Bevor ich meinen Artikel über das Wohnheim reinstelle, möchte ich noch die Geschichte meiner ersten Tage zuende bringen. Der 2. Tag in China stand ganz im Zeichen der Umständlichkeit. Naja eigentlich stimmt das nicht ganz, aber ich fand den Titel für diesen Artikeln nicht schlecht
Morgens wusste ich nicht, ob ich vom Zimmer abgeholt würde, oder ob ich zum Lab gehen sollte. Ich musste heute nämlich zum Jiangsu International Travel Health Care Center um mir dort bestätigen zu lassen, dass ich auch wirklich gesund bin. So dachte ich, ich gehe mal zum Lab und frage wen, der mit mir dahin geht. Nachdem ich ein kleines bisschen rumgeirrt bin, habe ichs auch gefunden. Es ist schon lustig das Gebäude. Es ist ziemlich neu und hat mindestens 4 Gläserne Eingangstüren ohne Schloss. Nur sind tagsüber 2 davon geöffnet, die anderen sind alle mit ner Kette verriegelt. Unglücklicherweise sind nur die Türen geöffnet, bei denen man den weitesten Weg hat, vor allem von mir aus gesehen. Ich muss einmal ums Gebäude rum, dann im Gebäude quer durch den ersten Stock um zur Treppe zu kommen. Die Treppe hoch am Tischtennistisch vorbei, ins Lab. Die Treppenstufen im Treppenhaus besitzen an den Kanten metallene Schutzleisten, die teilweise angeschraubt und teilweise mit Tesa festgeklebt sind. Die festgeklebten Stellen sind auch etwas bröckelig im Tretgefühl. Meine Theorie ist, dass beim Anschrauben der Leisten der Stein gesprungen und abgebrochen ist. Ohne Leiste sehe es unschick aus, die Leiste hingegen hält nicht. Also benutzt der erfindungsreiche Chinese Tesafilm und Klebeband um die Sachen zu befestigen. Ist ja fast unsichtbar
Im Lab angekommen, war derjenige, der mich zum Health Care Center bringen sollte gerade auf dem Weg zu meiner Wohnung. Er kam aber 5 Minuten später wieder im Lab an und wir fuhren mit dem Taxi los. Die Fahrt dauerte recht lang und ich muss heute oder morgen nochmal dahin. Der Taxifahrer wird mich so verarschen, wenn ich alleine fahre. In diesem Center gabs 7 Schalter. Jeder Schalter hatte genau eine Aufgabe und man musste sich bei jedem immer wieder neu anstellen. So gingen wir zum Schalter 1 und sie schickte uns zu Schalter 2. An Schalter 2 saß ein nicht aus der Ruhe zu bringender Mann, erinnerte mich vom Aussehen her ein bisschen an Mao. Als wir dann dran waren, fragte er mich, ob ich das Laborprotkoll meiner Bluttests aus Deutschland dabei habe. Irgendwie natürlich nicht, vor allem weil ich glaube, dass die in der Botschaft in Deutschland eine Seite davon eingesackt haben. Irgendwie war das aber kein Problem und er gab uns nen Zettel mit und schickte uns zum nächsten Schalter. Wir haben den Zettel soweit ausgefüllt und der guten Dame gegeben. Sie wollte ein Passfoto, hatte ich Deutschland genügend machen lassen, nur leider mit meinem Kopf von schräg vorne und nicht frontal. Merke: niemals schöne Fotos von der Schokoladenseite als Passfotos machen lassen. Zum Glück hatte ich in meinem Geldbeutel noch ein schreckliches frontales gefunden und wir wurden gleich zu Schalter 7, zur Kasse geschickt. Da bezahlte ich etwa 20 €, bekam wieder nen Zettel und sollte einen Stock höher zum Blutabnehmen.
Ich fand das etwas abenteuerlich. In Deutschland wird ein riesen Geschiss um Blutabnehmen gemacht. Hier funktioniert das wie an ner Kinokasse. 2 Schalter mit Durchreiche, oder Armdurchstrecke. Der wurde dann schnell mit nem Gummischlauch abgebunden, den Ellenbogen konnte man auf ein Kissen legen. Dann wurde man mit ner Jodlösung eingeschmiert, zack ne neue Nadel ausm Karton und rein in den Arm. Dann mal schnell Blutabnehmen und mit nem Wattepad zum Abdrücken des Einstichs abgespeist. Dabei hätte ich mich über ein Pflaster so gefreut. Das Ergebnis des Bluttests soll man dann ab dem 16.9. abholen können. Aber jetzt ists schon zu spät dafür. Ich machs morgen
Zurück am Campus hatte ich noch etwas Zeit bis zum Mittagessen und so ging ich ins Wohnheim. Ich wollte mich dann mit den Informatikern vor der Mensa treffen. Die aber fürchteten wohl, dass ich die Mensa nicht finde und wir haben uns am großen Springbrunnen getroffen. Zur Info, die Mensa ist bei mir um die Ecke, der Springbrunnen etwa dreimal soweit weg wie die Mensa, wobei die Mensa auf dem Weg liegt. Versteht das mal einer.
