Mat am Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wer nach China reist, darf dem Glück nicht abgeneigt sein. Vor allem nicht dem Glücksspiel. Denn egal, was man hier machen möchte, es gehört eine gehörige Portion Glück dazu. So ist das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reine Glückssache. Wer benötigt schon einen Busfahrplan? Man geht einfach zur nächsten Bushaltestelle und fährt darauf los, sofern der angeschrieben Bus überhaupt kommt und nicht vielleicht Pause macht oder gar nicht mehr die Haltestelle anfährt. Wenn man sich verfahren hat, kann man ja immernoch kostengünstig mit dem Taxi dahin fahren, wo man hin möchte. Das nächste Mal geht man halt zu irgendeiner anderen Bushaltestelle und fährt mit einem anderen Bus. Ich habe bisher das Glück gehabt, immer jemanden dabei zu haben, der sich ein bisschen ausgekannt hat.

Glückssache ist es auch, wenn man die Straße überqueren möchte. Eiserne Regel ist: Das Auto hat immer Vorfahrt, dann kommen die Zweiradfahrer und danach die Fußgänger. Also lieber 5 mal umschauen, bevor mal losgeht, auch wenn man grün hat. Und am besten auf dem Weg auch nochmal schauen, dass man nicht von einem rechts‑ oder linksabbiegendem Taxi umgefahren wird, in dem sicherlich gerade jemand rumkutschiert wird, der sich auf das Busglücksspiel nicht einlassen wollte. Ich habe dereinst eine alte Frau gesehen, die quer über eine mehrspurige Kreuzung gegangen ist. Sie scheint das Glücksspiel wirklich zu lieben.

Man findet in jedem Nachtclub an den Stehtischen einen Würfelbecher mit Würfel. Jenga oder Wackelturm ist hier derzeit auch sehr beliebt. Das Würfelspiel, wie wir es zumindest gelernt haben, ist dem Mäxchen sehr ähnlich. Man schätzt nur reihum wieviel Würfel mit einer gewissen Augenzahl oben liegen. Dabei muss jeder entweder die Augenzahl erhöhen oder die Anzahl der geschätzten Würfel. Ich war da ganz schlecht drin, Jolien hingegen sehr gut. Wir haben hier auch so eine abgewandelte Version von dem Kartenspiel „Arschloch“, ich entschuldige mich nicht für den von mir wissentlich gebrauchten Kraftausdruck. Da war ich übrigens auch eher schlecht und ich beteuere natürlich, dass ich mit den Karten kein Glück hatte. Beim Bowling habe ich auch versagt, achso, natürlich kein Glück gehabt. Das Bowlingcenter hatte auch schon mal goldenere Zeiten gesehen. Die Pins sind regelmäßig schon beim Aufstellen umgefallen, und manchmal hat der Sensor nicht die richtige Anzahl an gefallenen Pins erkannt.

Auch das Essen in der Mensa erfordert Glück. Die Mensa besteht aus 2 Stockwerken. Oben kann man sich Sachen, wie in einem Schnellrestaurant bestellen, unten kann man sich an einer von vielen Schlangen anstellen und, an der Ausgabe angekommen, kann man sich eine oder mehrere Kellen voll von etwa 10 verschiedenen Gerichten aussuchen. Welche Gerichte dastehen, sind reiner Zufall, und wenn man sich ein Gericht vorher ausgesucht hat, dann kann es sein, dass es das nicht mehr gibt, wenn man vorne angekommen ist. Wenn man spät dran ist, werden einem auch die Sachen vor der Nase weggeräumt, wenn es sein muss. Also ein Glücksspiel, welches ich übrigens heute Mittag leider verloren habe. Die tollen Tofubällchen waren dann leider schon weg und weit und breit nicht mehr zu sehen, als ich dann dran war. Also entschied ich mich alternativ für eine Art Paprikagemüse. Was ich nicht gesehen habe, war, dass das nicht nur aus Paprika bestand, sondern auch aus gummiartigen Hähnchenstreifen, und der Geschmack war auch nicht so dolle.

Glück hingegen hatte ich vorletzten Samstag. Da bin ich mit Laowei zu einem Tempel gegangen und habe auf dem Weg ein paar Leute mit Kungfu-Kleidung und –Waffen gesehen. Letzten Samstag bin ich da nochmal hin und habe gefragt, ob ich da mitmachen kann. Es stellte sich heraus, dass die Leute jeden Tag, oder sollte ich sagen jeden Morgengrauen, dort trainieren. Es ist eine von den vielen Ansammlungen von Menschen, die zusammen irgendwas machen, wovon einer weiß, wie es geht, und die anderen machen das einfach nur nach. Das ist in China derzeit Trend. Überall auf öffentlichen Plätzen kann man Leute beobachten, wie sie tanzen oder Taichi machen. Das Tanzen vor Allem Abends auf unbeleuchteten Vorhöfen von riesen Banken oder Büros; Taichi meist im Morgengrauen in Parks oder parkähnlichen Anlagen. So kam ich dann Sonntag und Montag Morgen und machte mit, soweit es ging. Ich muss leider sagen, dass das Alles sehr autodidaktisch abläuft. Jeder macht seinen Kram, es wird wenig gemeinsam gemacht und hauptsächlich wird getratscht und sich gedehnt. Wie die sich verbiegen können ist schon unglaublich. Sonntags nach dem Training haben mich dann auch gleich 2 Leute mitgenommen und wir haben so einen lustigen Kungfu-Anzug gekauft für nur 100 Yuan, also 10 Euro. Montags bin ich dann gleich damit erschienen. Ich muss jetzt mal schauen, wie sich das so ergibt. Die morgentliche Uhrzeit widerspricht etwas meinem Rythmus. Ich habe immer um 8 : 15 Unterricht. Wenn ich unter der Woche also etwas machen will, dann muss ich vor 7 da sein, dass sich das überhaupt lohnt. Am Wochenende hingegen würde alles etwas später laufen, wobei ich dann aber auch um 8 da sein müsste. Alles nicht so optimal. Vielleicht habe ich ja Glück und die verlegen die ganze Sache auf den Abend. Anzeichen dafür gibt es leider nicht.

Aber wer weiß, was mir das Glück sonst noch so beschert? Ich habe mich zumindest schon dran gewöhnt, dass man hier mit Planen nicht sehr weit kommt.

2 Kommentare zu “China, Land des Glücks”

  1. Na dann mal viel Glück!

  2. Na denn, dann weiterhin viel Glück und alles Gute. Schönes Wochenende….und viel Spaß. Family

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