Mat am Montag, 14. September 2009

Das war der Blick aus dem Fenster, als ich ab 7 Uhr morgens nicht mehr schlafen konnte, auch weil seit 6 Uhr durchgehend auf der Straße gehupt wurde.

Hupen scheint hier eh das einzige wahre zu sein, um im Straßenverkehr irgendetwas anzuzeigen, vornehmlich, dass man gleich kommt.

Ich hatte etwas Hunger und noch Zeit bis Kai mich abholen kommen sollte, also besuchte ich das hoteleigene Frühstücksbüffet. Mir war es etwas peinlich Fotos zu machen, vor allem weil man eh schon angestarrt wurde, weil man nicht weiß, was und wie man essen sollte. Aber das Büffet war eh der Hammer, also seltsam. Zu Beginn gab es 4 Säulen mit Getränken zum zapfen, eigentlich nichts ungewöhnlich, außer der für Europa untypische Bohnensaft. Ich probierte mich am „Fruit Juice“. Das war ein warmes mit Fruchtsirup zubereitetes Getränk, pendant: Gut & Günstig Orangennektar bei 25°. Dann traute ich mich an die Milch … Wasser mit nem Teelöffel Milchpulver, natürlich auch warm. *brr*

Zu Essen gabs diverse chinesischen Gerichte, die man wohl so in Europa nicht zum Frühstück essen würde, bis auf vielleicht die Baozi … gefüllte Dampfnudeln. Die gebratenen Glasnudeln waren auch lecker. Für den Westler gedacht, aber völlig abstruß zugleich war das angebotene Toastbrot. Vier Scheiben leuchtend gelbes Toastbrot mit Butterdöschen (auch als Butter betitelt), deren Inhalt an geronnene Margarine erinnert und eine leuchtend rosane Erdbeermarmelade. Dazu gabs natürlich kein Messer zum Schmieren. Also wagte ich das Abenteuer mit Stäbchen ein Toast mit Butter und Marmelade zu schmieren, ein sehr müßiges Unterfangen, man konnts aber essen. Dennoch werde ich bei Baozi bleiben, das können die wenigstens.

Mit Kai gings dann erstmal zum Sekretariat für internationale Studenten, wo ich meinen Studentenausweis bekam. Bevor weiteres besprochen wurde, musste da erstmal ein Foto drauf. Dazu sind wir quer über den Campus gerannt, um da das Bild draufzudrucken. Dann gings wieder zurück zum Sekretariat. Da wurde diskutiert in welchen Sprachkurs ich gehöre, nur um festzustellen, dass ich für Elementary zu gut und für Intermediate zu schlecht war. Das Problem stellten wir erstmal zurück und meldeten mich am Wohnheim an. Dafür brauchte ich erstmal 3000 Yuan, 3 Monate Miete im vorraus (umgerechnet nicht ganz 400€). Also zu ner Bank mit Visaautomaten, der zum Glück um die Ecke ist und wieder zurück zum Wohnheim. Dort bekam ich dann ein Futon, ein bezogenes Kissen und eine bezogene Decke. Sie fragten mich, ob es Okay ist, wenn ich bei einem Vietnamesen im Zimmer bin, ich war etwas skeptisch, aber man kanns ja mal probieren. Der Vietnamese war nicht da und ich lud mein Zeug ab.

Dann gingen wir los um am Hotel auszuchecken. Kai meinte wir könnten mich aber auch erstmal überall vorstellen, so war ich bei jemanden, von dem ich nicht weiß, wer er war, der sich aber wohl sehr gefreut hat mich begrüßen zu dürfen. Dann sind wir noch in die Informatikfakultät und Professorin Wang kam extra aus einer Besprechung um mich zu begrüßen. Ich sollte nun Teil des Labs für Master und PHD-Studenten sein, das so 20 Leute umfasst. Ich konnte mir keinen der mir vorgestellten Namen merken *g*. Ich weiß nur, dass die Hälfte Li mit Nachnamen heißt.

Dann gingen wir zum Hotel und ich checkte aus. Kai sagte, Professorin Wang zahlt das Zimmer. War mir sehr recht. Ich musste fortlaufend bei allen Behördengängen nichts für Taxi, Essen oder ähnliches bezahlen … das zahlt alles Professorin Wang. Find ich gut. Wir haben die Koffer zum Wohnheim gebracht und sind dann erstmal zur Mensa, essen gegangen. Das ist ein Erlebnis: 2 Stockwerke und etwa 50 Schalter, an die man sich anstellen kann. Ich hab das System noch nicht ganz durchblickt … unten gibts anscheinend immer zufällig 20 Gerichte zur Auswahl, oben hat jeder Schalter seine eigene feststehende Speisekarte. Auch wenn Kai meinte, dass die Mensa nicht gut ist, fand ich sie doch ganz lecker. Hier kann man übrigens mit dem Studentenausweis bezahlen.Man legt ihn auf einen Sensor und in einem Bruchteil einer Sekunde wird das mit einem lauten Piep von der Karte abgebucht. Nicht dass man wie in Ulm stundenlang warten muss, bis das abgebucht wird. Leider muss man sein Geld immer persönlich in nem Büro drauf laden lassen.

