luft gefiltert und in Kohlendioxid umgewandelt. Das habe ich sogar den ganzen Tag gemacht. Am Ende von diesem habe ich auch geschlafen.
Und so kam der Dienstag:
Mittags beantragte ich meine Aufenthaltsgenehmigung. Ich stand bei der Polizei eine Stunde lang an, weil heute alle möglichen ausländischen Studenten diese beantragen oder abholen wollten. Im Wohnheim angekommen, traf ich Franzi und Eva auf dem Gang. Sie wollten an dem Abend eine Band sehen, mit der sie sich angefreundet haben und von der sie sich Freigetränke erhofften. So gingen Eva, Franzi, Ewald, Flo, Chinh und ich zu besagter Band, die in einer Bar spielten, die auf der Partymeile von Nanjing liegt. 1912 nennt sich die Straße, auf der sich Club an Club und Bar an Bar reiht. Umschlossen wird das ganze von McDonalds, KFC und BurgerKing. Die vierköpfige Band war nicht schlecht und sehr aufgeschlossen, was Liedwünsche anging. Sie wollte sich aber nicht auf Bohemian Rhapsody einlassen, ich weiß gar nicht warum ^^. Wir haben leider nichts ausgegeben bekommen und so trank ich das gute Tsingtao-Bier, welches mit 25 Yuan (3 €, 0.3L) das billigste auf der Karte war. Da trank ich auch nicht soviel davon ^^. Das war der erste Vorgeschmack, dass man in China auch teurer als in Deutschland weggehen kann. Da Franzi und Eva im Wohnheim schon vorgeglüht haben, und sich hier nicht so zurückgehalten haben, mussten wir Eva bald nach Auftrittsende zurück ins Wohnheim bringen. Flo wollte unbedingt noch weiterfeiern, also sind wir ohne Ewald und Eva zurück zur 1912 und in einen Club namens 99. Der Club war recht leer, hatte genauso stolze Preise und spielte Hip Hop, so wie eigentlich jeder Club hier. Die Stimmung war recht gelassen und die Chinesen waren alle außer Rand und Band. Eine Chinesin zog Franzi auf ein Podest und tanzte mit ihr. Schon recht bald tanzte sie recht eng, fuhr mit der Hand unters T-Shirt, griff in Franzis Haare und Franzi war völlig perplex. Franzi versuchte immer wieder vergeblich die Finger der Chinesin abzuwehren, ganz zur Belustigung der umstehenden Personen. Irgendwann rette sie sich von ihrem anhänglichen Fan und wurde gleich in den tödlichen Sog einer Polonaise gesogen. Ich erhielt indes einen Anruf von Eva, der es schlecht ging, und sich wünschte, dass wir Heim kommen. Es wütete immernoch die Polonaise und es war fast unmöglich zu allen vorzudringen, um ihnen den Sachverhalt mitzuteilen. Aber ich kann ja das Unmögliche möglich machen und sagte allen Bescheid. Flo blieb, der Rest ging Heim.
Am Mittwoch habe ich erst einmal ausgeschlafen und den Rest Tages rumgedahlt. Ich glaube ich habe gelernt oder war bei den Informatikern im Lab.
