Mat am Sonntag, 20. September 2009

Nachdem ich mich für nen Chinesischkurs angemeldet hatte, hing auch bald eine Namensliste für den (Pre‑)Intermediary Kurs aus, an dem ich teilnehmen sollte. Es wunderte mich nur, dass auch Chinh auf der Liste stand und kein Intermediarykurs angeboten wurde. Das Wochenende über jedoch hatte sich gezeigt, dass ich so gar nichts verstanden habe, was Chinh mir auf Chinesisch sagen wollte (Und das lag nicht daran, dass er so schlecht Chinesisch sprach). Also was sollte er in meinem Kurs, bzw. was sollte ich in seinem Kurs. Und so kam der Montag. Irgendwann zwischen 7 und 8 stand ich da, geduscht und darauf vorbereitet um 8:15 Uhr meine erste Chinesischstunde zu haben. Chinh meinte nur, dass die erste Stunde ausfällt und schlief weiter. Ich war etwas skeptisch und rief noch Flo an, der völlig Schlaftrunken die Tatsache bestätigte. Was sollte ich nur mit meiner gewonnen Zeit machen, in der ich definitiv nichtmehr zurück ins Bett gehen wollte? Ich schaute mir mal an, was die Mensa so an Frühstücksangebot hatte. Ich kaufte mir 2 包子 (bāozi) und etwas, das ich für Milch hielt. Am Getränkestand gabs anbei Trinkhalme, mit denen man das, mit Alufolie versiegelte Fläschchen, mit einem kurzen Stich perforieren und ausschlürfen konnte. Nur war das mit dem Schlürfen nicht so leicht, wenn man unwissenderweise den Trinkjogurt vorher nicht geschüttelt hatte. Ich muss sagen, dass der ziemlich lecker war. „Jetzt fehlt nurnoch Müsli und dann wäre das Glück perfekt“, dachte ich so bei mir. Statt dessen gabs halt eben gefüllte, gedämpfte Hefeteigtaschen. Um mir dann noch die Zeit bis 10 zu vertreiben lernte ich ein bisschen Vokabeln aus dem Buch, welches ich in Deutschland zuletzt hatte. Ich erlag da wiederum einem Trugschluss, denn, alsdann die Stunde begonnen hatte, verstand ich kein Sterbenswörtchen. Ich saß da wie der Ochs am Berg, Chinh hingegen langweilte sich zu Tode. Das konnte man an seiner Miene unweigerlich erkennen. Auch nachmittags wurde es nicht besser. Es war eher noch schlimmer. Ich war etwas deprimiert, denn ich hätte mir schon mehr zugetraut. Chinh war auch nicht gut gelaunt und so war die Stimmung nicht die beste. Meine Euphorie der letzten Tage lag zerborsten am Boden. Ziemlich unförderlich waren dann auch immer Chinhs Kommentare, wenn Leute mit mir reden wollten. Er sagte denen dann immer auf Chinesisch: „Er kann nix“, „Er versteht nichts“, und er hatte verdammt nochmal Recht. Naja zumindest hab ich wenigstens das verstanden. Zudem reichten meine Gespräche mit Chinh meist nicht darüber hinaus, ob wir jetzt essen gehen sollten, wann wir Unterricht haben und ob wir müde sind. Meist glaubte er mir eh nicht, dass ich was verstanden habe.

Dienstag hatten wir dann einen Kurs, der sich damit beschäftigt, wie man in China Texte, Aufsätze oder ähnliches schreibt. Total unpassend für jemanden, der nicht einmal einen einzigen Satz schreiben kann. Ich hatte in Deutschland nur die Umschrift, Pinyin genannt, gelernt, und damit kann man in China nicht viel anfangen. (Nagut man kann in großen Städten Straßenschilder lesen und richtig aussprechen, aber das wars.) Am Ende der Stunde meinte ein anderer Vietnamese nach ein bisschen Smalltalk, warum ich überhaupt im Kurs bin, wenn ich nichts kann. Beim Mittagessen meinte dann noch Jonathan, ein amerikanischer Koreaner, dass das alles eh eine Farce ist. Es gäbe soviele unterschiedlichen Wissensstände, sodass man mehr Klassen brauche, und sowieso einen Einstufungstest. Ich machte mir die Mittagspause über meine Gedanken und entschied mich dann doch in den Elementary-Kurs zu wechseln. Dieser beginnt zwar komplett von vorne, aber im Endeffekt muss ich lesen und schreiben von vorne beginnen. Bei Aussprache, Grammatik und den meisten Vokabeln wird mir zwar langweilig sein, aber dafür kann ich öfter mal schwänzen ohne viel zu verpassen. Ich bin nicht nach China gekommen um danach Chinesische Romane zu schreiben. Ich möchte die Sprache soweit können, um mich gut verständigen zu können und um zumindest das ein oder andere lesen zu können. Was soll also der falsche Ehrgeiz, wenn man dabei zum scheitern verurteilt ist.

