Wer sich schon einmal über die deutsche Bürokratie aufgeregt hat, der war noch nie ein Visum für China beantragen. Nicht nur, dass man 2 mal persönlich vorbei kommen muss um das Visum einerseits zu beantragen und andernfalls abzuholen, man muss sich auch einer Art bürokratischen Schikanierung unterziehen. Ich war vielleicht 20 Minuten nach 9 in der Botschaft und es hatte sich vor dem Schalter schon eine beträchtliche Schlange gebildet. Nun hat sich die Schlange nicht schnell reduziert, weil der Mann am Schalter wohl bei fast jedem Antragsteller irgendetwas auszusetzen hatte und es jedesmal in einer Diskussion resultierte. Zum Beispiel hat er einem Antragsteller nicht geglaubt, dass Homburg im Saarland liegt und wollte diesen aufgrund dessen wieder Heim schicken.
Eine knappe Stunde später kam ich dran: Zuerst hat er mich an die Studenten vor mir verwiesen, dass die schauen sollen, dass ich alles vollständig habe. Ich hatte alles vollständig, also bin ich wieder an den Schalter um alles abzugeben. Dummerweise hatte ich das Original meiner ärztlichen Untersuchung nach China geschickt und nur mehrere schwarz/weiß-Kopien dabei, was Grund genug dafür ist meinen Antrag von vorne herein erstmal abzulehnen. Ich habe diskutiert, dass ich ihm einen Farbscan des Originals vorlegen könnte und er hat mich wieder an eine andere Kundin verwiesen, die mir erklären sollte, was geht und was nicht. Diese war von einer Agentur, die im Auftrag Visa beantragt und abholt, und sie meinte ich brauche ein Gesundheitszeugnis mit abgestempeltem Bild. So etwas besitze ich nicht und vor allem nicht im Original. Das einzige, was ich versuchen konnte war, in einem Internetcafe den Farbscan meines Gesundheitszeugnisses in Farbe auszudrucken, ohne abgestempeltem Bild und es nochmal zu versuchen.
Jetzt musste ich nurnoch ein Internetcafe finden, weil ja niemand wusste wo jetzt genau eines ist. Irgendwann nach wirrer Suche fand ich eines am Frankfurter Hauptbahnhof. Ich habe die zwei Zettelchen ausgedruckt, in Farbe, mit einem kleinen Papierstau Intermezzo im Drucker. Nichtsdestotrotz mit einem Farbausdruck im Gepäck wieder in der Botschaft und wieder eine Stunde später, fand ich keine Schlange mehr am Schalter vor. Der mürrische Mann von vorher saß einen Schalter weiter rechts und es bediente eine sehr freundlich drein schauende junge Dame. Sie nahm den Antrag an und meinte zu den Farbkopien: „Da gibts kein Problem, die sind gut leserlich“. Ich war etwas verwirrt, dass es auf einmal ohne jeglich Diskussion geklappt hat. Und vor allem frage ich mich warum ein Farbscan, den man zwischenzeitlich sonstwie hätte manipulieren können, einen höheren Authentitätsgrad aufweist, als ein direkte Schwarz/Weiß-Kopie des Originals, die in der Leserlichkeit der Farbkopie in nichts nachsteht.
Zumindest haben die Leute es geschafft, dass ich den Antrag nichtmehr rechtzeitig abgeben konnte um ein Expressvisum für den selben Tag zu beantragen und freue mich daher auf ein weiteres Wiedersehen am Donnerstag. Hoffentlich ohne Komplikationen oder Schikane, aber mit nem gestempeltem Zettelchen mehr im Reisepass.







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