Der Donnerstag war wieder etwas spannender:
Eva und Franzi wollten zum Karaoke und ich fand die Idee famos. Wir fanden uns in Flos Zimmer ein, um gemeinsam loszugehen. Nach Äonen des Wartens, bis alle mal irgendwie fertig waren, gingen wir größtenteils los. Am Ende waren wir so 12 Leute. Am Eingang der Bar erwartete uns eine Chinesin, die nur dazu da war, für uns auf den Aufzugsknopf zu drücken, um einen Aufzug zu holen, der uns dann in den ersten Stock des Hauses brachte. An der riesigen Rezeption wurden wir dann zu einem Raum gebracht, der mit ner riesen Couch und nem Flachbild-Fernseher bestückt war. Gestrichen war alles gold und gelb. Im Raum gabs zudem noch 2 Tambourin, 2 Rasseln und 2 Tische. An einem Terminal konnte man mit Touchscreen die Lieder aussuchen. 4 Stunden sollte zu 12. 600 Yuan kosten. Da 2 Koreanerinnen nicht kamen, weil sie sich spontan umentschieden haben, zahlte jeder 60 Yuan, so um die 7 Euro. Dafür gabs dann Bier, eine Früchteplatte und Popcorn. Das Bier sah viel aus, war aber doch allzuschnell leer, ohne das irdengjemand auch nur was gespürt hätte. So wurden noch diverse Flaschen nachgekauft. Das Musikangebot an westlicher Musik war ziemlich begrenzt, aber doch ausreichend. Die Qualität der Karaokeversionen schwankte zwischen ohne Bild/Untertitel, aber Originalmusik und Keyboard-eingespielte E-Gitarre mit den letzten Urlaubsvideos aus Gran Canaria. Besonders schön fand ich ja die Version von Summer of 69, dessen Musikqualität von meinem 20 Jahre altem Casio-Keyboard stammen könnte und dessen Video ein Zusammenschnitt der schönsten Winterlandschaften war. Es schien generell, dass die Videos genau das Gegenteil von dem darstellten, was gesungen wurde. Ab und zu wurde bei den Videos noch ein TV-Logo eingeblendet, natürlcih nur für Recherchezwecke, falls man an dem eben gezeigten Ort mal Urlaub machen möchte. In den 4 Stunden, die wir da verbrachten ist das Programm zum auswählen der Lieder 2 mal abgestürzt. Auf dem Touchscreen sah man einen schönen Windowsdesktop. Da fühlt man sich ja gleich heimisch. Gegen Ende des war meine Stimme etwas angeschlagen, weil ich immer die Lieder singen musste, die keiner singen wollte, aber dennoch ausgesucht wurden, weil sie ja so schön sind. Mit Chinh sang ich „When you believe“, das er jeden Tag, neben den Chipmunks-Christmas-Songs, mindestens einmal hört.
Freitag:
Freitag schleppte ich mich zum Unterricht. Uns wurde eröffnet, dass wir aufgrund der nahenden Ferien am Nationalfeiertag, Unterrichtsstunden vorarbeiten müssen und somit Sonntags von 8 bis 12 Unterricht haben. Eine freudige Nachricht. Eine weitere freudige Nachricht war, dass ich von der Southeast University Nanjing ein kleines 10 monatiges Stipendium von insgesamt etwa 1000 € bekommen werde. Abends ging ich mit Maik und einer seiner chinesischen Praktikantinnen, die sich für den deutschen Namen Helene entschieden hat, zum Uguren essen zu gehen. Dort war es etwas teurer als in den Standardrestaurants, dafür war das Essen wirklich vorzüglich. Wir hatten etwas bestellt, das so ähnlich wie Gulasch war, und noch etwas, das man als Dönerfleisch auf Fladenbrot durchgehen lassen kann. Wenn einem das Heimweh plagt, dann kann man sich zumindest die heimische Dönerbude bekommen. Ich hab sogar im Xinjiekou, das ist einer der großen Einkaufszentren der Stadt, etwas gesehen, das ein Döner sein soll … natürlich chinesiert … Das Fleisch wird vom Spieß geschnitten, mit diversen Sachen vermischt, welche in undurchsichtigen Plastikbehältern lagen, kurz in die Mikrowelle gesteckt, dann in ein dünnes Fladenbrot gesteckt und verkauft. Ich vermute als Salat gibts kein Krautsalat, eher Bambussprossen und Algenstreifen. Naja ich muss das mal testen, und davon berichten. Nach dem Uguren gingen wir ins Don Quichotte. Das ist eine westliche Bar, ganz in der Nähe von meinem Wohnheim. Dor gibts deutsches Bier und jeden Abend Livemusik. Ich war da jetzt schon öfter, und es sind immer die selben beiden, die spielen. Der eine kann einem ganz schön auf den Senkel gehen, wenn er in den hellsten Tönen rumdudelt. So gegen 3 gingen wir dann noch in die Castlebar, die eine Disco ist, in der sich nur „Internationals“ und chinesische Mädels, die sich einen International angeln wollen, verkehren. So spät am Abend sah man eigenlich nurnoch kaputte Gestalten und die ganzen Franzosen und Französinnen, die auch an meinem Geburtstag mit uns im Scarlet waren. Diese sind vor kurzem in ein Haus gezogen und haben mich gleich mal zur Einweihungsparty eingeladen. Um 4 gings heim, zum Glück konnte ich Samstags ausschlafen.
