Tja hier war es jetzt nicht so schön wie in Beijing. Ein bisschen grau und alt, der Flughafen. Keine LCD Anzeigen von welchem Flug das Gepäck nun aufs Gepäckband gelegt wurde, nur eine rote LED-Laufschrift. Zumindest war mein Gepäck schon auf dem Band, bevor ich überhaupt in der Halle ankam. Dann mal schnell zum Ausgang und prompt meine Kontaktperson übersehen.
So irrte ich in der Haupthalle des Flughafens, der nicht größer war als Frankfurt Hahn, hingegen aber 30 Jahre älter, und an einen alten Bahnhof erinnerte, herum und suchte und fand ein Kartentelefon. Das nahm natürlich nicht meine Karte, die ich in Beijing gekauft hatte und so schlich wiederholte Male um die Menschentraube herum, die sich am Ausgang gesammelte hatte und mit Zetteln bewaffnet war, auf denen irgendwelche Namen standen. Dann sah ich endlich meinen Namen und wunk ihm zu. Das war also Li Kai, Vorname Kai, Nachname Li. Wir begrüßten uns und ich klärte ihn über meine Namensverhältnisse auf, dass Matthias mein Vorname ist.
Er kaufte uns Bustickets und wir fuhren mit nem Linienbus in die Stadt. Die Fahrt dauerte ziemlich lange und so hatten wir Zeit uns zu unterhalten. Er fragte mich ob ich denn schon einen chinesischen Namen hätte oder wie man ihn denn auf chinesisch nennen sollte. Er schlug vor mich lǎomǎ (老马) zu nennen, weil man lǎo vor jeden beliebigen Namen hängen kann um daraus einen Spitznamen zu machen. Naja übersetzt heißen die Schriftzeichen „altes Pferd“, aber ich glaub ihm einfach mal, dass das wirklich keine Beleidigung ist. Im übrigen werden Ausländer kosenamenstechnisch als lǎowài (老外) bezeichnet. Das heißt soviel wie „alter Ausländer“. Ich könne ihn auch „Neo“ nennen, meinte er. Ihm gefalle nämlich der Film „the Matrix“ so sehr. Clichée bestätigt
Wir redeten über diverse Dinge, was ich und er so zurzeit machen, was wir für Hobbies haben, etc. Er zählte mir einige deutsche Fußballspieler auf und sagte, dass man in China gerne die Bundesliga schaut und nannte natürlich auch stolz die beiden chinesichen Fußballspieler, die wohl in irgendwelchen deutschen Vereinen spielen. Dann fragte er mich, wie ich denn Karl Marx so finden würde. Da klingelten die Alarmglocken: „Oh, oh, Pfandfrage!“ Ich versuchte so neutral wie möglich zu antworten und sagte, dass ich seine Philosophie schon gut fände, es aber am Staat liegen würde, wie das umgesetzt wird. Er sagte dann nur sinngemäß: „Ich finde nicht, dass Marx ein Philosoph ist, Marx ist nicht gut, ich darf das jetzt nicht so laut sagen, aber die Regierung ist Mist.“ Irgendwie überraschte es mich nicht, dass ein PHD der Informatik sowas sagt.
Wir stiegen an einer für jede Richtung 3 Spurigen Straße aus dem Bus. Hier wurde mir zum ersten Mal klar, warum große Städte in China so versmoggt sind. Was sich da an Verkehr umwälzt, in einer Art geordnetem Chaos. Ich sage nur Survival of the Fittest. Wir warteten auf einen Anschlussbus. In China gibts keine Fahrpläne, nur eine Liste von Stationen, die angefahren werden. Nur weiß keiner, wann ein Bus nun kommt und ab wann er nichtmehr fährt. Also nachdem wir dann gesehen hatten, dass die Linie 3 innerhalb von 10 Minuten 10 mal an uns vorbeikam und alle anderen Linien auch mindestens einmal kamen, nur nicht die, die wir fahren wollten, beschloss Kai oder Neo (ich habe mich noch nicht entschieden, wie ich ihn nenne soll) ein Taxi anzuhalten. Chinesen sind sehr ungeduldig, was sich im Verkehr und beim warten auf den Bus deutlich widerspiegelt. In Ulm muss man mindestens 10 Minuten auf nen Bus warten, eine Ewigkeit für einen Chinesen. Ein Taxi zu bekommen, war auch nicht so einfach, die Milliarden Taxis, die an uns vorbei kamen, waren alle schon belegt. Ich glaube die Hälfte aller in den Städten wohnenden Chinesen sind Taxifahrer, die andere Hälfte ist zu diesem Zeitpunkt leider Taxi mitgefahren.