Daraufhin machte ich etwas Mittagspause im Zimmer und richtete mich etwas ein. Und ich traf meinen Mitbewohner zum ersten Mal.

Sein Name ist Chingh, ein sehr aufgeschlossener und lustiger Mensch. Er spricht fast jeden auf dem Gang an und scheint auch alle zu kennen. Leider spricht er fast kein Englisch, so sind wir gezwungen chinesisch, aber vor allen mit Händen und Füßen miteinander zu sprechen. Er hat eine Vorliebe für Weihnachtsmusik, vor allem eingesungen von den Chipmunks. Zudem hat er mich gestern mit seinem neuen Soundsystem mit Subwoofer mit Modern Talking beglückt. (Genau Ralfs Musikgeschmack.) Vielleicht wollte er mir ne Freude machen. Er ist sowieso sehr hilfsbereit und passt auf, dass ich auf der Straße nicht von irgendwas überollt werde. Gestern sagte er auch plötzlich: „mǎi shuǐ (买水)“ Lass uns Wasser kaufen, kassierte 20 Yuan ein und kam mit einem neu-eingepacktem Wasserspender mit eingebautem Kühlschrank an, den die Hausverwaltung wohl immer auf Lager hat. Voll praktisch! Umgerechnet hat das dann etwa 5 € für uns beide gekostet.

Um 2 kam nicht Kai, sondern einer seiner Kollegen und ich ging erstmal mit ins Lab. Leider hat das Health Care Center, an dem jeder Ausländer seine Einreiseuntersuchung machen muss, nachmittags nicht geöffnet. Also bin ich mit einem anderen Kollegen von Kai, genannt Yangjun oder David SIM-Karte und Handy kaufen gewesen. Wir sind dazu in die Innenstadt in einen Laden namens Suning. Dort gabs auf 5 Stockwerken alles mögliche an technischem Schnickschnack. Besonders interessant find ich ja die Art wie der Kaufvorgang von Statten geht: Man wählt sich eine Ware aus, die man bitte nicht aus dem Regal nimmt, sondern nur der Angestellten zeigt. Die gibt einem dann einen Zettel mit Barcode, den man zur Kasse bringen muss um dort die Ware zu bezahlen. Dann geht man mit 2 Quittungen bewaffnet wieder zurück in die Abteilung und im Gegenzug zu einer dieser Quittungen bekommt man dann seine Ware. Das läuft ähnlich wie im Möbelhaus, nur dass ich hier ne Computermaus gekauft habe. (Ja Achim, endlich!) Dann gings wieder zurück zum Campus und nach einer wirklich guten Nudelsuppe gings ins Wohnheim.

8 Kommentare zu “Bürokratie und Einfluss”

  1. Wie sind dort eigentlich die Englisch-Kenntnisse im Allgemeinen? So wie ich das gelesen hab, sollen sie ja in Japan ziemlich mies sein, was das gesprochene angeht. Kommt man da in China besser zu recht?

  2. Kuhl, weisst du schon was im Lab so auf dich zukommt? Also in welche Richtung forschen die denn da?
    Und wenn Chingh gut Chinesisch kann, hast du ja ein super Sprachtraining *g* aber zeig ihm mal gescheite Musik ^^

  3. Die Englischkenntnisse sind mal besser, mal schlechter, aber auf der Straße, in der Hood ;-), da gibts kein Englisch. Manchmal gibts was Englisches in den Kaufhäusern.

  4. Die sind ziemlich hardwarenah und arbeiten an verteilten Systemen. Im Moment haben sie ein Forschungsprojekt, das sich um Target Detecting in Sensor Networks beschäftigt. Kai macht seine Doktorarbeit mit dem Thema, wie man rausfindet, an welcher Position sich überhaupt der Sensor befindet. Ich habe auch schon eine Seminararbeit mitangehört zum Thema, Independent Global Constraints in Webservices. Ich hab kein Wort verstanden ^^.
    Chingh hat leider eine etwas undeutliche Aussprache, was das ihm folgen noch schwerer macht.

  5. Du brauchst doch bestimmt noch einen Fön für deine Wohnungseinrichtung!

    http://www.nodaya-net.com/11438.htm

    :)

  6. Hey Mat, alles gute zum Geburtstag! Ich hoffe du hast einen schönen Tag heute und kannst auch etwas feiern :)
    Btw, lass mal deine Postadresse rüberwachsen!
    liebe Grüße, Juliane

  7. Hallo, die allerbesten Glückwünsche auch von Papa und Desiree natürlich – was gibts den heut Gutes als Geburtstagessen..? Liebe Grüße von uns allen.

  8. Ich hab 2 Torten geschenkt bekommen. Die sind hier sowas von verziert und Geschmückt. Echt der Hammer

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