Samstag: Die Reise ins Chateau Francaise
Wir sollten so zwischen 8 und 9 kommen. Gegen 9 trommelten wir mal die Leute zusammen, die mitkommen wollten. Es waren Flo, Chinh, Jonathan, Ewald, Maik und ich. Wir kauften noch etwas Bier und riefen uns Taxis. Die Taxifahrer kannten die Adresse nicht, ebenso wie die Verkäuferin im Laden, in dem wir das Bier gekauft hatten. Nach einer Zeit bekamen wir dann die Adresse lautschriftlich mitgeteilt, die dann ein Taxifahrer kannte. Der andere Taxifahrer fuhr ihm dann hinterher. Wir wurden dann in einem Wohngebiet rausgeworfen, direkt am großen Xiawu-See. Das war ganz in der Nähe von der Stadtmauer und dem tollen Agricultural Carnival. Das half alles nicht, denn wir fanden die Hausnummer nicht. Wir mussten zu 7C-101 oder sowas … bei uns gabs nur 7B-101. Also riefen wir wieder an und wollten uns irgendwo treffen. Das hat auch nicht geklappt und dann wurde auf dem Platz vom Agricultural Carnival ein Feuerwerk gestartet. Zum Glück, sonst hätten wir uns nie gefunden. 2 Franzosen holten uns ab und führten uns zu ihrem Haus. Das lag mitten in einem Wohnpark, nicht weit davon entfernt, wo wir rausgelassen wurden. Vom Haus sinds circa 2 Minuten zum See. Eine geniale Lage, wenn man nicht zur Uni gehen müsste. Das Haus war ziemlich luxuriös. Ein riesen Wohnzimmer mit großer Couchlandschaft. Große Küche mit Küchentisch. Die Zimmer lagen im zweiten Stock. Die habe ich mir aber nicht angeschaut. Zu viert zahlen sie 7000 Yuan pro Monat, im Endeffekt sogar noch zuviel. Das sind etwa 200 € pro Person. Lächerlicher Preis für jemanden, der westeuropäische Wohnungskosten gewohnt ist. Je später der Abend wurde, desto mehr Leute kamen vorbei. Ich habe mich zum ersten mal mit Bino unterhalten, der bei mir im Sprachkurs sitzt und aus Mosambik kommt. Dessen Kumpel kommt aus Namibia und möchte Deutsch lernen. Ich lernte auch Roxane kennen, die aus ‹a href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Suriname“>Suriname</a› kommt. Das ist ein kleiner südamerikanischer Staat, der Niederländisch als Amtssprache hat. Sie kam vor einem Jahr nach China um zu Studieren und ist derzeit Nebenjobtechnisch als Englischlehrerin tätig. Ich sprach noch mit mehreren Franzosen/-innen und einem Newyorker. Chinh hatte sich derweil ziemlich abgeschossen und fing an sich auf der Couch zu veräußern. Ich brachte ihn schnell raus und konnte ihn nicht davon abhalten sich erstmal mit nacktem Oberkörper auf die Straße zu legen. Jetzt musste ich zeigen, wie gut mein Chinesisch ist. Es war nicht gut genug einem unwilligen betrunkenem Vietnamesen zu erklären, dass wir ein Taxi nach Hause nehmen sollten. Nachdem er alle seine Aktienanteile abgestoßen hatte, legte er sich dann wieder auf den Boden. Glücklicherweise kam dann Asaf vorbei und besorgte uns ein Taxi. Mit Asafs und Ewalds Hilfe hieften wir Chinh ins und, am Wohnheim angekommen, aus dem Taxi. Wir brachten Chinh dazu nochmal ein paar Schritte zu gehen und die Treppen zu unserem Zimmer zu steigen, wo er sich dann ins Bett fallen ließ, und auf der Stelle einschlief. Am nächsten Morgen schaffte ich es nur zur zweiten Stunde, denn es war ja Sonntagsunterricht. Bino, der aus Mosambik, kam auch nur zur zweiten.
