Letzten Sonntag waren wir (Flo, Jolien, Chinh und ich) in einem Teehaus. Naja es war nicht wirklich ein Teehaus. Es war eher ein Teeladen, in den uns der Besitzer einlgeladen hatte. Flo hatte diesen irgendwann einmal kennen gelernt, und nun wollte dieser, dass Flo mal mit seinen Freunden zum Tee trinken vorbei kommt. Er wollte nämlich schon immer ausländische Freunde haben.
Ein bisschen argwöhnisch fuhren wir am frühen Nachmittag, genau richtig zur Kaffee und Kuchen Zeit, mit dem Taxi dorthin. Man roch die Kälte in der Luft, und bekam sie umso mehr am eigenen Leibe zu spüren. So ist doch an diesem Wochenende die Temperatur um ca. 20° Ⅽ gefallen. Freudig wurden wir vom Teeladenbesitzer empfangen. Die Größe seines Ladens wird sich wohl auf 20 m² beschränken. Inmitten dieser Ladenfläche stand ein Tisch, mehrere Hocker und ein thronartiger Stuhl. Das ganze nahm mehr als die Hälfte der Ladenfläche ein und war aus Baumwurzeln geschnitzt. Der, ich nenne ihn jetzt mal „Thron“, sah sehr beeindruckend aus. Wie eine große Hand in die man sich setzen konnte. Noch beeindruckender war der Tisch. Wie gesagt bestand der Tisch aus einer großen Baumwurzel, die um einen Felsen herum gewachsen war und in die Reliefs und Figuren geschnitzt waren. Sowie wurden mehrere ebene Flächen reingeschliffen und eine Anrichteebene für den Tee. Dazu muss man sagen, dass man den Tee traditionell nicht einfach aufbrüht und trinkt, sondern mit einer kleinen Zeremonie verknüpft und eher genießt wie einen guten Whiskey. Zu dieser Zeremonie gehört auch, dass man den ersten Aufguss wegschüttet und die Tassen mehrmals mit heißem Teewasser auswäscht. Der Tisch war nun so geschnitzt, dass man das Auswaschen direkt auf dem Tisch macht und das überschüssige Wasser wie ein kleiner Bach über den halben Tisch in einen kleinen Abfluss rinnt.
Wir setzten uns und der Ladenbesitzer begann sofort mit dem Teezeremonium. Die Teebecher waren nicht größer wie ein Schnapsglas und lagen in einem Topf voll Wasser. Er nahm sie mit einer kleine Zange heraus und spülte sie erstmal mit heißem Wasser aus. Danach brühte er den Tee auf, goss ihn durch einen Sieb in eine Kanne und füllte die Becher damit. Weil der erste Aufguss für gewöhnlich sehr bitter ist, wird er weggeschüttet und so goss er die eben gefüllten Becher über einer kleinen Löwenstatue wieder aus. Er machte einen zweiten Aufguss, den er geschätzt 10 Sekunden lang ziehen lassen hat, füllte ihn in die Kanne um, füllte dann die Becher und reichte mit der Zange jedem von uns einen. Nun ist es dabei den Tee zu genießen. Dafür muss man erst den Duft einatmen, dann gemächlich den Tee schlürfen und ein bisschen im Mund behalten, bevor man schluckt. Mit einer Portion Tee machte er so zwischen 10 und 15 Aufgüsse. Insgesamt gab er uns 4 verschiedene Sorten zum testen. Daraufhin fragte er uns, welcher uns am besten gemundet hat und wir befanden die erste Sorte für die beste. Und so machte er mit der ersten Sorte noch einmal Tee.
Außer uns und dem Ladenbesitzer waren noch mehrere seiner chinesischen Freunde anwesend. Es kamen auch immer wieder neue Leute herein, die keinen Tee kauften, sondern sich dazu setzten und einen Plausch hielten. Leider war mein Chinesisch im Gegensatz zu Flo, Chinh und Jolien nicht gut genug um bei der Konversation mithalten zu können. Vor allem als es offensichtlich um 德国 (Déguó = Land der Tugend, oder auch Deutschland) ging und man weder verstehen konnte um was es geht, noch irgendetwas dazu sagen konnte. Später kamen dann noch 2 Mädels, von denen sich eine Vera genannt hatte. Jolien meinte, dass es ein belgischer Name sei, wohingegen ich sagte, dass er auch in Deutschland weit verbreitet sei. Dazu habe ich 2 Minuten Nachforschungen betrieben und es scheint, dass der Name gegen alle Erwartungen weder aus dem Holländischen, noch aus dem Deutschen, noch aus dem Lateinischen stammt, sondern ursprünglich ein russischer Name zu sein scheint. Hoffen wir einmal, dass Wikipedia recht hat und nicht Babywunder, ka. Später brachte ein weiterer chinesischer Freund 饺子 (Jiǎozi = gebratene Maultaschen) mit und alle wunderten sich, warum ich denn mit Stäbchen essen könne, obwohl ich noch nicht mal chinesisch sprechen konnte. Ich habe mich dann auch gewundert, aber eher über den logischen Zusammenhang …
Nachdem wir dann 5 Portionen Tee getrunken hatten und es draußen allmählich dunkel wurde, fuhren wir wieder Heim. Zum Glück habe ich einen so tollen Orientierungssinn, dass ich Süden und Norden voneinader unterscheiden kann und weiß, dass man in die Richtung zurückfahren muss, aus der man gekommen ist.







Mittwoch, 4. November 2009 um 05:07 |
wow, nicht schlecht, eine anständige Teezeremonie! Falls du mal wieder da vorbeikommst, mach bitte Fotos von dem Laden! Die Beschreibung von Tisch und Stuhl kommt mir recht bekannt vor, hab ich in Thailand auch öfters gesehen. (Aber nur in Läden, also unverkauft, ist recht teuer sowas…)
Mittwoch, 4. November 2009 um 06:20 |
Flo hat Fotos gemacht, auch von Halloween. Ich muss die nurnoch besorgen. Dann werd ich ein paar Bilder posten. Ich hoffe doch, ich darf da noch ein paar mal öfter Tee trinken.