Mat am Donnerstag, 12. November 2009

Es war einer dieser Tage, die jeder kennt. Man steht auf, viel zu spät, findet ganz viele Beschäftigungen um sich vom Lernen abzuhalten und dann hat man fast nichts gemacht, bis man sich mit seinen Freunden in der Stadt treffen wollte. So traf ich mich mit Maik, etwas angenervt von den vielen Leuten auf der Straße, die im Gegensatz zu mir nicht die Bestrebungen hatten von A nach B zu kommen. So dachte ich darüber nach, was denn passieren würde, wenn ich mal ausversehen einem dreist sich vorbeischlängelnden Radfahrer einen Stoß gäben, so dass er mitsamt dem Fahrrad umkippt und auf dem Boden landet um damit meine angestaute Wut in den Erdboden abzuleiten. Ich kam zu dem Schluss, dass das wohl doch keine so gute Idee ist. Ich bin ja gewissermaßen ein Repräsentant Deutschlands, wobei ich vielen Mittel-Europäern auch aus dem Herzen sprechen, wenn ich diese Gedanken ausformuliere. Das Gewusel und die Ungeduld der drängelnden Chinesen ist meiner Meinung nach das anstrengenste an China. Im Gegensatz dazu steht das Verhalten eines Chinesen, der an einem Schalter sitzt. Da lässt er sich die Zeit eines meditierenden Mönches, ganz zum Leidwesen der Anstehenden. Gleich ein Grund noch etwas mehr zu drängeln.

Aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mich mit Maik traf um einmal in der Bücherei Avant-Garde vorbeizuschauen. Er meinte, dass es dort abgesehen von Büchern noch viele interessante Sachen zu kaufen gibt, auch im Hinblick, dass man nach Weihnachtsgeschenken ausschau halten kann. Die Bücherei ist einer ehemaligen Tiefgarage gelegen. So ist die Einfahrt der Eingang zur Bücherei. Nach etwa 10 Metern kommt eine Linkskurve und es geht eine Rampe nach oben. Nach der Rampe ist ein ehemaliges Parkdeck. Die Einfahrt mit Rampe und Parkdeck ist alles Laden‑ und Ausstellungsfläche.

Wenn man die Rampe wieder herunterläuft um zur Kasse und zum Ausgang zu gehen, sieht man ein riesiges christliches Kreuz über den Leuten schweben. Das ist, was den Laden avantgardistisch macht … Hajo meinte auf einem Portal, dass man zu deutsch „Gesichtsbuch“ nennt: „Wenn eine kleine Bar in Ulm avantgardistisch ist, weil sie einen Buddha im Laden stehen hat, dann ist das umgekehrt genauso gerechtfertigt!“

Aber nicht nur das massive Kreuz sorgte bei mir für ein Schmunzeln. Da gab es noch die Motivauswahl der Holzbilder, die man dort kaufen konnte. Ein kleiner Saddam für den Nachttisch? Oder wie wäre es mit einer Gallerie von Schwarz/Weiß-Silhouetten der größten Diktatoren der Welt im Wohnzimmer? All das kann man hier kaufen. Mich hätte es ja gereizt den einen oder anderen Hitler, Stalin, Mao oder Michael Jackson als Geschenk los zu schicken, aber wer weiß, was die Leute beim Zoll denken, wenn sie so etwas in einem Paket finden. Vor allem bei nem Michael Jackson ;-)

Ich habe dann das Setting etwas verändert, um ein noch eindrucksvolleres Bild zu erzeugen. Wer findet den Fehler?

Ich habe mir dann noch eine modische „Chanel No5″-Tasche gekauft:

Wobei ich die „Bible-Bag“ –Tasche auch ganz putzig fand.

3 Kommentare zu “Avant-Garde”

  1. Ich finde ja, dass weder Bars mit einem Buddha noch Bars mit einem Kreuz avantgardistisch sind. Sogar Bars, in denen ein am Kreuz hängender Buddha ausgestellt wird, würden dem Anspruch noch nicht gerecht. Wie wäre es mit einer Gedankenbar, in der es nur leere Gläser gibt? Oder ein Gesellschaftsspielezentrum, in dem alle Spielfiguren die selbe Farbe haben, alle Würfelseiten die Sechs und alle Spielkarten Pik-As zeigen? Ein Gemeindezentrum, in dem jeder seien individuellen Glauben ausleben kann? Ich weiß es nicht. Wo fängt Avantgardismus an? Und ist es noch Avantgardismus, nachdem es veröffentlicht und nachempfunden wurde? Oder nur solange es noch in Gedanken des Avantgardisten stattfindet?

  2. zumindest proggokarotin war verdammt avantgardistisch

  3. Ist ein funktionierender Kommunismus deiner Meinung nach schon avantgardistisch? Es gibt nichts zu trinken in den Bars, jeder darf nur das gleiche Würfeln und die gleichen Karten haben, wenn keiner einen Glauben hat, kann jeder seinen individuellen Glauben ausleben. ;-) Du wirfst hier eine recht philosophische Frage über den Begriff „Avantgarde“ auf. Genauso könntest du den Begriff „Apfelkuchen“ hinterfragen (Apfelkuchen ist jetzt in meinem Bericht nicht als Begriff enthalten, dennoch finde ich, dass man darüber nachdeneken könnte). Ist ein Kuchen ein Apfelkuchen, sobald Äpfel enthalten sind? Müssen die Äpfel als Äpfel erkennbar sein? Ist es denn dann noch ein Apfelkuchen, wenn die Äpfel püriert wurden und ist es dann noch ein Apfelkuchen, wenn keine Äpfel mehr enthalten sind, sondern nur Apfelaroma. Ab wann ist ein Gebäck eigentlich ein Kuchen? Darf man überhaupt sagen, dass ein bestimmtes Gebäck kein Kuchen ist? Fragen über Fragen, die man noch nie philosophisch diskutieren wollte.

Trackbacks/Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Du kannst deinen Kommentar nach dem Absenden ändern.