Sonntag: Endlich mal ausruhen
Montag:
Franzi und Eva wollten heute mal wieder weggehen. Sie waren ja auch Samstags nicht mit dabei. Julin, die Belgierin, hatte jemanden kennen gelernt, der uns Freigetränke in einem Club besorgen sollte. Also gingen wir vier mit Laurent und Chris in den besagten Club, der ziemlich überfüllt war. Nach längerer Zeit des Wartens auf die Freigetränke, kam ein Chinese vom Nachbartisch zu uns rüber. Er gab vor aus Singapur zu sein und fands total toll, dass ich aus Deutschland und Laurent aus Frankreich kommt. Chris, Julin, Eva und Franzi hat er komplett ignoriert. Nachdem der Chinese uns zum zwanzigsten Mal die Hände geschüttelt, beim Reden ins Ohr gespuckt und mir ein freudiges „Heil Hitler“ entgegen geschmettert hatte, waren wir ziemlich genervt. Er erzählte Sachen, die ich nicht ganz verstand. Ich deutete es als Versuch, einen 3er mit irgendwem klar zu machen. Er wurde zunehmend aufdringlich, fasste Laurent ins Haar, umarmte ihn und grabschte in meinen Bart. Wir versuchten ihn zu ignorieren und plötzlich verschwand er und machte sich an Araber ran, die am Tisch neben uns standen. Mit diesen tanzte er ein wenig später auf einem Podest. Eigentlich war der Abend gelaufen … es gab keine Freigetränke, die Mädels wurden völlig ignoriert und wir wollten auch nicht bleiben. Also gingen wir aus dem Club. Auf dem Weg nach draußen, wollte uns der eine gerade die Freigetränke bringen. Die Stimmung war aber im Arsch, und wir gingen Heim. Endlich mal vor 12 zu Hause.
Dienstag:
Heute fand ich die Zeit zur Polizei zu gehen und meine Aufenthaltsgenehmigung und mein Visum abzuholen. Zum Mittagessen traf ich mit Maik. Dann kaufte ich Lernkärtchen für die Schriftzeichen und wir schlenderten noch durch Xingjiekou. An einem Handyladen gabs auf einmal Trouble. Die Leute stürmten aus dem Laden und hatten teilweise Holzleisten in der Hand. Nach einer Weile hatte mich die Neugier doch übermann und ich ging mal nachschauen. Wir vermuteten eine Schlägerei, bei der sich der Wachmann des Hauses verkrümelt hat. Ich sah nichts, nur mehrere Männer in Uniform, on denen zwei ihr Hemd aufgeknöpft hatten. Am folgenden Tag erfuhr ich, dass es wohl gebrannt hatte. Abends wollte ich mich etwas hinsetzen um zu lernen, als ich auf einmal ne SMS von Laurent bekam, dass ich doch in Zimmer 118 kommen solle. Dann rief auch noch Duba an, der wollte, dass ich Julin Bescheid sage, dass sie mal kurz zurückruft. Sie sei in Zimmer 118. Als ich da ankam waren nicht nur Julin und Laurent in Zimmer 118, sondern auch David (dem das Zimmer gehörte), Ewald, Eva, Franzi, 2 Koreanerinnen und Chris. Sie waren gerade dabei ins Scarlet zu gehen. Also zog ich mich schnell um und kam mit. Der Abend war lustig, es wurden viele Fotos gemacht und ein paar betrunkene Inder tanzten alles an, was nicht schnell genug flüchten konnte. Am Ende fuhr ich mit Laurent und Asaf auf Asafs Roller nach Hause.
Mittwoch:
Ich ging nachmittags ins Lab um die Unterschrift für mein Stipendium der SEU entgegenzunehmen. Dabei blieb ich noch etwas im Lab um zu programmieren. Es wurde eine kleine Sitzung einberufen, die daraus bestand sich gegenseitig Mondkuchen zu schenken und ein bisschen Smalltalk zu betreiben. Am folgenden Tag sollte nämlich der Nationalfeiertag Chinas sein. China würde 60 Jahre alt. Ein Grund zu jubeln! Zusätzlich ist am 3. Oktober noch das Herbstfest. An diesem schenkt man sich runde Kuchen, die dem Vollmond nachempfunden sind. Diese Kuchen sind eine recht fette Teigmasse mit einer lustigen Überraschung in der Mitte. Es gibt dazu noch verschiedene Geschmacksrichtungen. Ich hatte einen Mondkuchen mit „grünem Tee“-Geschmack bekommen, gefüllt mit etwas, das ich für Milchreis hielt. Kai hatte mir ein paar Tage vorher einen geschenkt, der einen gekochten Eidotter als Überraschung hatte. Danach sprach ich noch mit Frau Wang, über das Stipendium. Denn ich bekäme es nur, wenn ich auch etwas für das Lab tun werde und sie schlug mir vor, dass ich doch die Paper Korrekturlesen könnte. Ab Anfang November werde ich also Paper lesen, noch und nöcher. Uiuiui, dabei ist Englisch doch gar nicht meine Muttersprache