Nach dem Essen half mir Chingh mit dem Internet. Das ist auch eine ganz umständliche Sache. Man hat, soweit ich das verstanden habe 3 Arten von Geldaccounts an der SEU. Einen, der direkt auf der Karte gespeichert ist, einen digitalen Geldaccount und ein Internetbudget. Man muss jeden Account anlegen. So um nun Internet zu bekommen muss man von seiner Karte Geld auf das digitale Konto übertragen und davon dann Geld auf das Internetkontingent übertragen. Das geht mit diversen Automaten, die überall rumstehen, aber natürlich alles auf chinesisch. Zum Glück gibts ja ne 6 seitige Anleitung mit Bildern, falls Chingh mal nicht in der Nähe ist um das für mich zu erledigen. Danach waren wir noch ein LAN-Kabel kaufen. Dazu waren wir in einem 2 stöckigem Kaufhaus, das eher an einen Basaar erinnerte. Interessant ist, dass jeder der 5m² Stände das gleiche Angebot hatte und versuchte soviele Artikel wie möglich darzubieten. Da sah man kunstvoll gebundene Computermaus-Sträuße oder PSPs und iPhones nebeinander aufgereiht. Kai meinte zu mir, dass es das iPhone noch nicht in China gäbe …. hmmm. Chingh erhandelte mir ein 10 Meter Kabel für 15 Yuan = 2 Euro.
Am Nachmittag schrieb ich mich für die Chinesichkurse ein. Da die Nachfrage so groß war, haben sie einen Pre-intermediary-Kurs gebildet, von dem ich dachte, er wird zu mir passen. Naja dazu werde ich später nochmal was schreiben. Außerdem hatte eine Informatikerin ein Seminarvortrag zum Thema: „Independent Global Constraints in Web Services“. Englische Folien, aber der Vortrag in chinesisch. Ich habe nichts verstanden
Abends wurde ich von Professorin Wang zum Welcome Dinner des Instituts eingeladen. Das findet für alle neuen Phds und Masterstudenten statt. Sie meinte ich gehöre dazu, auch wenn ich weder Phd oder Masterstudent bin, naja vielleicht könnte ich als Masterstudent durchgehen. Wir trafen uns um halb 6 und gingen dann zusammen in ein richtiges Restaurant. Das war ein Erlebnis, denn in diesem Restaurant waren die Tische durch Wände getrennt, Separees. Ich wurde aufgeklärt, dass der, der das Essen bezahlt immer gegenüber vom Eingang sitzt und rechts und links nach dem Rang geordnet die Gäste sitzen, bis gegenüber der Rangniedrigste sitzt. Ganz so streng wurde das dann doch nicht gehandhabt, so saß Professorin Wang gegenüber dem Eingang und alle anderen wie sie wollten. Wir hatten bei der Anzahl Leute 3 Tische. In der Mitte eines jeden Tisches war eine große runde drehbare Glasplatte mit ein paar Gerichten schon mit Speisen vorgedeckt. Das sei quasi die Vorspeise wurde ich aufgeklärt. (Im folgenden markiere ich gute Sachen mit (y) und schlechte mit (n)) Da gabs Quallensalat(n), kalte Entenzunge(n), mit Chili marinierte Schweineniere (n), Erdnüsse(y), Entenfilets mit süßer Soße(y) und noch andere Sachen, an die ich mich nichtmehr erinnere. Nach und nach wurden immer mehr Speisen aufgetischt, diverse Eintöpfe, auch mit Schweinehaut(n), die 3 Gänge der Pekingente(y,y,n), gebratener Salat und Gemüse(y), eine Auster(y), Fischfilet(y) und noch vieles mehr. Das funktioniert so, dass jeder sich das Gericht, das er essen will, hindreht und sich was mit seinen Esstäbchen rausnimmt. So falls jemand H1N1 hatte von den Leuten am Tisch, hat es nun jeder. Es kann dir auch passieren, dass dir jemand sein Zeug in die Reischüssel oder in den Teller legt. Knochen und nicht gewollte Sachen legt man für gewöhnlich auf den Tisch. Es gab auch einen Hünchentopf, der gefühlt zu 80 % aus Knochen bestand. Da ist Essen wirklich anstrengend. Zum trinken gibts immer grünen Tee und Professorin Wang bestellte Bier. Es scheint, dass Bier hier auch ziemlich populär ist. Die Flaschengröße ist nicht genormt, aber immer so über 600ml. In dem Restaurant trank man das Bier aus Sektgläsern. Da lässt sich gānbēi (干杯 leeres Glas) auch einfach betreiben. Bei gānbēi muss man nämlich das Glas leertrinken. Die Chinesen waren gefühlt nach ner halben Flasche schon ziemlich angheitert und rot angelaufen. Es war en sehr schöner Abend.
Auf dem Heimweg war ich mit Yangjun und einer anderen aus dem Lab, deren Name ich vergessen habe, noch im Kaufhaus. 3 stöckiger Wahnsinn. Und dann bin ich zurück ins Wohnheim.







Donnerstag, 17. September 2009 um 05:04 |
Upsi! Alles Gute Nachträglich!! hoffe du hast schön gefeiert
Donnerstag, 17. September 2009 um 05:11 |
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