Irgendwann bekamen wir dann auch ein Taxi, und wir fuhren zum Campushotel, weil es leider schon zu spät war für ein Wohnheimszimmer. Ich schluckte erstmal wieviel eine Nacht in dem Hotel kostet … das billigste Zimmer war etwa umgerechnet 50 €, dafür hatte es einen Flatscreen, ein überbreites Bett, schicke Sessel, etc und das ganze auf nur 8 m².
Unten im Nachtschränkchen lagen sogar Kondome. An alles haben sie gedacht, nur etwas teuer fand ich die:
Links 3 € rechts 2 €.
Zum Abendessen traf ich mich mit Maik, einem Bekannten, der bis vor kurzem noch in Berlin gewohnt hat, und jetzt zufällig auch in Nanjing eine Arbeit bekommen hat. Kai kam nicht mit, er wollte Heim zu seiner Frau, denn sie hatte gekocht *g*. So aß ich mein erstes chinesisches Essen von ner Fressbude, Maik hat bestellt.
Dann haben wir uns noch mit nem „Bier“, also es erinnerte eher an Kölsch-gold-eiskristall-extralight, an nen Brunnen im Campus gehockt.







Sonntag, 13. September 2009 um 04:53 |
Hey „Altes Pferd“,
macht richtig Spaß deine Artikel zu lesen ich denke das wird ne sehr sehr spannende Zeit
Dann wünschen wir dir mal viel Spaß in der verfrühten Vorlesung *G*
Also lieber Märchenonkel bitte halte uns immer schön bei Laune auf deinem Blog!
Sonny&Micha
Sonntag, 13. September 2009 um 06:15 |
Mensch hab ich einen Lachanfall bekommen als ich das mit dem alten Pferd gelesen hab
Wie warm oder kalt ist es denn bei dir so? Gibts viele Austauschstudenten (woher kommen die so)?
Ich wünsch dir einen schönen ersten Uni-Tag, schreib fleissig weiter!
greetz
Sonntag, 13. September 2009 um 07:21 |
Endlich is hier was los!
Mehr mehr mehr!
Sonntag, 13. September 2009 um 07:36 |
Raimer, die Messlatte für den „ich-schreibe-wirklich-alles-hier-rein“ Wettbewerb hast du schon ganz schön hoch gesetzt.
Klingt aber alles sehr interessant
Vor allem die Aktivitäten nachts.
Montag, 14. September 2009 um 01:17 |
Im Moment ist das Wetter ziemlich angenehm, etwas schwül, aber das lässt sich wohl nicht vermeiden hier. T-Shirt und kurze Hose
Mein Mitbewohner ist Vietnamese, ansonsten ist hier wohl auch jedes afrikanische Land vertreten, das man kennt. Es gibt Koreaner, Japaner, Malaysier, Inder, einen Österreicher und mehrere Deutsche. Aber irgendwie scheinen alle BWL zu studieren. Nur der Ösi, der is ein Dipl Inf.
Montag, 14. September 2009 um 12:32 |
Hej hej,
sehr schöne Einblicke!
Bin auch gespannt auf Beschreibungen und Bilder aus Wohnheim und Uni…
Viel Spaß dir und viele Grüße aus Schweden
Flo
Mittwoch, 16. September 2009 um 01:37 |
Die kommen noch. Der Artikel ist schon fertig, wobei mir grad noch was eingefallen ist.