Ich kam dann vom Lab heim und wurde sofort von Ewald und Chinh überfallen. Chinh wollte mit mir zum Konfuziustempel gehen, Ewald traf am Krankenhaus einen Chinesen, der seit 9 Jahren in Deutschland lebt und der mit uns unbedingt in den Biergarten gehen wollte. Ich entschied mich für den Biergarten, weil ich den Konfuziustempel für den nächsten Tag geplant hatte. Chinh begleitete uns und Julin trafen wir zufällig auch auf dem Weg. So versuchten wir zu 5. ein Taxi zu ergattern. Um diese Uhrzeit unmöglich. Ich schlug vor einen Bus zu nehmen, dessen Route genau dahin führte, wohin wir wollten. Der Bus kam jedoch nicht und wir fanden zuerst ein Taxi. Ich und der Chinese blieben zurück und nahmen den Bus. Wir stiegen eine Haltestelle zu früh aus und der Chinese rannte vorweg, während ich versuchte rauszufinden, wo denn die anderen mittlerweile mit dem Taxi gelandet waren. Nach ganz viel Telefonieren und Rumgerenne, traf man sich dann bei einem Restaurant, namens Swede & Kraut. Dort gabs mehr oder weniger deutsches Essen. Die Palette ging von Schweinebraten bis Pizza. Die Pizza schmeckte auch recht gut udn ich war überrascht, dass der Schinken auf der Pizza nicht schmeckte, als wäre er vorher in Zuckerwasser eingelegt worden. Das chinesische Verständnis von Wurst ist ja eh ziemlich speziell. Da denkt man eher, man äße Kuchen, als dass man Wurst äße. Für den Weg von unserem Campus zu diesem Restaurant hatten wir etwa 1,5 Stunden gebraucht. Zu Fuß wären es weniger als 25 Minuten gewesen. Manchmal ist es hier besser zu Laufen, als mit dem Taxi oder mit dem Bus fahren zu wollen. Am Tag vorher brauchte ich 40 Minuten für 4 Stationen. Zu Fuße wäre man definitiv kürzer gewesen. Danach gingen wir in den Paulaner Biergarten, der heute zufällig sein 2. Oktoberfest feierte. Es spielte eine Coverband aus Österreich, die sich auf Rockklassiker spezialisiert hat. In den Pausen wurde Salsa gespielt und auf einmal gingen ein paar Tanzpärchen ab wie Schmitz‘ Katze. Dafür kostete hier das Weizen über 7 Euro. Die Dose Cola kostete etwa das 20fache von dem, was sie in einem Restaurant kostet. Danach gingen wir Heim und saßen in unserem Zimmer noch etwas zusammen. Eva kam auch vorbei und wir schauten uns lustige Youtube-Videos an, bei denen der Chinese immer genau an den falschen Stellen gelacht hat. Er hatte soweiso das Taktgefühl einer Dampfwalze. Er sprach in Anwesenheit von den Mädels von Titten, Ärschen und Bumsen und hielt es aus, die sieben Stunden an dem Abend an Ewalds langsamen Lippen zu hängen. Eine absolute Meisterleistung, sehr bewundernswert.
Donnerstag:
Und so wurde die Volksrepublik China 60 Jahre alt. Grund zu feiern! Ich sitze nun hier völlig übermüdet um 6 : 30 morgens da, nachdem ich wieder mal weg war. Es gab heute aber nix spezielles zu berichten, und so schließe ich die 2 Partywochen ab und übernehme keine Gewähr, für die Rechtschreibfehler, den falschen Satzbau oder die unverständlichen Textpassagen. Ich werde in ein paar Stunden mit Maik übers Wochenende einen Ausflug nach Hangzhou machen. Diese Stadt soll sehr bekannt für ihre Schönheit sein. Ich bin mal gespannt. Aufgrund der chinesichen Feiertage zum Nationalfeiertag wird wohl dort wohl die Hölle los sein. Ich werde natürlich viele Bilder schießen und mich um die Korrektur des Textes und die peinlichen Bilder nächste Woche kümmern.
Ich habe diese Woche interessante Sachen festgestellt:
1. Chinesen und Inder werden mit zunehmendem Alkoholkonsum homophiler
2. Chinesen sind resistent gegen Krach, ob er nun von Autos, schlechter Musik oder nervigen Geschichtenerzählern verursacht wird
3. Franzosen sind wirklich versnobbt
4. Vietnamesen sind nach einmal zuviel Trinken 5 Wochen krank
5. Connections rulen hier besonders
6. Man kann auch teurer als in Deutschland ausgehen