Also ging ich zum International Student Office, um mich umzutragen und um die passenden Bücher zu kaufen. Das waren 3 Stück an der Zahl, zusammen etwa 80 Yuan, also ungefähr 10 €. Ein Buch zum Hörverstehen, ein Buch zum Schreiben lernen, und eines für Grammatik und alles zusammen. Danach ging ich ins Lab, nachdem ich mich seit Freitag nichtmehr blicken oder hören lassen habe. Ich wollte noch etwas für das IV-Projekt in Ulm programmieren, aber eigentlich wollte ich schauen, ob jemand an meinen Geburtstag gedacht hatte. Es kam keiner zum Gratulieren, das machte mich etwas traurig, weil Professorin Wang persönlich vorgeschlagen hatte eine kleine Party zu feiern. Aber ich glaube das alles funktioniert in China ein bisschen anders, als bei uns. Hier muss man sich darum kümmern, dass andere auch wirklich eine Party für dich organisieren. Mich hat später irgendjemand gefragt, warum ich denn keinen eingeladen habe, wenn ich feiern möchte. Da ist was Wahres dran. Bei meinem nächsten Geburtstag werde ich es berücksichtigen die Leute zu meiner Party auch einzuladen. Nur wusste ich das damals noch nicht und ich ging etwas geknickt zurück ins Wohnheim.

6 Kommentare zu “Maria, er spricht kein Chinesisch”

  1. Oh je…
    Nicht aufgeben, das wird schon! Ich kenn das wenn man sich ein bisschen dumm vorkommt, weil man wieder die Vokabeln nicht in den Kopf gekloppt bekommt und sich alles selbstständig macht. –.-
    Immerhin arbeitest du doch dran.
    Ich werd mir ein Beispiel an dir nehmen und es dir gleich tun. =)

    Das mit dem Geburtstag tut mir Leid… Ich glaube es hilft nichts wenn ich dir nachträglich „Alles Gute“ wünsche. Lass dir nur gesagt sein dass hier in Deutschland ganz viele an dich gedacht haben! =)

    Ich würd jetzt sagen „Gambare!!“ –>halte durch!; aber das ist japanisch und passt vielleicht nicht so gut. Aber ich kann’s nicht auf chinesisch. Wenn du’s rausfindest lass es mich wissen.
    Dann lernen wir beide ein bisschen. =)

    Zaijian … oder so ähnlich! ^^
    Katharina

  2. lass bitte dein hübsches Köpfchen nicht hängen und organisiere sofort eine Nachfeier!
    und ins Chinesisch musste dich halt jetzt einfach reinschmeißen, dann muss Chinh in zwei Wochen so ne Sachen nicht mehr sagen ;-)
    Viel Glück! Du schaffst das!

  3. Ach ja! Und fordere die Leute einfach auf, bitte etwas langsamer und deutlicher zu sprechen. Wirkt vielleicht doof, wirkt beim Verständnis aber Wunder.
    Mir waren die Leute, die Englisch in ihrem breitesten Slang und superschnell gesprochen haben obwohl sie genau wussten dass ich kein „Native Speaker“ bin, jedenfalls sehr unsympathisch.

  4. Ich hab ja noch gefeiert, das kommt im nächsten Beitrag. Alles in Ordnung hier :-). Mit den neuen Kursen bin ich auch bestens zufrieden :-)

  5. Du bist mir ja einer. ^^ Die übelsten Depri-Beiträge verfassen und dabei verschweigen, dass längst wieder die Sonne lacht *tz tz*

  6. Oh je oh je – Kopf hoch, kann nur besser werden. Liebe Grüße von uns allen.

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